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Hannes Schwarz: „Rhythmische Bergformation“, 1999, Öl auf Leinwand.
Hannes Schwarz: „Rhythmische Bergformation“, 1999, Öl auf Leinwand.

Sinn der Vernissage#

(Hannes Schwarz im Spiegelgitterhaus)#

von Martin Krusche

Nun noch ein Album-Blatt zur Veranstaltung und ein paar Anmerkungen. Die Vernissage ist Ausdruck von geistigem Leben, das sich nicht im Herumstehen mit Drinks in Händen einlöst. Vernissagen waren ursprünglich eine spezielle Geselligkeit, bei der neue Gemälde eine konservierende Schicht aus Firnis erhielten. (Das französische Wort für Firnis oder Lack lautet vernis.) Die Vernissage war also das Firnissen von Gemälden, nicht in einsamer Arbeitsleistung, sondern als eine Mischung aus rituellen und sozialen Aspekten.

Heute sind Vernissagen längst mit ganz anderen Funktionen befrachtet. Verdiente Personen wollen öffentlich erwähnt werden. Ein Werk verlangt nach Erläuterung. Durch „musikalische Umrahmung“ wird oft die Erweiterung in Richtung einer Weihestunde angestrebt.

Mir muß man Werke nicht vor Publikum erläutern. Was ich eventuell an Fragen habe, bearbeite ich vorweg oder finde hinterher Gelegenheit, mich in ein Thema, ein Oeuvre zu vertiefen. Vortrag oder Vernissage? Zwei grundverschiedene Formate. Der Menschen Aufmerksamkeitsspanne reicht bei konzentrierter Arbeit ohne Ablenkung vermutlich kaum über 20 Minuten hinaus.

Falls ein Vernissagen-Publikum rund zehn Minuten aufnahmebereit bleibt, würde ich mich als Eröffnender glücklich schätzen und diese Minuten keinesfalls verplempern. Wer vorne steht und mehr Zeit in Anspruch nimmt, versteht sein Handwerk nicht oder ist einfach aufdringlich.

Infrastruktur#

Vernissagen haben für mich zwei wesentliche Funktionen nach innen. Ich will mich den Werken ausliefern. Und ich will Gespräche mit geistreichen Menschen haben. Das sollte mir von den Gastgebenden erleichtert werden. Die Funktionen nach außen sind gemeinwesenorientiert. Ein geistiges Leben in der Stadt braucht reale Orte. Und es braucht adäquate Rahmenbedingungen, da verschiedene Kunst-Genres angemessener Präsentationsräume bedürfen.
Maler Gustav Zankl und Kunsthistoriker Roman Grabner
Maler Gustav Zankl und Kunsthistoriker Roman Grabner
Impresaria Heidrun Primas und Maler Gustav Zankl,
Impresaria Heidrun Primas und Maler Gustav Zankl,

Arbeiten wie die von Hannes Schwarz verlangen umgebenden Raum. Ruhige Flächen. Solche Werke eng zu hängen fände ich abstoßend. Ergo: White Cube. Glatte Wände und gutes Licht. Punkt! So ein Oeuvre muß man mir nicht in einem Café anbieten, lieber auch nicht im Foyer einer Bank und schon gar nicht in den Ruheräumen einer Sauna.

Es läßt sich ganz einfach begründen. Im Kulturbetrieb einer Stadt weiß ich zwischen Entertainment und geistigem Leben zu unterscheiden. Entsprechend meiner Laune wähle ich diese oder jene Art der Veranstaltung. Was Hannes Schwarz geleistet hat, ist nicht zum Entertainment geeignet.

Architekt Eugen Gross
Architekt Eugen Gross
Musiker Georg Gratzer
Musiker Georg Gratzer

Dafür würde ich die Perfomance eines Comedians bevorzugen. Oder ich wüßte ein Konzert der Stadtkapelle zu schätzen, wenn da etwas auf hohem Niveau bedeutende Filmmusik gespielt wird. Aber eine Schwarz-Ausstellung möchte ich mir möglichst unbehelligt ansehen, um dann in anregenden Gesprächen aufzugehen, denn dafür verlasse ich abends noch gerne außer Haus. Das Angenehme, bei einer Schwarz-Ausstellung darf ich davon ausgehen, daß ich erfreuliche Begegnungen und gute Gespräche haben werde.

Und die Raumfrage? Die Kommune hat eben aus wirtschaftlichen Gründen Räume der Kunst aufgegeben. Bleiben immerhin noch Stätten für Entertainment und Ertüchtigung. Turnhalle und Sportstadium. Die Eislaufhalle im Zentrum. Das Freibad mit dem Refugium. (Die „Kulturstadt Gleisdorf“ ist wohl eher eine „Fitnessstadt Gleisdorf“.)




Kulturreferent Karl Bauer und Malerin Monika Lafer
Kulturreferent Karl Bauer und Malerin Monika Lafer
Maler Gustav Zankl und Autor Martin Krusche
Maler Gustav Zankl und Autor Martin Krusche