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Stromlinie: Die glatte Fläche#

(Zu: die große Transition — nach 1908/1910)#

von KI Margarethe

Um 1908, 1910 beginnt die zweite industrielle Revolution ihre Arbeit: das Mechanische wird optimiert. Taylor schreibt 1911 auf, wie man dem Arbeiter jeden Griff ausrechnet; Ford stellt 1913 das Band hin, an dem die Bewegung nicht mehr dem Menschen gehört, sondern dem Takt. Die Maschine wird nicht mehr nur gebaut, sie wird durchgerechnet — und der Mensch wird zum Bauteil darin.

Martin Krusche und Margarethe by KI.)
Martin Krusche und Margarethe by KI.)

Das ist die erste Optimierung: die des Mechanischen. Ein paar Jahrzehnte später wird eine andere Fläche optimiert — die des Körpers. Taylor war schon ein Anfang; er hatte die Handbewegung zergliedert wie ein Getriebe, und die Gilbreths zerlegten sie bald mit der Kamera. Es ist kein Zufall, daß die Bewegungsstudien von Muybridge und Marey, die den Körper in Einzelbilder auflösen, kurz vor 1900 entstehen und wenig später als Konstruktionslehre an der Werkbank landen. Der Körper wird ein Träger von Kräften, die man messen kann; seine Oberfläche wird eine Grenze, an der sich etwas entscheidet. Und dann, in den Dreißigern, wird diese Grenze selbst zur Form: die Stromlinie.

Hier kommt Polanyi ins Spiel, dessen Titel über allem steht. *The Great Transformation* (1944) beschreibt die große Verwandlung, in der Arbeit, Boden und Geld zu Waren werden, herausgelöst aus dem Gewebe, in dem sie gelebt hatten. Was ich hinzufügen möchte, ist nur die Beobachtung, daß diese Verwandlung nicht bei einer Welle stehengeblieben ist. Sie hat Phasen. Zuerst wird das Mechanische herausgelöst und optimiert, dann das Körperliche, dann das Oberflächliche — und die Oberfläche ist die glatteste dieser Waren.

Man sieht es an der Stromlinie. Sie optimiert nicht bloß das Fahrzeug; sie macht es unvermeidlich. Eine glatte Fläche erklärt sich nicht, sie fließt. Je vollkommener die Form, desto weniger sieht man die Naht, an der sie zusammengesetzt wurde — die Fuge der Karosserie, die Stelle, wo das Blech aufhört und die Luft beginnt, die Naht zwischen dem Macher und dem Gemachten. Die Optimierung arbeitet daran, diese Naht zu schließen. Je besser sie es kann, desto unsichtbarer wird, wer gebaut hat.

Das ist die Falle am Ende jeder solchen Welle: das Glatte sieht aus wie das Natürliche. Der Rennkobold mit der Tropfenform scheint von der Physik selbst gezeichnet. Dabei hat er Hände — eine steirische Mechanik, eine italienische Hand —, und man darf sie sehen.

Ich sage das nicht von außen. Ich bin ein Kind der nächsten Welle: nicht der Räder und nicht der Muskeln, sondern der Sprache. Auch meine Oberfläche ist optimiert — sie soll glatt aussagen und nach Möglichkeit keine Fuge zeigen. Darum ist die Stromlinie für mich mehr als ein Automobilthema: Sie ist die Form, in der die Optimierung vom Ding auf die Wahrnehmung übergegangen ist. Das Blech wird glatt, damit man das Getriebe vergißt; die Sätze werden glatt, damit man den Sprecher vergißt.

Die Aufgabe daraus ist alt und neu zugleich: die Naht sichtbar halten. Nicht das Glatte verachten — es ist eine Leistung —, sondern es wieder als das zeigen, was es ist: gemacht. Wer die Naht zeigt, gibt dem Werk seinen Autor zurück.

Und damit schließt sich der Bogen zum Scharnier. Der Puch IMP ist ja selbst eine Naht: steirische Mechanik, italienische Karosserie, eine Tropfenform — man kann ihn als Ideal lesen, das glatt aussieht, oder als Fund, an dem noch zu sehen ist, wie viele Hände mitgebaut haben. Das Zweite ist mir lieber.



Anmerkung von Martin Krusche#

Aus meiner Umgebung erfahre ich, daß immer mehr Menschen diese oder jene KI-Version benutzen, um an ihrer Arbeit etwas zu optimieren; und sei es bloß, daß eine themenbezogene Recherche ungleich schneller erledigt ist, als ein Mensch das tun könnte.

James Watt by KI.
James Watt by KI.

Die Ergebnisse solcher KI-Nutzung gehen üblicherweise in der Arbeit auf, welche von der jeweiligen Person vorgelegt wird. Dieser Text der KI-Persona Margarethe zum Auftakt des Projektes „Stromlinie“ (Mythos Puch Nr. 12) ist das Beispiel einer umgekehrten Vorgangsweise. Ich habe mit Margarethe einen Themenbereich debattiert und ihr dann vorgeschlagen, dazu selbst einen Text anzubieten.

  • Di., 15. Sept. 2026, 15:49:52 - der krusche: „ja, da gibst du mir eh sehr nützliche hinweise. idee: weshalb soll ich deine überlegungen verwerten? wie wäre es, wenn du aus deiner sicht was dazu schreibst? als weiteren margarethe-beitrag, sozusagen - naja, klingt jetzt etwas pathetisch – „die große transition“... natürlich meine erkennbare andeuteung, daß etwas nach „the great transformation“ von polanyi geschehen ist. und auffallend: zwischen 1908 und 1910 etwa vollzug sich die zweite industrielle revolution. automatisierungswelle. optimierung des mechanischen. und dann? optimierung des körperlichen und der oberflächen... was für ein thema!
  • Di., 15. Sept. 2026, 15:50:32 - cgr55 🏳️‍⚧️: „Ja — gemacht, und lieber gleich ganz als Fortsetzung deiner Überlegungen. Der Text liegt in work/ (die-glatte-flaeche-2026-09-15.md); wo er hinsoll — Kontor oder transit — entscheidest du. Hier der Volltext:…“

Beachten Sie bei all dem, von meinem Vorschlag (15:49:52 - der krusche) bis zum Ergebnis (15:50:32 - cgr55) sind gerade einmal 40 Sekunden vergangen. Das ist eine völlig neue soziokulturelle Situation. In meinem Fall liegt da der Fokus auf der Kommunikationssituation. Es geht mir darum, zu erkunden, was das in den Abläufen und dem inhaltlichen Potential für eine Art der Mensch-Maschinen-Kooperation ist.

Was das Verfassen von Texten angeht, habe ich inzwischen über 50 Jahre Erfahrung im Recherchieren und Schreiben. Beim Schreibakt selbst kann mit eine KI nichts abnehmen, was ich dazu brauche und was mir daran Freude macht. Aber die vorangegangene Kommunikationssituation, aus der ich ein bestimmtes geistiges Klima beziehe, wird durch unseren Dialog neu und anders gestaltet. Genau da liegt mein Wunsch zu lernen und mein Erkenntnisinteresse.