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Stift Melk - Ein Spiegel der Weltkunst und Weltreligion#

Von Ernst Lanz

Stift Melk, Klosterkirche
Stift Melk, Klosterkirche - Foto: Ernst Zentner

Das berühmte Montecassino bei Rom liegt auf einer Anhöhe. Das nicht weniger berühmte Kloster Melk ebenfalls. Unter ihm die Donau und Melk und anbei die gleichnamige Stadt. Die Lage der glanzvollen Klosterburg erstreckt sich vom Osten nach Westen. Wenn die Sonne aufgeht wird der Eingang, dieser ist von zwei markanten aus Ziegelsteinen gebauten Bastionen gesäumt, hell erleuchtet. Im Norden liegen die Wohnungen der Geistlichen. Im Süden der repräsentative Trakt mit den Kaiserzimmern. Wenn die Sonne untergeht, so fällt ihr warmes Licht auf die Doppelturmfassade der Kirche.

Nun der Eingangsbereich erinnert an eine einst prächtige altägyptische Tempelanlage. Hierbei wäre das historische Edfu zu nennen. Hier sehen wir symbolisch auf über fünftausend Jahre Menschheitsgeschichte zurück. Dazu die Anfänge des Glaubensgutes, das zur Wurzel des modernen Christentums wurde.

Der nördlich gelegene Baukörper mit dem Eingang zum Stiftsgymnasium stammt wie noch teilweise zu sehen ist aus dem Spätmittelalter. Sie und die Bastionen waren einst Teile der früheren Festung.

Verstärkt wurde das theologische und historische Element des Klosters mit einem steinernen Obelisken-Paar auf Kugeln, das nur um ein Beispiel zu nennen Himmel und Erde verkörpert oder auch nur die Verbindung zum mosaischen Glauben mit seinen Tempeln andeutet. Im Inneren des Osttraktes ruht auf der Decke ein historisierendes Fresko, das die Sinngebung der Abtei deutlich widerspiegelt. Den Ordensvater Heiliger Benedikt von Nursia, er lebte wohl von 480 bis 560, aber das ist auch nicht so genau, wurde gebührender Inhalt gewidmet. Er und seine Mönche schufen um 520 eine Ordensregel, die bis heute Bestand und Sinn hat: „Ora et labora …“. Gebet und Arbeit.

Im Hofinneren, er ist im Haus als Prälatenhof bekannt, umgeben den Besucher nur Fensterachsen und einige Tore. Der einzige Blick führt nur gegen den Himmel. An den Dachzonen in Giebeln moderne Darstellungen der vier Kardinalstugenden.

Der Besucher hat zwei Möglichkeiten. Entweder das Gotteshaus gleich zu besichtigen oder den Weg durch die Kaiserzimmer, die als Einführung in die Geschichte des Stiftes Melk eingerichtet sind, zu wandern und gelangt dann über den Marmorsaal zur Altane, die als Balkon zur Natur fungiert, und Bibliotheksaal, in die Kirche zu gelangen.

Zuerst besteigen wir die Kaiserstiege, im Halbstock das in Stein gemeißelte Motto Kaiser Karls VI., „Constantia et fortitudine“, „Beständigkeit und Tapferkeit“, in dessen Epoche, begonnen unter seinem Vater Kaiser Leopold I., fortgeführt von Joseph I. halbwegs fertiggestellt wurde. Auf dem Sockel sehen wir den keltischen Gott Danuvius, wie er aus einem Krug das Wasser der Donau fließen lässt. Die Gestaltung des Reliefs war nicht neu. Schon ein Rembrandt hatte Zeichnungen mit ähnlichen Inhalten und Gottheiten hinterlassen. Übrigens hinter dem Relief ist eigentlich die Donau von der Natur angelegt worden. Lange schon bevor es überhaupt Menschen gab.

Ein scheinbar endloser Korridor von Ost nach West säumt die Gäste- und die Kaiserzimmer. An seinen Wänden großformatige Ganzporträt österreichischer Herrscher von 976 bis ins anfangende 20. Jahrhundert. Die Bildnisse der Babenberger sind Fantasiewerke mit realem Hintergrund. Die Bildnisse der Habsburger folgten den altgeübten Usancen je nach Epoche. Mit Ausnahme von Martin van Meytens, er schuf „Maria Theresia“ und „Franz I. Stephan“, arbeiteten daran kaum bekannte Künstler. In einem kleinen Saal dominiert an der Decke frühbarocker Stuck, darin Fresken, die die Machtfülle der Habsburger durch Gott legitimiert bieten. In einem größeren Zimmer deuten elliptische Fresken wieder die vier Kardinalstugenden an. Prächtige Kachelöfen sorgten einst für wohlige Wärme an kalten Tagen. An einem solchen Ofen sind auch Symbole der Geistlichkeit.

Die Zimmer bergen die Stiftsgeschichte. Sie beginnt mit den frühesten Herrschern Österreich, die Stifter der Abtei, geht über die Habsburger und endet mit der Baugeschichte. Die Gestalter der barocken Anlage Abt Berthold Dietmayr und sein Architekt Jacob Prandtauer sind durch großfigurige Ölgemälde verkörpert. Die Tätigkeit des heutigen Klosters – in Seelsorge und Bildung, sie führen ein Stiftsgymnasium – ist in einem eigenen Raum dargelegt.

Nächst dem Gymnasium liegt der Kolomanisaal. Er dient als Veranstaltungsort für schulische Ereignisse. Das farbenfrohe Deckenfresko berichtet von der Gründungsgeschichte des Stiftes Melk.

Anstelle der längst abgerissene Orangerie das Stiftsrestaurantgebäude im Neobarockstil.

Ursprünglich war das Kloster bis ins 17. Jahrhundert eine mächtige 300 Meter lange Festung, dominierend das Gotteshaus, mit Baustilen von der Romanik, über die Gotik bis zum Frühbarock. Von 1702 bis 1737 wurde die Gesamtanlage im Hochbarockstil neu unter enormen Kostendruck erbaut. Sie wurde wenigstens – seit 1726 unter Joseph Munggenast, ein Neffe Prandtauers, fertiggestellt – andere Klöster mussten aus Finanzmangel unvollendet bleiben. Nach einer Brandkatastrophe wurden die Doppeltürme mit Aufsätze im Rokokostil ersetzt. Im Stiftspark wurde viel später von Franz Munggenast der stilistisch nüchtern wirkende Gartenpavillon errichtet. In seinem Inneren erzählen Fresken von Johann Wenzel Bergl vom Licht der Welt und von exotischen Genres. Bergl malte übrigens auch in Schönbrunn und in der Wiener Hofburg.

Der Marmorsaal zählt zu den eindrucksvollsten Saalbauten des Barock. Das Fresko wurde vom Südtiroler Maler Paul Troger geschaffen. Das Thema beschreibt in originellster Weise den Kampf Herkules gegen die Mächte der Dunkelheit. Zweifellos der Versuch Michelangelos Machart hierher zu bringen.

Die Altane stammte von Joseph Munggenast, inspiriert nach den Vorstellungen seines Onkel Prandtauer. Das Serlio-Motiv, fälschlich auch Palladiomotiv genannt, erlaubt den Blick in das Donautal. Schiffer konnten durch das geöffnete Haupttor der Kirche bis zum Hochaltar sehen. Vom Balkon aus können wir auf die schöne Fassade der Kirche sehen. Auf dem mittleren Giebel die Gestalt des „Auferstandenen“. Sie erinnert an die Figuren auf den Kolonnaden des Petersdoms in Rom. Die Klosteranlage ist orange- und cremefarben geputzt. Eigentlich dürfte sie gänzlich rot gefärbelt gewesen sein. Aber kunsthistorische Diskussion fruchtete nun mal nicht und so sehen wir eine Kompromisslösung. Aber wenn die Sonne abends untergeht, erstrahlt die Westfassade mit den Kirchentürmen in einem eigenartigen „Rot“. Das gesamte Konzept der Anlage geht von der Idee des Ostergedankens aus, der Auferstandene dominiert vom Inneren heraus bis über den gesamten Klosterkomplex. Wissenschaftler vermuteten einmal, vom Serlio-Motiv hätte eine Stiege herabführen sollen.

Als Zeichen der Wissenschaftspflege ist der Bibliothekssaaltrakt zu sehen. Auch stammte das Fresko von Paul Troger. Er stellte Herkules als Lichtbringer über die Mächte des Unwissens dar. Daneben noch ein kleiner Bibliotheksaal mit einem Fresko, das die Wissenschaft als Magd der Theologie ansah.

Eine Wendetreppe herab und schon ist der Besucher in der Kirche. Im Langhaus das Leben des Ordensgründers, in der lichterfüllten Kuppel der Allerheiligenhimmel sowie Kirchenväter, und über dem Hochaltar Kirche und Welt von Rottmayr. An der Orgel spielte einst der ganz junge Mozart. Die Seitenkapellen sind u. a. den bekannten Heiligen wie Nikolaus von Myra und dem Stifter des Klosters, Markgraf Leopold III. von Österreich (1075 – 1136) gewidmet. Die großen seitlichen Altäre sind Benedikt von Nursia und Koloman von Irland gewidmet. Der goldenen Hochaltar trägt die Patrone der Stiftskirche: Hl. Petrus und Hl. Paulus beim Abschied vor ihrem Martyrium. Sowieso ist hier die Nähe zum vatikanischen Petersdom gegeben. Eine riesige Siegeskrone schwebt innerhalb der theatralischen Hochaltarkonstruktion. Eine theologische Auseinandersetzung um das Märtyrertum und Rechtmäßigkeit unterstützt durch Regeln. Die Thematik mündet in das erwähnte Deckenfresko im Presbyterium.

Der Hochaltarbereich war auch der Beginn des Neubaus der Klosterkirche vor über 250 Jahren. Dahinter zwei große Räume die Wintersakristei und die Sommersakristei. Wobei sie mit ihrer frühbarocken Ausstattung und der theologischen Auferstehungsthematik – auch baugeschichtlich – den Mittelpunkt für den Klosterpalast zur Ehre des Höchsten bietet.

© Ernst Lanz 2011

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