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Helga Maria Wolf:

Fasching, Vaschang, Karneval#

Foto: Doris Wolf

Zwischen dem Dreikönigstag und Aschermittwoch liegt die Faschingszeit. Besonders die letzten drei Tage, von Sonntag bis Dienstag werden mit Tanz und Unterhaltung gefeiert. Gastmähler mit Wein, bei dem die Obrigkeit auf die Steuer verzichtete, waren im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit Brauch. Im 19. Jahrhundert hielten die Burschen in Dörfern Umzüge, bei denen der Fasching als Person oder Strohpuppe auftrat. Ihr Schicksal war es, am Ende mit einer Zeremonie begraben zu werden, die eine Parodie christlicher Beerdigungen darstellte. In vielen Gemeinden Niederösterreichs sieht man Faschingsumzüge mit bunten Wagen, wie am Faschingsdienstag in St. Leonhard am Forst, wo 1.000 Personen, aus den Dorfgemeinschaften und Kinder mittun. In zahlreichen Gasthäusern gibt es Tanzunterhaltungen, veranstaltet von Vereinen, Wirten, Feuerwehren, Pfarren oder Gruppen der Landjugend.

"Traditioneller" Karneval

Das 20. Jahrhundert brachte durch die Übernahme von Elementen des Karnevals Neuerungen in der Festgestaltung. Der Rheinische Karneval geht dort auf 1823 zurück. Im Jahr davor fanden sich einige Kölner zu einem "Festordnenden Komitee" zusammen, um das nach den Franzosenkriegen darnieder liegende Brauchtum zu erneuern. Mit Gründlichkeit (und Humor) organisierten sie die Persiflage eines feierlichen Herrschaftsempfangs, mit einem zeremoniellen, aus 15 Gruppen bestehenden Maskenzug. Dabei nahmen sie traditionelle - weltliche wie kirchliche - Elemente auf, die seit der römischen Antike bekannt waren, und schufen doch eine neue Festgestaltung. In den Karnevalsvereinen spielt das "närrische Equipment" eine wichtige, identitätsstiftende Rolle. Dazu zählen die Narrenzahl elf, die Repräsentanten wie ein Prinzenpaar, Narrenkappe und Rufe.

Anders als der Fasching beginnt der Karneval am Martinstag, am 11.11. um 11 Uhr 11. Ein Elferrat leitet die Veranstaltungen, die oft 11 Minuten nach der vollen Stunden anfangen. Wieso gerade elf zur Narrenzahl wurde, dafür gibt es verschiedene Deutungen: Die Kölner hätten ein elftes Gebot erfunden, das "Ei, lustig, fröhlich !" lautete. Im Mittelalter sei sie zum Inbegriff der Sünde und "verkehrten Welt" geworden, weil sie die Zehnzahl der göttlichen Gebote überschritt, ohne die Zwölfzahl der Apostel zu erreichen. Auch mit dem bürgerlichen Gesetzbuch Napoleons wird sie in Zusammenhang gebracht, das im 11. Kapitel Bestimmungen über die Entmündigung Unzurechnungsfähiger enthält. Die Narrenkappe als Erkennungszeichen der Vereinsmitglieder sollte Einheit und Gleichheit der "Brüder" symbolisieren. Die Karnevalsrufe "Alaaf" ("über alles hinaus") und "Helau" (hellblau, im Gegenssatz zu " blau" - volltrunken) haben regionale Varianten gefunden.

Seit 1955, als im Land Salzburg die ersten Faschingsgilden entstanden, wurden in Österreich mehr als 100 gegründet. Ihr Grundsatz lautet: "Spaß, Unterhaltung und Freude bereiten - sich selbst und anderen“. In Niederösterreich war Mödling der Wegbereiter. Das "Landesnarren-Wecken" mit 11 Schüssen am 11.11. gilt bereits als traditionell, ebenso der Ruf "Mö-Mö!". Auf das Landesherzogspaar warten viele Verpflichtungen, wie Herzogball und Faschingssitzungen. Am Faschingssamstag marschiert das Herzogpaar mit seinem Gefolge durch die Stadt. Buntes Treiben schließt sich an, ehe die Schlüsselübergabe am Rathaus erfolgt. Der große Umzug durch die Fußgeherzone startet am Sonntag um 14 Uhr 11.

Obwohl die Mödlinger in der Art des deutschen Karnevals feiern, haben sie doch für ihre Aktionen die in Österreich übliche Bezeichnung "Fasching" gewählt. Diese geht auf das mittelhochdeutsche Wort vaschang oder vastschanc zurück und bezeichnet das Ausschenken des Fastentrunks. Für die Wochen (bzw. den Abend) vor der Fastenzeit ist auch "Fastnacht" gebräuchlich. Der erste schriftliche Beleg für ein Fest namens Fastnacht findet sich in Wolfram von Eschenbachs Roman "Parzival", um 1206. Der Mönch Caesarius von Heisterbach (um 1180 - nach 1240) schrieb um die gleiche Zeit von einem Gelage der Koblenzer Fleischhauer am Aschermittwoch. Die Ableitung des Wortes Fas(t)nacht von vaselen (gedeihen) ist längst nicht mehr aufrecht zu halten. Sie entstammt der Ideologie der Nationalsozialisten, wobei die Fastnachtfeier als heidnischer Fruchtbarkeitskult uminterpretiert wurde.

Die Gegenwelt des Faschings

Die Narrenfeste haben ihren Ausgangspunkt viel mehr im christlichen Jahreslauf. Die Schwelle zur vorösterlichen Fastenzeit war ein radikaler Einschnitt in die Speisegewohnheiten. In der Fastnacht wurde alles verzehrt, was während der folgenden 40 Tage unweigerlich verdorben wäre - in den Städten bei öffentlichen Gelagen. Die Bürger ließen sich von Musikanten und Spielleuten unterhalten, veranstalteten Tänze, Wettkämpfe und Schaubräuche. Mit Spaß und Spott wurde auch auf dem Lande nicht gespart.

Im Wissen, dass das "Fest des Fleisches" begrenzt und vorübergehend war, tolerierte die Kirche den Exzess. Der heilige Augustinus (354-430) war einer der bedeutendsten Theologen und ein wichtiger Philosoph der ausgehenden Antike. Zwischen 413 und 426 verfasste er das 22-bändige Werk "De civitate Die" (Vom Gottesstaat). Darin stellte er dem Staat der guten Engel (Civitas dei) den Staat der bösen Engel (Civitas diaboli) gegenüber. Diesen seit langem bekannte Gegensatz führte die katholische Kirche Jahrhunderte später bildhaft und allgemein verständlich vor Augen. Fastnachtsspiele dienten der Unterhaltung und moralischen Belehrung. Sie deuteten den Fasching als unheilvolle "verkehrte Welt" - den Teufelsstaat. Ein bekanntes Beispiel ist der 1449 entstandene Nürnberger Schembartlauf. Die modische Kleidung und die Kostüme der Teilnehmer versinnbildlichten Laster wie Spielleidenschaft, Hoffart, Trägheit, Wollust, Geiz und Neid. Ihr wichtigstes Requisit waren die "Höllen", Schlitten, die Motive und Szenen zeigten, die der Augustinischen Civitas diaboli zugerechnet wurden.

Die Notwendigkeit der Umkehr wurde durch die Figur des gottfernen Narren drastisch dargestellt. Den Anstoß gab das moralsatirisch-didaktische Werk "Das Narrenschiff" von Sebastian Brant (1457-1521). Es erschien 1494, am "Vorabend" der Reformation, wurde zum Bestseller und fand zahlreiche Nachahmer. Brant, Jurist und Humanist, suchte die katholische Kirche und ihre Herrschaft zu stärken. Er war überzeugt, dass die Menschen die Narrheit überwinden und zur Weisheit gelangen könnten.

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