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Helga Maria Wolf:

… ein Lichtlein brennt #

Foto: Doris Wolf

Die Tage sind kurz, die Nächte lang und finster. Die Menschen sehnen sich nach Licht, und die Dunkelheit macht vielen Angst. Das war wohl „schon immer“ so. Man holte sich etwas Grünes ins Haus, erfand Lichterbräuche und befragte Orakel.

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt,“ heißt es in einem Kinderlied. Heute sind es nicht mehr nur eines, zwei, drei und vier. Bis das Christkind vor der Tür steht, erstrahlen in Stadt und Land Häuser und Straßen im Glanz unzähliger elektrischer Girlanden und Dekorationen. Der Adventkranz ist ebenso eine Erfindung des 19. Jahrhunderts wie der Lichterbaum und das Christkind, das ihn bringt. Die Idee zum Adventkranz kam vom evangelische Theologen Johann Hinrich Wichern (1808–1881), der in Hamburg ein Jugendheim leitete. Zur Abendandacht wurde auf dem Kronleuchter des Saales ab dem ersten Advent jeden Tag ein Licht mehr angezündet, am Wochentag kam eine kleine, am Sonntag eine große Kerze dazu. Der Reisigschmuck und schließlich der Kranz mit vier Kerzen sind jüngeren Datums.

Der Kerzen-Kranz und das Christkind mit dem Lichterbaum entsprachen der Familienkultur des Biedermeier. Der technische Fortschritt kam den romantischen Bräuchen zu Gute: Mit der Erfindung von Stearin (1818) und Paraffin (1837) und dank industrieller Produktion wurden die Kerzen billiger und zudem geruchs- und tropffrei. Die weitere Entwicklung ließ die vorweihnachtlichen Bäume und Kränze zu öffentlichen Zeichen werden. Dem "Christbaum für alle" - von dem die Familienzeitschrift "Gartenlaube" erstmals 1871 berichtete - folgte der "Adventkranz für alle" auf Straßen und Plätzen. Dazu kommen „Adventkalender für alle“, die öffentlich aufgestellt oder bei denen jeden Tag ein Fenster eines anderen Hauses gestaltet wird.

Mit dem Licht ist der Lucientag (13. Dezember) besonders verbunden. Bis ins 16. Jahrhundert galt er als Mittwintertag und spielte als Quartalsbeginn im weltlichen Rechtsbrauch eine Rolle. Bräuche der Wintersonnenwende und des Jahreswechsels vereinten sich an diesem Tag, wie Haussegnungen, Heische-Umzüge oder Orakel. Es ist wohl kein Zufall, dass man gerade am kürzesten Tag des Jahres der heiligen Lucia gedenkt, deren Name als "die Leuchtende" übersetzt wird. Seit 1780 tritt in Schweden die christkindähnliche Gestalt der Lucienbraut auf. Eine junge Frau im langen weißen Kleid trägt einen Kranz aus Preiselbeerlaub mit brennenden Kerzen auf dem Haupt und serviert ein mit Safran gewürztes Germgebäck. Hierzulande war die personifizierte Lucia eine ambivalente Figur. Während die "Lutzelfrau" im Burgenland den Kindern Süßigkeiten brachte, kannte man sie in westlichen Bundesländern als Schreckgestalt. Die Zeit zwischen den Zeiten, um Sonnenwende (21. Dezember) und Jahreswechsel, schien für Orakel geeignet. Dabei nahm man es mit dem Tag nicht so genau. Es begann schon in der Andreasnacht (30. November), dass ehewillige junge Frauen den Apostel anflehten, ihnen ein Bild des Zukünftigen erscheinen zu lassen. Mit demselben Anliegen wandten sie sich am 21. Dezember an den hl. Thomas. Am 4. Dezember geschnittene Barbarazweige sollten Ähnliches bewirken: Wessen Zweig zu Weihnachten blühte, die würde im nächsten Jahr heiraten. Auch der Luzienweizen sollte einen Blick in die Zukunft ermöglichen. Am 13. Dezember in einem Teller mit Erde und Wasser ausgesät, erreicht er bis Weihnachten Spannenhöhe. In der Mitte brannte eine Kerze. Sowohl aus ihrem Schein als aus dem Wachstum der Tellersaat zog man Schlüsse auf das kommende Jahr. Am Heiligen Abend sollten Nussschalen mit kleinen Kerzen Voraussagen über die nächsten Paare erlauben.

Die Unsicherheit in der Wendezeit ließ nicht nur Orakelbräuche entstehen, man wollte auch Glück und Segen in die Räume holen. Das versprach man sich vom Räuchern in den Rauhnächten oder "Zwölften" - die regional unterschiedlich ab Lucia, dem alten Thomastag oder Weihnachten gezählt wurden. Das Räuchern erfolgt(e) mit Weihrauch und geweihten Kräuter von Maria Himmelfahrt. "Glück herein, Unglück hinaus" lautet der Wunsch zum Brauch, der oft am Vorabend des 6. Jänner gepflegt wird. Schließlich gilt auch der Besuch der "Heiligen drei Könige" als Segen verheißend, die mit geweihter Kreide die Jahreszahl und das "C+M+B" an die Türe schreiben.

Ein Beitrag der Serie BRAUCHbares in: Schaufenster Volkskultur