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Der Heldenplatz
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Von Ernst Lanz

Heldenplatz, Wien-Innere Stadt, Hofburg
Heldenplatz, Wien-Innere Stadt (30.07.2007) - Foto: Andrew Bossi, Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Der Heldenplatz hätte nach den Vorstellungen der Stadtplaner Kaiser Franz Josephs I. von Österreich-Ungarn von den Museumsbauten und Erweiterungsbauten entlang der Hofburg umschlossen sein sollen. Doch Geldmangel, der Erste Weltkrieg verhinderten eine endgültige Fertigstellung. Pläne und Gemälde zeigen noch heute den geplanten Zustand. Heute bietet der sogenannte Heldenplatz vom Trakt der neuen Hofburg aus einen freien Blick auf das Wiener Rathaus, Burgtheater, Burgtor und beiden großen Museen und auf beide monumentalen Denkmälern des Prinzen Eugen und Erzherzog Karls. Es ist eine imposante Sicht, bei jedem Wetter. Auch eine Sicht in eine Zeit ungeheurer Repräsentation der Machtfülle der k. u. k. Doppelmonarchie, lange bevor das mächtige Kaiserreich Österreich-Ungarn unter dem ungeheuren Getöse des Ersten Weltkrieges zusammengeborsten war. Doch mit der Idylle des grünen Rasen auf dem Heldenplatz ist es weit hergeholt.
Nicht zu glauben, dass am 15. März 1938 eine Million Menschen sich hier versammelten und einen Machthaber aus dem nationalsozialistischen Deutschland gespannt lauschten. Adolf Hitler, ein Österreicher, verkündigte vom steinernen Balkon mit verkratzt-brüllender Stimme den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, worauf ihm eine Welle des Jubels entgegenströmte. Filmdokumente zeigen, wie der Führer mit einem offenen Fahrzeug durch das Burgtor – eine Heldengedenkstätte - langte und zur Hofburg vorfuhr, wo Hitler und seine Kampfgefährten das historisierende Stiegenhaus zum Söller benützte. Spätere Zeitzeugen berichteten, die Menschen standen so eng zusammen, dass sie sich beinahe gegenseitig erdrückt hätten. Dieser folgenschwere Anschluss bedeutete für einen Gutteil des österreichischen Volkes Repressalien, Verschleppung, für die jüdischen Bevölkerung von fast 66.000 Menschen die Ermordung in diversen Vernichtungslagern, und für Hunderttausende Österreicher, die in der deutschen Wehrmacht ihre Pflicht erfüllten, den sinnlosen Tod auf dem Feld der Ehre. Fünf Jahrzehnte später schrieb ein provokanter Dichter aus Oberösterreich ein Theaterdrama, das am Burgtheater anlässlich der 50. Wiederkehr des „Anschlusses“ die kleinbürgerlichen Gemüter erregte, und sogar Leute vergrämte, die nach 1945 zur Welt – unbelastet von den braunen Unrat – zur Welt gekommen waren. Von sieben Millionen Grenzdebilen wäre die Rede gewesen, was aber nie sei konnte und kann. Aber immerhin haben über Tausende Interessierte das Theaterstück gesehen und die Gedächtnisleistung des Hauptdarstellers bewundert …
Heldenplatz, Wien-Innere Stadt, Hofburg; Blick zum Volksgarten
Blick über den Heldenplatz vom Balkon des Corps de Logis (Weltmuseum Wien) (26.07.2015) - Foto: Manfred Werner - Tsui, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Aber die Tragödie zwischen 1938 und 1945 haben sie genauso wenig erfassen können. Ironisch dabei war noch die Tatsache, dass Papst Johannes Paul II. zweimal, 1983 und 1988, auf dem Heldenplatz, vor dem Eingang zur Nationalbibliothek neben dem Prinz Eugen-Denkmal, Gottesdienste feierte. Bei seinem ersten Besuch erinnerte der jugendlich wirkende Pontifex Maximus, er überlebte mit Mühe zwei Jahre zuvor einen feigen Mordanschlag im Mai 1981, an den Europagedanken und kulturellen Mittelpunkt Österreichs. Anlässlich des Österreichischen Katholikentages 1983 stellte der Heilige Vater, unterstützt von Jugendlichen, ein großes metallenes Kreuz auf, das neben dem Burgtor montiert wurde. Wenn die Sonne herabscheint, wirft das Kreuz einen langen Schatten, dessen langer dunkler Streifen vergleichshalber den Schattenzeiger einer Sonnenuhr langsam wandernd, geradezu auf dem Heldenplatz zeigt. Von den Innengängen des Burgtors, das das Grabmal des unbekannten Soldaten birgt,[1] kann der Tourist auf den Ballhausplatz mit dem spätbarocken Bundeskanzleramt und der gegenüberliegenden Bundespräsidentenkanzlei sehen.
Blick vom Balkonfenster des Bundeskanzleramtes in Richtung Burgtor
Blick aus einem Fenster des Bundeskanzleramt auf einem Teil des Heldenplatzes (Links Bundespräsidentenkanzlei, dahinter neue Hofburg (Weltmuseum), Burgtor und das Kuppeltambour gehört dem KHM (07.04.2011) - Foto: www.in-arcadia-ego.at (talk), Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Seit 1918 haben 22 Bundeskanzler und acht Bundespräsidenten (Stand 1989) durch die Fenster auf dem Heldenplatz gesehen und die Geschicke Österreichs geleitet. Die beiden gewaltigen Reiter-Monumente, das Erzherzog Karl-Denkmal und das Prinz Eugen von Savoyen-Denkmal, beide von hervorragenden Bildhauern ihrer Zeit zwischen 1853 und 1865, geschaffen, erinnern – ebenso als Heldenfiguren – daran, dass das alte Österreich auch eine kriegsführende Macht in Europa war. Nicht nur Feldherren waren Helden, auch die für die Freiheit Österreichs ihr Leben hergegeben haben waren Helden. Heute gehen wir achtlos auf dem Heldenplatz umher …

Copyright Ernst Lanz 1989

Anmerkung
[1] Als ich damals diesen Text geschrieben hatte, war ich ahnungslos über die tatsächliche Bedeutung dieses rotmarmornen ideologisch belasteten Grabmals. Zumal die bisherigen Bundespräsidenten die Kranzniederlegung zelebrierten.


Empfehlenswerte Seite mit Abbildungen usf.

Quellen

  • Erich Zöllner, Geschichte Österreich. 1984
  • Walter Kleindel, Chronik Österreichs.1984
  • Zeitungsberichte (Kurier, Krone, Die Presse)
  • TV-Dokumentationen (ORF)
  • Eigene Erinnerungen des Autors (allerdings nur 1980er Jahre betreffend)
  • Heldenplatz/Geschichte Wiki Wien

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