Inhalte, Handwerk, geistige Prozesse#
(Hannes Schwarz im Spiegelgitterhaus)#
von Martin KruscheDer Maler wurde am 27. April 1926 in Anger bei Weiz geboren. Da runden sich also gerade hundert Jahre, über die nachzudenken sich jetzt besonders lohnt. Erst während der Woche nach dieser Vernissage ist mir klar geworden, wie treffend die Ausstellung gesetzt war.
In den Corona-Tagen hatten wir eine Krise der Demokratie erlebt, die sich auf Gleisdorfs Straßen über Monate unüberhörbar manifestiert hatte. Das Weltgeschehen zeigt uns, daß der Faschismus nie weggewesen ist und sich aktuell in politischen Formationen deutlich äußert. Nicht nur bei Großmächten, auch im Kleinen, im Raum Gleisdorf, wo Neofaschisten noch heute gelegentlich ihre Zeichen setzen.
Dazu kam aktuell Gleisdorfs kulturpolitische Krise, zu der von der Politik wie von der kulturellen Basis der Stadt gleichermaßen seit Monaten valide Befunde fehlen, dank derer in den verschiedenen Sektoren konkrete Vorschläge zur Problemlösung erarbeitet werden könnten.
Ein markantes Signal#
Es erscheint mir geradezu verblüffend, daß in diesem mehrjährigen Zusammenwirken verschiedener Kräfte an den Fundamenten der Republik und im Gemeinwesen nun eine Persönlichkeit wie Hannes Schwarz in unseren Fokus gerückt wird. Er war ein Zögling der Tyrannei (NS-Ordensburg Sonthofen), ein Soldat des Diktators und in den Konsequenzen sich selbst gegenüber von unerbittlicher Kritik, was diese Prägungen anging. Daraus ergaben sich bemerkenswerte Konsequenzen.Was den künstlerischen Rang von Arbeiten angeht, bedarf es nicht nur der Inhalte, des Handwerks und der ästhetischen Erfahrungen, sondern stets stützt sich die Kunst auch auf geistige Prozesse. Am Werk von Schwarz kann man das exemplarisch ablesen.
Deshalb gefällt es mir nicht besonders, wenn man ihn als „Mahner“ hervorhebt und damit quasi an ihn delegiert, was zu tun sei. Ich ziehe es vor, mich an ihn als einen Zeitgenossen zu erinnern, der auf sehr konsequente Art ein Leben in der Kunst führte, das er übrigens mit seiner ebenfalls sehr geistreichen und künstlerisch kompetenten Frau Elfriede teilte. (Sie war eine junge Musikerin, als er sie 1945 kennenlernt hatte.)
Wege auf die Höhe der Zeit#
Von einem meiner Besuche im Jahr 2008 hatte ich notiert, was Schwarz offenbar für grundlegend hielt. Zitat: „Es wohnt eine tiefe Unsicherheit neben meiner Sicherheit.“ Ein Metier ohne Gewißheiten. Stets bleibt etwas offen. Manchmal bleibt alles offen. Der alte Mann sagte lächelnd: „Oft habe ich das Gefühl, meine Zeit kommt erst!“ Nach einer kleinen Pause fügte er hinzu: „Wenn der ganze Jahrmarkt vorbei ist.“ Schwarz erwähnte bei anderer Gelegenheit Maler Kurt Weber (1893-1964) als den „ersten modernen Weizer“, der in Paris jene Erfahrungen gesammelt hat, welche ihn zu einem künstlerischen Repräsentanten der Moderne gemacht haben. Schwarz: „Da ist es dann zum Bruch gekommen. Die Leute haben das nicht verstanden. Auch die Maler nicht.“Wären bei der Gelegenheit noch Arthur Kurtz (1860–1917) und Augustin Kurtz-Gallenstein (1856–1916), zu erwähnen, über die Monika Lafer ein Buch verfaßt hat; zum Thema „Zwei Künstler im Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruch“.
Ich erwähne das, weil gründliche Evidenz besteht, daß die oststeirische Provinz durch solche Persönlichkeiten mindestens in Nischen aufgehört hatte provinziell zu sein. Das wirkte bis in proletarische Kreise, wofür beispielsweise der einstige Elin-Hackler Albin Schrey steht, dessen Werk beachtenswert ist.
Konjunkturen?#
Ich habe solche Entwicklungen vor Ort in teilnehmender Beobachtung ab etwa Mitte der 1980er Jahre weiter wachsen sehen können. Es lohnt sich, heute zu überprüfen, weshalb das inzwischen so markant abflauen konnte.Wie vorhin erwähnt, ich halte nichts davon, Persönlichkeiten im Rang von Hannes Schwarz als „Mahner“ hervorzuheben und so zu delegieren, was aktuell zu tun sei. Ich meine, man erweist diesen Kräften Referenz, indem man dem Beispiel folgt und sich mit Fragen der Kunst gleichermaßen konsequent befaßt wie mit dem Phänomen der Tyrannei.
Ich hatte bei der Vernissage die Gelegenheit, in einem ruhigeren Winkel ein sehr ausführliches Gespräch mit einem der früheren Weggefährten von Hannes Schwarz zu führen. Maler Gustav Zankl, heute 97 Jahre alt, war ebenfalls ein Zögling des Nazi-Regimes. Er hatte sich individuell aus diesem ideologische Käfig befreien müssen, was auch in seinem künstlerischen Weg Entsprechungen gefunden hat.
Wie Schwarz gehörte er zur „Jungen Gruppe“ und zu den Gründungsmitgliedern des „Forum Stadtpark“. Zankl sagte vor Jahren in einem Gespräch mit Colette M. Schmidt: „Wir hatten den Krieg überlebt und extrem viele Diskussionen geführt über die Sinnhaftigkeit unserer Existenz.“
Wie hier schon skizziert, die Ereignisse der letzten Jahre legen es lokal, regional und global gleichermaßen nahe, solche Debatten weiterzuführen. Nicht einfach im andächtigen Lauschen einer Laudatio, die den erfahrenen Meistern gewidmet ist, sondern vor allem auch im Reflektieren dessen, was sie zum geistigen Leben der Steiermark beigetragen haben; um das weiterzuführen.
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