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Opernball#

Opern-Redoute

1869 wurde die k.k. Hofoper nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet. 1877 fand die erste Soiree im Opernhaus statt. Die Bezeichnung "Wiener Opernball" existiert seit 1935. Es war die Idee des legendären Tanzlehrers Willy Elmayer, die verschiedenen Ebenen der Bühne und des Zuschauerraumes in einen 50m langen Ballsaal zu verwandeln. Nach kriegsbedingter Unterbrechung geht der Opernball seit 1956 wieder am letzten Donnerstag des Faschings über die Bühne. Der ORF überträgt die Veranstaltung live. Der "Ball der Bälle" gilt als Staatsakt . Der frühere Bundespräsident Heinz Fischer nannte ihn "den idealen Ort für Diplomatie". Die Veranstaltung ist von Ritualen geprägt: Frackzwang für die Herren, großes, langes Abendkleid für die Damen, Eröffnungszeremonie mit Fanfare, feierlicher Einzug, musikalische Darbietungen und das Kommando "Alles Walzer!" zählen dazu.

Beim 64. Wiener Opernball am 20. Februar 2020 tritt erstmals der Startenor Piotr Beczala beim künstlerischen Eröffnungsprogramm auf. 144 Debütantenpaare aus 11 Ländern ziehen als Jungdamen- und Jungherren-Komitee zur Eröffnung in den 50 m langen Ballsaal ein. Die Debütantinnen tragen weiße Roben und Krönchen aus glitzernden Glassteinen. Für die "Jungdamen" ist der Opernball der noble Initiationsritus in die Gesellschaft. Zum vierten und letzten Mal ist Maria Großbauer die Organisatorin, danach soll - wie beim Philharmonikerball - ein Personenkomitee die Veranstaltung vorbereiten und leiten. Frühere Organisatorinnen waren 1956 bis 1980 Christl Schönfeldt, 1981 bis 1996 Lotte Tobisch, 1999 bis 2007 Elisabeth Gürtler, 2008 bis 2016 Desirée Treichl-Stürgkh. Unter dem Titel "Der Opernball in Zahlen" schrieb der "Kurier" am 20.2.2020: Innerhalb von 30 Stunden verwandeln 350 Facharbeiter und 150 Hilfskräfte den Zuschauerraum in einen der schönsten Ballsäle der Welt. ...320 Gastro-Mitarbeiter, 5.150 Ballgäste, 250 Securitys, 171 Blumenarrangements und 500 Blumengestecke 15.000 Lämpchen, 150 Musiker in 12 Ballbereichen, 52.600 Gläser, Preis einer Loge zwischen 13.300 und 23.600 Euro.

Seit den 1970er- Jahren gibt es weltweit in mehr als 30 Metropolen - u.a. in Rom, Moskau, New York, Hongkong, Barcelona, Prag, Berlin - Wien-Bälle nach dem Vorbild des Opernballs. Der Opernball ist ein typischer Brauch der Großstadt. Wo ein Brauch ist, ist oft ein Antibrauch nicht weit, beim Opernball war es die "Opernballdemo" (erstmals 1968). Nach etlichen Jahren Unterbrechung fand 2008 wieder eine größere Demonstration statt. 2018 veranstaltete die Kommunistische Jugend Österreichs eine Kundgebung, an der 90 Personen teilnahmen. Unter dem Motto „Eat the rich!“ velief die Demonstration weitgehend friedlich. 2019 fand sich nur ein einziger Protestierender ein, der sich vor dem Eintreffen der Gäste entfernte.


Quellen: 
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 92
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 45f.
Antibrauch 2018
"Kurier" 24.2.2019
2019 publiziert 28.2.2019
2019 publiziert 28.2.2019
"Kronen-Zeitung" 2.2.2020

Bild: Opern-Redoute. Aus: Wienerstadt. Wien 1895.