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Fasching #

Fasching

Die Dauer des Faschings hängt vom Osterdatum (zwischen 22. März und 25. April) ab. Die Vorbereitungszeit (Quadragesima, vorösterliche Bußzeit) auf das höchste Fest der Christenheit dauert 40 Tage. Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch (zwischen 4. Februar und 10. März). Er folgt auf den Faschingdienstag, der Höhepunkt und Ende der närrischen drei Tage markiert. Fasching ist in Österreich und Süddeutschland das Synonym für Fastnacht. Laut Etymologieduden erscheint das Wort im 13. Jahrhundert als Vaschanc oder Vastschang und wurde als Ausschenken des Fastentrunks verstanden. Es verweist auf Bräuche in den Zünften und damit auf städtische Rituale. Erst im 17. Jahrhundert hat man die Silbe -ang durch -ing ersetzt. Lexers Taschenwörterbuch übersetzt das mittelhochdeutsche "vas(t)naht" mit "Vorabend vor Beginn der Fastenzeit, Tag vor Aschermittwoch|." Im Fasching ist alles erlaubt, was sonst verboten ist, wie Geschlechterwechsel, Freizügigkeit, Protest und Parodie, Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse, derbe Scherze. Es scheint ein Grundbedürfnis zu sein, dass Menschen von Zeit zu Zeit ihren Alltag verlassen um symbolisch in eine andere Haut zu schlüpfen.

Ethnologen (Dietz-Rüdiger Moser) haben Zusammenhänge zwischen Fasching und Kirchenjahr herausgearbeitet. Zeitweise war in der Fastenzeit nicht nur der Fleischgenuss verboten, sondern auch andere Speisen und jede Art von Vergnügen. Den Seelenhirten war bewusst, dass dies nur durchzuhalten war, wenn sie ihren Schäfchen einige Wochen vorher umso mehr Freiheiten einräumten. Erklärt wurde das mit der Zwei-Welten-Lehre des heiligen Augustinus (354-430). Er stellte der Welt des Teufels das Reich Gottes gegenüber. Lärm, Narrheit und andere weltliche Dinge standen auf der einen Seite, Ruhe, Frieden und Gottesliebe auf der anderen. Der Narr als Gottesleugner wurde im Mittelalter mit Schelle und Pauke dargestellt - Requisiten, die im Fasching ihren Platz haben. Obwohl diese Erkenntnisse keineswegs neu sind, scheinen sie sich nicht so recht herumgesprochen zu haben. Hobbyforscher wie Neuheiden sind noch immer (oder schon wieder) von der Verwurzelung des Brauchtums in der germanischen Mythologie überzeugt. Der NS-Ideologie passte die "heidnische Fasnacht" hervorragend ins Konzept. Die christlichen Hintergründe wurden geleugnet und an ihrer Stelle ein heidnisches Herkommen der Bräuche behauptet. Aus der Fastnacht, deren Bezeichnung ihre Abhängigkeit von der Fastenzeit verrät, entstand die "Fasnacht": Faseln, "fruchtbar machen“, erschien als Quelle für die Erklärung der Brauchzeit passender. Die Fasnachtsfeier galt nun als Vegetationskult. Die Propaganda war mächtig und das "Volk" glaubt(e) es gerne. Der Etymologieduden lässt diese Deutung offen. Lexer übersetzt "vasel" als Zuchtstier bzw. Gesinde, "vast(e)" als Fastenzeit, Buße. 

Das Imster Schemenlaufen steht als einer von nur fünf Bräuchen auf der weltweiten "Repräsentativen Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit" der UNESCO. Die nationale Liste enthält auch weitere Events der in Tirol so genannten Fasnacht.Eine weitere Spezialität in Tirol sind die Amraser Matschgerer. Dabei stehen nicht ein Umzug, sondern kleinräumige Aufführungsorte und die Interaktion mit der lokalen Bevölkerung im Vordergrund. Trotz des städtischen Einflusses auf die Infrastruktur und Organisation der Dorfgemeinschaft, wurde die Amraser Fasnachtstradition beibehalten. Das Fastnachtstreiben beginnt am 20. Jänner und endet am Faschingsdienstag. 2020 wurde auch die Tradition in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.• Seit 2022 stehen auch die "Patscher Schellenschlagerinnen " auf der nationalen Liste des Immatriellen Kulturerbes. Der Faschingsbrauch findet jährlich am Unsinnigen Donnerstag statt. Dabei „läuten“ die nach Größe in Zweierreihe aufgestellten und maskierten Schellenschlagerinnen die Glocken bzw. Schellen im vorgegebenen Rhythmus der Hexe, die den Zug begleitet. Zwar ist das Schellenschlagen auch in anderen Orten zu beobachten, doch im Gegensatz zu vielen anderen Fastnachtsumzügen in Tirol sind die Ausübenden ausschließlich Frauen.

Seit dem Mittelalter gingen die Bewohner der europäischen Städte an den "fetten Tagen" auf die Straße feiern. In Wien fanden vom 15. bis ins 18. Jahrhundert Maskenumzüge statt, an denen die Obrigkeit Anstoß nahm. Niemand sollte in Bauernkleidern oder sonst vermummt durch die Stadt gehen, hieß es schon 1465. In der Maria Theresianischen Zeit wiederholten sich die Verbote alljährlich, bis sich das Faschingstreiben schließlich in die Ballsäle zurückzog. Im 19. Jahrhundert, als in den Vorstädten immer prächtigere Lokalitäten gebaut wurden, entstand der berühmte Wiener Walzer.

In Wien beginnt die Ballsaison am 11.11. 2025 mit einer Quadrille am Graben und endet am Faschingdienstag. Die Saison 2026 setzte "neue Maßstäbe". Die Veranstalter zählten 605.000 BesucherInnen, 35.000 mehr als im Vorjahr. 32 Prozent der Ballgäste kamen aus dem Ausland (Deutschland, Schweiz, USA, Japan, Großbritannien, Kroatien, Italien) .Die Umsätze stiegen von 205 Millionen Euro im Vorjahr auf knapp 240 Millionen.

Für Faschingskostüme gibt man in Wien 2026 50 bis 70 € aus. Neben Clowns, Piraten, Superhelden und Figuren aus Wien erwies sich der "K-Pop-Look" als Trend. Inspiriert von der Musikkultur aus Korea waren bunte Perücken, starkes Make up, Ganz und Glitter gefragt.

Tradition hatte das "Künstlerhaus-Gschnas", bis 1965 war es "das Party-Highlight", danach fand es vereinzelt bis in die 1980er Jahre statt. Schon 1868 feierten die Künstlerhausmitglieder am Faschingmontag ihr Fest mit großartigen Dekorationen. 1904 wurde es mehrmals wiederholt und hatte Tausende Besucher. Zum 150-Jahr-Jubiläum des Künstlerhauses gab es wieder ein Gschnasfest, unter dem Motto "Untragbar", am 11.11.2011 wurde dort der Fasching eingeläutet.

1842 bestand der Dornbacher Faschingszug (Wien 17) aus mehr als 20 Gruppen. Ähnliches gab es auch in anderen Wiener Vororten: "Großer Maskenzug unter dem Titel: Freuet euch des Lebens! welcher um 1 Uhr Nachmittags in Dornbach über Neuwaldegg Statt findet. Großes Maskenquodlibet, von verschiedenen Karikaturen dargestellt. 1. Zwei Laufer. 2. Zwei Trompeter. 3. Mehrere Ritter, die den Zug eröffnen, darunter der Zugskommandant. 4. Der amerikanische Hühnerkrämer. 5. Der Räuber Pallavicini. 6. Der Faschingskönig in Floribus. 7. Eine Musikbande bei Gasbeleuchtung. 8. Ein Sultan samt Dienerschaft. 9. Die Verliebten auf der Wasserpromenade. 10. Der schönste Ritter von Milano. 11. Saturnus, der Kinderfresser. 12. Ein Tanzbär. 13. Der Jude am Eilwagen. 14. Die Zunft der Milchweiber. 15. Die Blutfreundschaft in Krähwinkel auf der Wurst. 16. Der Schneider auf dem Bock. 17. Gänzlicher Ausverkauf mit Schaden. 18. Alte Weibermühle. 19. Neuer Backofen von Tirol. 20. Maskenquodlibet. 21. Robert der Teufel, wie er mit den alten Weibern in die Versorgung fährt. Abends um 7 Uhr ist großer Maskenball." Seit mehr als einem halben Jahrhundert pflegen die Wiener Faschingsgilden Umzüge, anfangs über den Ring, dann in verschiedenen Geschäftsstraßen und im Prater. Am Faschingsamstag 2026 organisierte der Landesverband für Wien und Burgenland im Bund österreichischer Faschingsgilden den Wiener Faschingsumzug in Simmering.

Der Fasching in Ebensee (Oberösterreich) zählt zum Immateriellen Kulturerbe. Hauptattraktion ist der Fetzen-Umzug. Die Teilnehmer tragen bunte Kostüme aus Lumpen und Masken. 1733 gab es eine "Faschingsrevolte" der Salinenarbeiter. Sie pochten auf ihr "seit alters her" geltendes Recht, am Dienstag Nachmittag bei vollem Lohnausgleich zu feiern.

In der Steiermark nennt sich Bauernbundball "größter Ball Europas" 2026 fand er zum 75. Mal statt. 16000 BesucherInnen folgten dem Dresscode "Tracht oder Abendkleidung". Der Gesamtumsatz lag bei 6,4 Mio. €. Die 3500 Bäume, die zur Dekoration der Halle im Messe Congress dienten, wurden nach dem Ball an die Besucher verschenkt. Als Event der Kleinen Zeitung findet am Faschingdienstag ein großer Umzug von der Grazer Oper zum Hauptplatz statt. 2026 feierte man zum 52. Mal (/seit 1970) "Steirerland im Narrengwand". Wagen, Gruppen, einzelne Erwachsene und Kinder wurden prämiiert. Anschließend ging das Partytreiben in der City bis knapp vor Mitternacht (Aschermittwoch) weiter. Der Rheinische Karneval kam über die Schladminger Gegend in die Steiermark. Dort pflegte ein Fremdenverkehrsobmann intensive Beziehungen zu Gästen aus Deutschland. "Was dort schick war, wurde dann bei uns auch in“, erklärte Roswitha Orač-Stipperger vom Grazer Volkskundemuseum in einem ORF-Interview. Mit dem Karnevalsbrauch kam auch der Anfang der närrischen Zeit am 11.11. in die Steiermark. Dort begann er - laut Mandlkalender erst nach dem Dreikönigstag. Über die ursprüngliche steirische Faschingstradition sagt die Ethnologin, dass die Interaktion mit dem Publikum - auch bezüglich Partnersuche - eine wesentliche Rolle spielt(e). Die Figuren der Umzüge sind spöttisch, verzerrt, lustig - und regional unterschiedlich.

Der Ausseer Fasching wird an den „Heiligen drei Faschingtagen“ gefeiert. Am Faschingsonntag treffen sich die Einheimischen und verlesen die „Faschingbriefe“. Humorvoll blicken die Anwesenden auf lokale Ereignisse aus dem vergangenen Jahr zurück. Seit 1767 ziehen am Montag die Markter Trommelweiber mit Masken und langen, weißen Frauennachthemden durch die Stadt. Neben der bürgerlichen Gruppe gibt es auch die Arbeiter-Trommelweiber. Am Faschingsdienstag werfen die Flinserl, die Kostüme mit glitzernden Pailletten-Ornamenten und bunten Tuchflecken tragen, den Kindern Süßigkeiten oder Nüsse zu.

Wie der Ausseer Fasching steht auch das Murauer Faschingrennen auf der UNESCO-Liste des nationalen Immateriellen Kulturerbes. Die Faschingrenner laufen am "damischen Montag" in den Gemeinden im Murtal von Haus zu Haus. Voran ziehen der Wegauskehrer und der mit Federn geschmückte „Heahgreifer“, der Hühnerhabicht. Um ihn gut zu stimmen, müssen ihm die Hausbesitzer Eier schenken. Den Großteil des Umzuges machen die Glockfaschinge und Schellfaschinge - mit Kuhglocken oder Schellenkränzen und meterhohen bunten Spitzhüten - aus. Sie laufen vor jedem Haus ein „Kranzerl“ und die als Handwerker verkleideten „Vetteln“ preisen ihre Waren an. Eine Tradition aus dem Murtal, die teilweise das Faschingrennen begleitet, ist das Bärenjagen in Sankt Peter am Kammersberg. Der Bär wird aus dem Winterschlaf geweckt und getötet.

In der Ost- und Weststeiermark ist das Blochziehen ein beliebter Rügebrauch: Wenn im vergangenen Fasching keine Hochzeit stattgefunden hatte, muss die ledige Dorfjugend einen geschmückten Baumstamm durch den Ort ziehen. Mit von der Partie ist oft ein falsches Brautpaar. Außerdem das „G’schalermandl“ in der Oststeiermark oder der „Laschi“ auf Weststeirisch mit einer Maske aus getrockneten Schalen oder Hüllblättern von Maiskolben. Diese Figur steht für den Winter. Sein Begleiter, der „Waldteufel“ oder „der Grüne“ mit seiner Reisigmaske symbolisiert angeblich den Frühling.

Der Fasching war im Bäuerlichen immer mit gutem und üppigem Essen verbunden, weil man durch die Schlachtungen tierische Produkte zur Verfügung hatte, die in der folgenden Fastenzeit nicht genossen werden durften. Besonders am „Foastpfingsta“, dem Donnerstag vor dem Faschingssonntag, wurden Schmalzgebäcke, Fleischkrapfen und andere Köstlichkeiten aufgetischt. Als die Bauern selbst schlachteten, versuchten die Burschen, in der Nachbarschaft einen Schweinskopf zu entwenden. Der Bestohlene wurde in einer scherzhaften Gerichtsverhandlung zu einer Strafe „verurteilt“, die er dann beim gemeinsamen Zusammensitzen zu begleichen hatte.

In Salzburg belegen Verbote aus dem Jahr 1730 das Faschingstreiben im ganzen Bundesland. 1874 fand ein Umzug statt, wie ihn die Stadt noch nie gesehen hatte: "Einzug des Prinzen Karneval und Gemahlin samt Hofstaat und Gefolge". Nach einigen Jahren stellte das Komitee seine Aktivitäten ein, erst 1900 gab es wieder einen Faschingszug. 1901 war auch der Tamsweger Samson mit von der Partie. 1948 konstituierte sich eine Salzburger Faschingsgilde.

In Kärnten ist der Villacher Fasching, den das ORF-Fernsehen aufzeichnet, ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor. Bereits die erste „Villacher Faschingssitzung“ wurde 1961 vom Rundfunk übertragen. Seit 1963 strahlt das ORF-Fernsehen Höhepunkte der Veranstaltung alljährlich am Faschingsdienstag aus. 2026 zählte man 634.000 ZuschauerInnen, 2020 waren es noch 959.000.

Das klassische Gebäck ist der Faschingskrapfen, ein mit Marillenmarmelae oder Vanillecreme gefülltes - ursprünglich in Schmalz herausgebackenes - Germgebäck. Alljährlich prämieren Tageszeitungen die besten Faschingskrapfen. Der Preis liegt zwischen 1 und 3,50 €. Laut burgenländischer Landwirtschaftskammer werden jährlich 100 Millionen Stück verzehrt, durchschnittlich 12-13 Stück, davon die Hälfte im Fasching.
In Wien, wo es 16 Kostümverleihe gibt, gab -2025 jede/r durchschnittlich 50 - 70 € für Faschingskostüme aus, besonders gefragt waren Zirkus- und Vintage-Verkleidungen. Damit ist der Fasching in der Branche vor Halloween und Silvester die umsatzstärkste Zeit des Jahres.

Die Kirche gab im Mittelalter den Anstoß zu einem Brauch, der sich in der Folge zu seiner Parodie entwickelte: das Faschingbegraben. Die Bestattung ( Depositio ) des Halleluja stammt aus der Ostkirche. Die Zeremonie im Rahmen eines Requiems sollte den Ernst der kommenden Zeit veranschaulichen. Die Persiflage, das Begraben, Verbrennen oder in das Wasser-Werfen einer Strohpuppe, die den Fasching darstellt, findet in zahlreichen Orten statt, am Faschingdienstag 2025 in Neuestift am Walde, Wien 19 (Heuriger Wolff)


Quellen:
Etymologieduden (Internet)
Gustav Gugitz: Das Jahr und seine Feste. Wien 1949. I/35 f.
Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch, Leipzig 1885. S. 233
Johann Ev. Schlager: Wiener Skizzen aus dem Mittelalter Wien 1835. S. 275 und 1842 S. 246 f.
Helga Maria Wolf: Feste undBräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 30 f.
Karl Zinnburg: Salzburger Volksbräuche. Salzburg 1972
Amraser Matschgerer
Ebensee 2021, publiziert 17.2.2021
Wien 2026, publiziert 17.2.2026
Villach 2026
Graz
Kostüme 2026

Bild:
Trommelweiber, Bad Aussee (Steiermark). Foto: Elisabeth Stefani, 1984, freundlicherweise für das Austria-Forum zur Verfügung gestellt


Siehe auch:

Fasching in: Verschwundene BräucheDas Buch der untergegangenen RitualeHelga Maria WolfBrandstätter VerlagWien2015jetzt im Buch blättern