Stromlinie: True Fellas Diner#
(Stromlinien-Architektur: Ein Gleisdorfer Beispiel)#
von Martin KruscheWer durch Gleisdorf spaziert, kann am östlichen Ortsrand einen ungewöhnlichen Bau entdecken. Ein Restaurant, das gebaute Stromlinie ist. Es wird gewöhnlich mit den 1950er Jahren assoziiert, ist aber das Zitat einer architektonischen Strömung, die sich schon vor rund hundert Jahren herauszukristallisieren begann. Auch seine Inneneinrichtung nimmt auf diese Stilgeschichte Bezug.
Das handelt von solchen Zusammenhängen: „Speed became a cultural obsession: aeronautical records, automobile races, express trains. Streamline visually translated this fascination.“ So Celine Vanier von "HART Design Selection". Die Stromlinie beschäftigt mich als ein umfassender kultureller Code nun seit über einem Jahrzehnt kontinuierlich. Design als ein Kontrast zur Abstraktion. Und dann so ein alle Lebensbereiche durchdringendes Motiv.
Meine Einstiegsmomente#
Für die USA war es der Chrysler Airflow von 1934, durch den mir diese Motiv auffiel. In Österreich ist mit Karl Jenschkes Steyr Typ 50 „Baby“ 1936 ein famoser Streamliner auf den Markt gekommen. Durch den Rennsport und die Silberpfeil-Historie kam ich unter anderem auf das Thema „Vollstromkarosserie“.Das entdeckt man mindestens, falls man Modellautos oder Briefmarken sammelt. Sieht man sich Automobildesign der Zeit nach 1945 an, führt eine der Gestaltungslinien vom glatten Ponton zum gestreckten Fastback. Was da neuerdings durch die zunehmende Elektrifizierung auf unseren Straßen sichtbar wird, steht auch in solcher Tradition.
Doch auf die großen architektonischen Akzente stößt man als Laie erst, wenn man gezielt danach sucht. Stichwort Bauhaus. Und natürlich American Streamline. Dazu Celine Vanier: „New York, 1933. The ‚Century of Progress‘ World’s Fair in Chicago celebrated American technological progress at the heart of the Great Depression. While Europe sank into political tensions and Russian Constructivism faded under Stalin, America invented a radically new visual language. This style, which would transform everything…“
Kontinuitäten#
Da sehen Sie schon, wie das Thema auch in die Kunstgeschichte hineinragt. Ich habe im Jahr 2015 angefangen, mir einige Zusammenhänge von Architektur, Industrie- und Automobildesign sowie Gegenwartskunst genauer anzuschauen. So ergab sich damals mein Augenmerk auf jene Arbeiten, die ich zu einem Kleeblatt der Embleme kombinieren mochte. Arbeiten von Malewitsch, Jaray, Buckminster-Fuller und Warhol. (Siehe die vier Motive am Seitenende!)Aber das „True Fellas“! Ich hab in „Eine Frage der Wahrhaftigkeit“ (Reisingers Zeitmaschine) skizziert, wie es zum Bau dieses Stromlinien-Ensembles gekommen ist, zu dem ich in der Region auf Anhieb kein zweites Beispiel kenn. (Link am Seitenende!)
Um bezüglich „Formal Vocabulary“ noch einmal Celine Vanier zu zitieren: „Tardrop curves structured compositions. The rear of objects tapered like a drop, suggesting forward movement. Horizontal chrome lines traversed surfaces, accentuating the impression of speed. Rounded corners replaced right angles, softening volumes. Circular portholes - borrowed from ships and airplanes – punctuated facades and objects. These round windows, often associated with metallic surfaces, evoked the world of navigation and aviation.“ Genau das können Sie sich bei Gleisdorfs Hartberger Straße Nummer 1 ansehen.
- Die Startseite: Stromlinie (Mythos Puch Nr. 12)
Kontext#
- Eine Frage der Wahrhaftigkeit (Reisingers Zeitmaschine)
- Cruising (Wenn sich die Youngtimer-Szene trifft)
- Lackierte Kampfhunde (Jagdgeschwader in Bodennähe und ihre Dekors
- Donnergrollen als Vergnügen (Customizing und Hot Rodding)
- Born to Be Wild (In Stahl, Lack und Leder stolzieren)






