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Fast ein Jahrtausend benediktinische Kultur an der Donau – Stift Göttweig in der Wachau#

Von Ernst Zentner

In den Bergen des Dunkelsteiner Waldes gegenüber von Krems an der Donau liegt ein Kloster. Das Benediktinerstift Göttweig, gegründet im 11. Jahrhundert anstelle einer antiken Kultstätte, wirkt wie ein Märchenschloss. Lukas von Hildebrandt hatte es entworfen. Aber es wurde aus Geldmangel und zeitbedingter Geisteshaltung nie vollendet. Seine Ecktürme umfassen eine Gebäudeanlage, die Großteils noch aus dem Mittelalter stammte. Die Architekturstile wechseln von der Romanik, über die Gotik, Renaissance sowie Barock bis zum Klassizismus.
Links von der Westfassade der Klosterkirche sehen wir eine Brunnenpyramide, sie ist eher einem antiken Obelisken nachempfunden (1744).
Bischof Altmann von Passau gründete Göttweig als Chorherrenkloster am 9. September 1083. Im Investiturstreit stand er auf der Seite des Papstes. 1091 starb der Bischof und wurde in der Krypta der Kirche beigesetzt.
1094 kamen aus St. Blasien im Schwarzwald Benediktinermönche nach Göttweig. Seither prägt das Gebet, die geistliche und die geistige Tätigkeit die Geschichte des Klosters. Stift Göttweig gilt als eine der berühmtesten Abteien in Niederösterreich.
Im 12. Jahrhundert lebte in nächster Nähe die Dichterin Frau Ava. Im Mittelalter gab es außerdem ein Frauenkloster, das über drei Jahrhunderte bestanden hatte.
In der Spätgotik begannen relevante Um- und Ausbauten. Nach dem Klosterbrand 1580 bemühte sich Abt Michael Herrlich als zweiter Klostergründer.
Im Barock entschied Abt Gottfried Bessel einen kompletten Neubau des Klosters durchzuführen. Er entschied sich für einen Entwurf des Hausarchitekten von Prinz Eugen, Johann Lucas von Hildebrandt. Die Anlage wurde nur zu einem dreiviertel fertiggestellt. Später bekam die Klosterkirche ihr klassizistisches Aussehen.
Die Kunstsammlung umfasst Objekte von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart. Der Göttweiger Berg war von jeher altes Siedlungsgebiet bis in die Antike und entsprechende archäologische Funde sichergestellt. Beachtenswert die Graphische Sammlung (60.000 Blätter), Werke der Donauschule und des Malers Kremser-Schmidt. Die Münz- und Medaillenbestände bergen wertvolle Artefakte.
1983 fand im Kloster eine Jubiläumsausstellung statt, die von 140.000 Menschen besucht wurde.
Heute betreut das Stift Göttweig 30 Pfarren in Niederösterreich.

Copyright Ernst Zentner


Die Abtei auf dem Göttweiger Berg
Die Benediktinerabtei Stift Göttweig steht auf einem Berg des Dunkelsteinerwaldes gegenüber der Donau - Foto: Christian Jansky, Wikimedia Commons - gemeinfrei
Blick über Mautern, Krems und Donau
Vom Kloster gibt es gegen die Donau einen imposanten Blick in die beginnende Wachau. Vorne Mautern, dann Donau, rechts Krems und Stein und am linken Bildrand die Ruine Dürnstein. Allerdings nicht ganz gut zu erkennen - Foto: Zyance, Wikimedia Commons - gemeinfrei
Innenhof des Klosters: Stiftskirche, Kaiserstiegentrakt
Rechts die Klosterkirche, links der Kaiserstiegentrakt und davor in der Wiese ein Obelisk (Brunnenpyramide) als ideelles Bindeglied zur Antike. Foto: Zyance, Wikimedia Commons - gemeinfrei
Inneres der Klosterkirche von Göttweig
Klosterkirche Mariä Himmelfahrt. Blick zum Hochaltar - Foto: Christian Jansky, Wikimedia Commons - gemeinfrei
Altmanni-Saal im Stift Göttweig
Hier der sogenannte Altmanni-Saal. An der Wand das riesige stark nachgedunkelte Bild der alten Klosteranlage vor dem Neubau. Meist findet in diesem Saal die Eröffnung zu dem Europa-Forum Wachau seit 1995 statt - Foto: Christian Jansky, Wikimedia Commons - gemeinfrei
Kaisertreppe mit Zierrat
Die Kaiserstiege. Drei Stockwerke hoch. Die Monatsvasen und die Künstlerbüsten stammten vom Bildhauer Johannes Schmidt, dem Vater des "Kremser-Schmidt" - Foto: Christian Jansky, Wikimedia Commons - gemeinfrei
Deckenfresko von Paul Troger. Der Kaiser als Helios, in seinem Gefolge die Musen
Über der Kaiserstiege das imposante Deckenfresko "Apotheose Kaiser Karls VI. als Helios" vom Tiroler Paul Troger, die Scheinarchitekturen stammten vom Schweizer Maler Johann Rudolf Byss. Angeblich soll der besagte Kaiser nie hier gewesen sein … - Foto: Uoaei1, Wikimedia Commons - gemeinfrei

Quelle
  • Das Benediktinerstift Göttweig in der Wachau und seine Sammlungen. Text Gregor Martin Lechner OSB - Fotos Friedrich Brunner. München - Zürich 1988

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