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"Die Handlung spielt in einem Badeorte, in der Nähe einer großen Stadt" - Ein vergeblicher Versuch eine Strauss-Operette zu untersuchen#

Von Ernst Zentner

Die Fledermaus
Marie Geistinger als Rosalinde und Jani Szika als Gabriel von Eisenstein - Zeichnung von László von Frecskay (1844–1916), 1874 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Zu Silvester und Neujahr darf "Die Fledermaus" niemals am Unterhaltungsprogramm irgendwelcher Weltopernhäuser fehlen. Allerdings wurde sie zu Ostern 1874 in Wien uraufgeführt. Aber das interessiert doch niemanden. "O Gott, wie rührt mich dies! O je, o je, wie rührt mich dies!" Hauptsache es gibt sie. "Glücklich ist, wer vergisst, Was doch nicht zu ändern ist!" (oder: "was doch nicht zu bezahlen ist.") Johann Strauss Sohn ist bekannt. Die SängerInnen der Uraufführung sind dank eines Theaterzettels bekannt und doch vergessen. Es gibt ja keinen Tonaufzeichnungen von damals. Und Fotos sagen nichts viel. Und Zeitreisen können wir noch immer nicht. Blödsinn. Diese Zeilen schreibt jemand, der das Stück nur aus TV-Aufzeichnungen kennt. "Die Majestät wird anerkannt rings im Land, Jubelnd wird Champagner der Erste genannt, Es lebe Champagner der Erste! " Auch ein kleines gelbes Textbüchlein half ihm. "Duidu, duidu, la, la, la". Eigentlich ist es eine altmodische Gruseloperette, in der sich Ehe- und Liebespaare gegenseitig zum Narren halten. Die Rache wurde zum Schaufenster der Langeweile wohlstandsbelasteter Fürsten. Rasch noch erotische Abenteuer vor dem Abgang ins Vergessen. Die überschaubare Handlung könnte sogar auf der "Andrea Doria" spielen, es würde keiner merken. Der Fluch dieser kleinen Operette ist, dass sie doch irgendwie gut ist. Sie zu ruinieren, dass brachten nicht einmal die Salzburger Festspiele im Jahr des 9/11 zustande. "Ich lade gern mir Gäste ein ... 's ist mal bei mir so Sitte: Chacun à son goût!" Einige Hinweise zur Entstehungszeit. 1873: Wirtschaftskrise. Viele finanziell gut situierte Herren konnten sich Mätressen nicht mehr leisten und begnügten sich mit der Ehefrau. Damals gab es die Gepflogenheit, dass Gönner junge - berufslose - Frauen bei ihrer Ausbildung unterstützten. Nach der Krise war das allerdings vorbei. Johann Strauss war eine Größe im damaligen Musikleben. Sein "An der schönen blauen Donau" ist Legion. Für Bertha von Suttner brachte er kein Friedenslied zuwege. Der "Walzerkönig" bezog auch Tantiemen von Militärmusikkapellen. Und doch werden seine Melodien bis in alle Ewigkeit gegeben. Das Publikum wartet auf die Witze des Gefängniswärters Frosch. "Hoho, das ist ein fideles Gefängnis." Eisenstein wütend: "Ja, ich bin's, den ihr belogen, Ja, ich bin's, den ihr betrogen." Irgendwie lösen sich alle Verwicklungen die so eine Operette mit sich brachte: "O Fledermaus, o Fledermaus, Lass endlich jetzt dein Opfer aus." Und am Schluss, das weiß auch niemand so genau, was aber sie wissen: "... nur der Champagner war an allem schuld!"

Copyright Ernst Zentner 2016-2018

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