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Martin Krusche auf Whiskey, Emile Zola auf Absinth. (Foto by KI)
Martin Krusche auf Whiskey, Emile Zola auf Absinth. (Foto by KI)

Episode 67: Jacuzzi! II#

(Kulturpolitischer Diskurs)#

Von Martin Krusche#

Da ist „der Bohèmien“ als nonkonformistischer Bürgerschreck, von dem der Bourgeois erfährt, wo der Hammer hängt. Tatsächlich? Nein. Das ist erstens 19. Jahrhundert und zweitens heute bloß noch ein Spießer-Klischee. Eine Pose, mit der eine soziale Front markiert wird, die es so nicht mehr gibt. (Eigentlich hat schon Balzac das Thema erledigt.)

Dann wäre da „der Unbequeme“ mit seiner lauten Stimme, wie er den Kräften aus Politik und Verwaltung vorweg die Welt erklärt und danach zuruft, was sie gefälligst tun sollten, damit den Kunstschaffenden ihre Arbeit nicht gar so schwer gemacht werde.

Deshalb dieser Titel meiner 67. Episode. Freilich hat Emile Zola nicht „Jacuzzi!“ gerufen, sondern „J’accuse!“, also: „Ich klage an!“. Sein Statement erging im Jänner 1898 als ein offener Brief anläßlich der Dreyfus-Affäre vor allem an Félix Faure, den damaligen Präsidenten der Französischen Republik.

Klare Kante#

Zola flehte nicht um eine Verbesserung der Situation, er kam sehr genau auf den Punkt. Sowas verlangt Sachkenntnis und Esprit. Daran erinnerte ich mich, als am 16.6.2026 im Gleisdorfer Rathaus eine öffentliche Debatte zur kulturpolitischen Lage stattfand.

Dabei gab es einen Block an Wortmeldungen, die klangen mir in Summe genau nicht nach einem Zola’schen „J’accuse!“, sondern bloß nach einem erregten „Jacuzzi!“, das einerseits nicht enden wollte, aber andrerseits auch auf keinen konkreten Punkt kam. (Anm.: Was ein wenig nach Zola klingt, ist ein Familienname. Die Gebrüder Jacuzzi hatten in den USA mit den von ihnen produzierten Sprudel-Badebecken großen Erfolg gehabt.)

Die Gleisdorfer Jacuzzi-Kundgebung gipfelte im Appell einer Frau, die explizit forderte, es müsse endlich eine „Kultur für alle“ geben. Auf dieses Thema werde ich noch extra eingehen. (Fortsetzung folgt!)