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DIE ÄLTESTE EISENBAHN#

1948: Das älteste Dokument der österreichischen Eisenbahngeschichte ist datiert vom 29. Dezember 1823 und enthält ein Gesuch des Professors am Wiener Polytechnikum (Technische Hochschule) Franz Anton Ritter von Gerstner um die Verleihung einer Konzession zum Bau einer Eisenbahn von der Donau zur Moldau. Zur gleichen Zeit wurde durch das englische Parlament dem genialen Ingenieur George Stephenson und dem kühnen Kaufmann, dem Quäker Edward Pearse, der Betrieb einer Lokomotivbahn zwischen Stockton und Darlington bewilligt.

Pferden Eisenbahn
Eröffnung

Gerstner griff bei seinem Vorhaben auf ein uraltes Projekt zurück: auf einen Kanal, den schon Karl VI., bauen wollte, um das Böhmerwaldholz nach Wien und das Salzkammergut nach Prag bringen zu können. Schon Gerstners Vater hatte sich mit dem Kanalprojekt befasst und errechnet, dass 275 Schleusen notwendig wären. Die Baukosten dafür hätten sich nie rentieren können, er schlug also eine Eisenbahn mit Pferden vor.

Am 7. September 1824 erhielt Professor Gerstner die Konzession und musste sich nun Geldgeber, Baumaterial und alles andere selbst besorgen. Er tat dies so gründlich, dass er im dritten Baujahr, in dem strengen Winter 1827, nach England fuhr, um die dortigen Eisenbahnverhältnisse an Ort und Stelle zu studieren. Denn Gerstner war von allem Anfang dafür, die Trasse so anzulegen, dass sie für einen späteren Lokomotivbetrieb geeignet wäre.

Mit 6.000 Arbeitern, eine damals ungeheure Zahl, wurde die erste Teilstrecke Budweis – Leopoldschlag am 7. September 1827 fertig gestellt und dem Verkehr übergeben. Aber Gerstner musste den ungeduldigen Geldgebern weichen, die Bahn wurde nicht so gebaut, wie er sie geplant hatte, sie sollte billiger werden, hügelauf- , hügelabführend, und damit wurde sie für einen späteren Lokomotivbetrieb unbrauchbar, wie spätere Versuche einwandfrei erwiesen. Sogar der damals in Amerika weilende „Nestor der deutschen Eisenbahnen“, Friedrich List, der den Bau mit höchstem Interesse verfolgte, erhob seine warnende Stimme.

Den Weiterbau übernahm ein Schüler und Mitarbeiter Gerstners, Matthias Schönerer, der Vater des Politikers, des Gründers der Deutschnationalen Partei. Er war nicht untüchtig, aber er hatte nicht das Rückgrat, gegen die Geldgeber aufzutreten. Doch er brachte die Trasse fertig und am 21. Juli 1832 fuhr der Hofzug mit Kaiser Franz und Gemahlin zum ersten Mal über die Strecke und am 31. Juli wurde die Bahn dem allgemeinen Verkehr freigegeben.

Ausgehend von 290 Meter Seehöhe bei Budweis steigt die Bahn zum Kerschbaumer Sattel 625 Meter, der Wasserscheide zwischen Donau und Moldau, und senkt sich nach Linz bis auf 157 Meter Meereshöhe. Die Gesamttrasse hat hundertdreißig Kilometer mit achtzehn Stationsplätzen und einundzwanzig Wächterhäusern. Die frequentierteste Station war zweifellos Kerschbaum. Hier trafen sich die Züge, von Linz und Budweis kommend, und die Reisenden nahmen ihr Mittagessen ein, das samt einer Flasche Bier dreißig Kreuzer kostete. Im übrigen war die Reise nicht übermäßig billig: in den achtundfünfzig Wagen erster Klasse kostete sie drei Gulden Konventionsmünze und in den einundzwanzig Wagen der zweiten Klasse zwei Gulden.

Pferde Eisenbahn
Reste der Trasse

Stationen gab es ungefähr alle zwanzig Kilometer, wo die Pferde gewechselt wurden. Im ganzen dauerte die Reise rund vierzehn Stunden, und die Fahrpläne waren auf Viertelstunden genau, wie auch die Rosselenker strickte Vorschriften hatten, dass die nicht anhalten durften, nur auf Verlangen der Reisenden „wenn es die Notwendigkeit erheischte“, auf kurze Zeit.

Auf der neumodischen Straße zog ein Pferd rund 120 Wiener Zentner Nutzlast in drei Wagen. Auf den Steilstrecken wurde ein weiteres Pferd vorgespannt. Es gab allerdings auf der „Schönerer Strecke“ Stellen, wo zwei Pferde einen einzelnen Wagen hoch schleppen mussten. Die Passagierwagen waren für sechs, zwölf und vierundzwanzig Passagiere eingerichtet und waren genau wie die damaligen Reisekaleschen gebaut. Am 12. Dezember 1872 beschloss die Bahn vierzigjährig ihr Dasein, diente noch einige Zeit dem Frachtverkehr und wurde dann endgültig eingeteilt.

Die Überreste der Trasse sind heute im Mühlviertel noch zu sehen und erinnern den Wissenden an berühmte Passagiere, die dort gefahren sind: Weber. Hebbel, Schubert, Stifter, Marianne von Willemer und viele andere. Sie machen aber auch erstaunen, mit welcher Eleganz die damaligen Ingenieure in die Landschaft bauten, so dass die Kunstbauten wie aus der Natur herausgewachsen erschienen. W. M. Ludwig

QUELLE: Die Bühne sowie Bilder der ÖNB

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