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Transit: Plötzliches Ende#

(Ein Femizid)#

von Martin Krusche

Wir müssen nicht alle Tage daran denken. Es würde einen vermutlich schwermütig machen. Aber klar ist, daß ein Leben jederzeit enden kann. Meines, Ihres, unser aller Leben ist mit keinerlei Garantien auf Dauer versehen. In den wiederkehrenden Gängen über Friedhöfe ist das für mich sehr anschaulich, denn dort ist praktisch jedes Alter notiert.

Ein junges Gesicht oder ein entsprechendes Geburtsjahr auf Gräbern. Sowas unterstreicht für mich dieses Geschenk meiner nun siebzig Jahre. Auf einem dieser Gänge fiel mir Bernadette auf. Jahrgang 1986. Auf dem Foto lachend. Und dieser Satzteil: „sinnloser Tod“.

Ein bemerkenswertes Detail. Welche Debatten sind denn in unserer Kultur üblich, die von einem „Sinn des Todes“ handeln und daher Referenzpunkt für dessen Gegenteil wären? Da landet man schnell bei Klischees, wenn man gedanklich nicht auf der Hut ist. Ich sah dann erst zuhause nach, worauf der vorgefundene QR-Code verweist. Dadurch wurde mir dieses Memento klar; was „sinnloser Tod“ hier meint.

Es findet sich im Web ein Text, der von einer Ehefrau und Mutter erzählt, welche im Jahr 2017 Gründe hatte, von ihrem Ehemann die Scheidung zu verlangen. Das führte zu einem Augenblick der Anmaßung und der mangelnden Impulskontrolle ihres Mörders. Zitat: „Sie wurde von ihrem Ehemann geschlagen und anschließend erdrosselt.“

Genauer, laut Kronen Zeitung: „Erst legte er Pralinen in einer herzförmigen Schachtel neben das Bett der Frau, wenig später erwürgte er sie – aus Eifersucht. Mit dieser Anklage wegen Mord sieht sich ein Familienvater (37) konfrontiert. Dieser bestreitet alles und behauptet, das Opfer habe Selbstmord begangen.“

Zur Anmaßung und zur mangelnden Impulskontrolle kamen also noch eine enorme Brutalität, die das Erwürgen braucht, und Selbstmitleid. (Wir hatten erst jüngst vom angeblichen Selbstmord einer Frau gelesen, den ein Polizist behauptete, um den von ihm begangenen Femizid zu bemänteln.)

Die Ehe mit zwei Kindern ist ja nicht nur ein emotionales Ereignis, sondern auch ein wirtschaftliches Unternehmen. Das heißt, der Mörder war mit seinen eigenen Kompetenzen nicht gerüstet, nicht bereit, das Scheitern seiner Ehe zu bewältigen und die finanziellen Konsequenzen so einer Trennung zu bearbeiten. Um seine eigene Inkompetenz auf allen Ebenen, also sich selbst mit seiner traurigen Ausstattung an mangelnden Fähigkeiten, zu ertragen, nahm er ein Leben.



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Postskriptum#

Der Text zum Grab von Bernadette: „Meine Tochter Berni wurde im Mai 1986 als erstes von drei Kindern geboren. Sie war für Cathi und Christopher immer die große Schwester. Lebenslustig und froh besuchte sie die Pflichtschulen und anschließend die Pädagogenausbildung. Wohl fühlte sie sich erst als Fachsozialbetreuerin, die sie mit dem abgeschlossenem Diplom ausübte. Durch die Ehe mit Bernhard, bekam sie ihre beiden lieben Töchter, Jessica und Lina. Leider verlor die Ehe im Laufe der Jahre an Wert und Bernadette wollte voller Tatendrang und Optimismus mit ihren beiden Töchtern neu beginnen. Eine eigene Wohnung, ein Auto und ein sicherer Arbeitsplatz standen bereit. Eine einvernehmliche Scheidung wurde bereits besprochen und stand bevor. Dann kam die Nacht zum 15. Februar 2017. Sie wurde von ihrem Ehemann geschlagen und anschließend erdrosselt. Mit Lügen wollte er einen Selbstmord vortäuschen. Die Geschworenen ließen sich aber nicht täuschen. Urteil: 20 Jahre ohne Bewährung. Meine Tochter Berni ist für mich und ihre beiden Töchter unersetzbar.“