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Transit: Streamliner#

(Eine ungewöhnliche Grabbeigabe)#

von Martin Krusche

Ich habe schon allerhand Gräber gesehen, bei denen das Thema Automobil im Fokus steht. So werden Emotionen symbolisch betont. Es ließe sich sogar kühn folgern, daß die kostbaren Grabbeigaben, mit denen Fürsten und Könige einstmals bestattet wurden, heute ihre republikanischen Variationen haben.

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Hier liegt ein Mann meiner Generation, der 2025 beerdigt wurde. Er was in der Automobilbranche tätig und ich vermute, sein Faible für den klassischen Heckmotor-Porsche ist nicht bloß ein Traum gewesen. Vermutlich hat er einen besessen. Eine 911er Miniatur als quasi Grabbeigabe, das ist mir in Gleisdorf neu.

Sowas kommt gelegentlich auch in radikalerer Version vor. Im Jahr 1977 wurde Millionenerbin, Sandra West in San Antonio, Texas, in ihrem 1960er Ferrari 330 America bestattet. Bei George Swanson war es 1994 in Irwin, Pennsylvania, eine preiswertere 1984er Chevrolet Corvette. (Es lassen sich weitere Beispiele finden.)

Die Genres#

Hier verzahnt sich also Volkskultur mit einer Volkskultur in der technischen Welt. Ich verstehe unter Volkskultur primär jene kodifizierten menschlichen Äußerungen und Bräuche, die sich von Alltagserfahrungen und Gemeinschaftserlebnissen herleiten lasen, ohne daß diese Äußerungsformen „von oben“ oder von „Traditionsschützern“ verwaltet werden.

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Dabei halte ich Phänomene wie „Volksfrömmigkeit“ für wichtige soziokulturelle Motive. Der Friedhof ist in diesem Sinn ein beeindruckendes Feld volkskultureller Entwicklungen. Ich finde dort ein großes Spektrum entsprechender Ausdrucksformen, die mir Auskunft geben, wie und wo sich diese regionale Gesellschaft emotional und kulturell befindet. Was die von Hermann Bausinger beschriebene Volkskultur in der technischen Welt angeht, ist hier eine Ikone der Designgeschichte thematisiert. (Zugleich eine Markierung in der Geschichte der Streamliners.)

Formal steht die Neunelfer-Serie in der Konsequenz des Porsche 356, den Erwin Komenda im österreichischen Gmünd entworfen hat. Das 911er Design zeichnete ein Enkel von Ferdinand Porsche: Ferdinand Alexander Porsche, „Butzi“ genannt.

Im Jahr 1995 erschien der letzte luftgekühlte Porsche, der 911 GT2R, mit dem man bei jedem Youngtimer-Treffen Furore machen könnte. Das ist die volkskulturelle Schnittstelle, zugleich ein technologiegeschichtliches Kuriosum. (Luftgekühlte Heckmotoren sind eigentlich ein Anachronismus.) Wer hier begraben liegt, hat damit einen besonderen Akzent gesetzt.



Ergänzend#

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