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Troll: Kigenz#

(Von der Erfindung des warmen Wassers)#

von Martin Krusche

Der Schnösel von Ilz hat sich mir als Diskurs-Simulant aufgedrängt. Er behauptete mehrfach, wir hätten zu einer Differenz eine aufrechte Kommunikation und er habe seine Gründe genannt, bloß läßt sich das mit keinen Textstellen belegen. Stattdessen pfuscht er in Sachen Semantik herum. Der Schnösel im Originalton:
Internet-Troll by KI
Internet-Troll by KI

„Lieber Martin Krusche es gibt kein Wesen in der Maschine, es ist KI, ich bitte höflichst darum das, das Wort ‚Wesen‘ und auch ähnliche Wörter die das Wunder Mensch beschreiben, nicht mit KI in Verbindung gebracht wird! Ich habe für dich ein Wort erstellt/erfunden das das beschreibt wovon du redest, ‚Kigenz‘ aus den Wörtern Künstliche Intelligenz, es ist die Bezeichnung für das Nachahmen und errechnen von meschlichen verhalten einer KI! ‚KIGENZ‘ KI ist auch in der Kunst nur ein Werkzeug, wie eben Acrylfarbe oder ein Pinsel sobald es mehr wird ist es keine Kunst mehr ...“

Kunstbegriff#

Was sich sofort abhaken läßt: Sein Kunstbegriff, soweit ich ihn von seinem Werk ablese, zeigt sich als Surrogat. Was er als Kreativer anbietet, wird in keinem seriösen Diskurs über relevante steirische Kunst nach 1945 vorkommen. Es ist eher eine nett arrangierte Werbeästhetik. Ich meine, der Mann rangiert im Bereich Voluntary Arts.

Deshalb wird wohl auch in seinen Stellungnahmen kein brauchbarer Kunstbegriff dingfest. Ich ahne, wie das kommt. Viel Gefühltes auf dem Niveau seiner Welterfahrung. Allein „das Wunder Mensch“ ist eine plüschige rhetorische Verzierung für ein Stück evolutionärer Arbeitsergebnisse, untern denen mir zum Beispiel die Oktopoden mindestens ebenso staunenswert erscheinen; oder die Krähe, welche im Kreis mit anderen um einen toten Artgenossen trauern. Keine Wunder, schlicht Evolution.

Der Kreator#

Der Schnösel hat hier einen intellektuellen Kraftakt geleistet und für mich „ein Wort erstellt/erfunden das das beschreibt wovon du redest, ‚Kigenz‘ aus den Wörtern Künstliche Intelligenz“.

Falls jemand kreiert, als gäbe es kein Morgen, einen „neuen Begriff“ für das einführen möchte, womit ich hier befaßt bin, dann sollte dabei nicht ein alter Fehler reproduziert werden. Der Schnösel hat einfach das warme Wasser neu erfunden und es ist ihm angebrannt.

KI-Systeme haben mit menschlicher Intelligenz überhaupt nichts zu tun, ähneln ihr in keiner Weise. Genau das suggeriert aber eine Wortschöpfung, die dem System Intelligenz zuschreibt, bloß eben keine menschliche, sondern eine „künstliche“. Das war einst semantischer Mumpitz, das ist es heute noch.

Was die KI tut, hat auch nichts mit Denken zu tun, ist frei von Gefühlen, denn die KI ist ohne Körper und ohne körperliche Welterfahrung. Was wir genau wissen ist: die KI computiert Daten. Punkt. Der Mensch tut das nicht.

KI und Kunst#

Deshalb bin ich ja der Ansicht, es gebe weder die Notwendigkeit noch irgendeinen Sinn, Werke einer KI mit dem Wort Kunst zu bezeichnen; ganz egal, welche ästhetische Qualität sie haben. Unsere Semantik bietet die kulturelle Möglichkeit, frei zu entscheiden, welche Beziehung wir zwischen Signifikant und Signifikat herstellen.

Da KI-Systeme ein Novum sind, haben wir die Möglichkeit, für KI-generierte Werke einen neuen und angemessenen Begriff zu suchen. Das Wort Kunst können wir menschlichen Werken vorbehalten. Problem gelöst. (Die Marktsituation ist ein anderes Thema.)

Kunstwerke sind von Menschen erschaffene Werke, die wir dem Genre Kunst zurechnen. Werke der KI (wie etwa Stimmen, Musiken, Bilder, Texte etc.) mögen einen eigenen Genre-Begriff erhalten, der mit dem Begriff Kunst nicht verwechselbar ist.

Erfinderstolz#

Das Wort Kigenz schmeichelt der Eitelkeit des Absenders, ist aber eine nutzlose Tautologie. Die Begriffe Artificial Intelligence und Künstliche Intelligenz sind schon lange in Umlauf, in Gebrauch. Ebenso die Kürzel AI und KI. Es kündet von keiner beachtenswerten intellektuellen Kraft, dazwischen zusätzlich das weit längere Kürzel Kigenz aufzustellen.

Ich schrieb dem Schnösel unter anderem: „ich erwarte von dir ARGUMENTE. eine begründung. was aber machst du? schlägst argmente zur sache aus und behelligst mich mit argumenten zur person (ad rem/ad personam). das genau gilt seit der antike als ausdruck von mangelnder redlichkeit in debatten. wie erwähnt: bilde dich erst amal ein bißl zu themen, bevor du dich hier hervortust. und noch amal: nenne deine gründe!“ Der Schnösel darauf: „hab ich dir erklärt!“

Nun kann man oben nachlesen, da wurde nichts erklärt. Das ging dann in solcher Tonart noch weiter. Verkünden, kein Begründen. Wie erwähnt, ein Diskurs-Simulant.



Postskriptum#

Ich stelle mir den Schnösel nicht konkret vor, obwohl ich weiß, wie er aussieht. Ich hole die reale Person nicht auf die Bühne. Ich illustriere bloß meinen Text. Also nutzte ich KI-Option: „Erstelle kostenlose KI-Bilder aus Text für Kunst, Fotos, Illustrationen und schnelle visuelle Ideen.“

Internet-Troll by KI
Internet-Troll by KI

Ich hab einem kostenlosen KI-Bildgenerator namens „craiyon“ erst einmal ein schlichtes Prompt geliefert: „wie sieht ein internet-troll aus?“ Das Ergebnis – Sie sehen es hier - fiel etwas drastisch aus. Ich aber wollte etwas Moderates. Also setzte ich fort: „wie sieht ein netter internet-troll aus, vor dem man sich nicht fürchtet?“ Okay, nett. Dann aber: „wie sieht ein lustiger internet-troll aus, wenn er spaß hat?“ Erst mit dem Ergebnis zum folgenden Prompt war ich dann zufrieden: „Wie sieht ein ernster internet-troll aus, wenn er spaß hat?“ (Das erste Bild!)