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Faschingsgilde #

Faschingsumzug in Wien-Währing. Foto: Doris Wolf 2013

Döblinger Faschingsgilde. Foto: Doris Wolf, 2013

Karnevalsfeiern in der heutigen Form sind rund 200 Jahre alt. Zünftische Vorläufer gab es in den rheinischen Städten, z.B. in Köln von 1341 bis zum Dreißigjährigen Krieg, 1618. Mit der Auflösung der Zünfte nach der französischen Revolution organisierten die Kölner ihren Karneval 1823 neu mit Faschingssitzungen, Regenten und Rosenmontagszug. Inzwischen ist der Karneval für die Rheinländer so wichtig geworden, dass sie ihn als fünfte Jahreszeit bezeichnen.

Hierzulande haben sich Faschingsgilden - von Salzburg und Oberösterreich ausgehend - 1962 zum "Bund Österreichischer Faschingsgilden, Vereinigung für Fasching- Fasnacht- und Carnevals-Brauchtum in Österreich" (BÖF) zusammengeschlossen. Nach einem halben Jahrhundert sind es rund 130 Vereine. Zu ihren Zielsetzungen zählen Zusammenarbeit, Ideenaustausch, Hilfe bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und gegenseitige Besuche. In Wien bestehen (2017) sechs Faschingsgilden. 1983 bis 1993 gingen große Umzüge über die Ringstraße, dann rotierte die Veranstaltung in den Bezirken. Ab 2016 findet der große Wiener Faschingszug im Prater statt. In der Ankündigung 2018 heißt es: "Zirka 450 Faschingsnarren, rund 30 Narrengruppen und über 10 hübsch dekorierte Festfahrzeuge machen bei der Veranstaltung mit. 4 Kapellen, darunter die „Kundla Gugga Musik“ und die „Rockin‘ Bulls“, umrahmen dieses närrische Spektakel. „Captain Morgan“ höchstpersönlich mitsamt Piraten-Gefolge, Vampire, Wikinger, Venezianer, Gärtner, Clowns („Magic Everywhere“), „Mamageien“ und „Papageien“ und viele andere kostümierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer rufen dem Publikum wohlgemut den Gruß „FA-FA-HA-HA“ zu."

Schlüsselübergabe Wien-Währing. Foto: Doris Wolf, 2013

Die Faschingsgilden haben eigene Symbole: Eine große Rolle spielt die Narrenzahl elf, eine Primzahl, die sich von den christlichen Zahlen der zehn Gebote oder der zwölf Apostel unterscheidet. Am 11.11. (dem Tag des hl. Martin, dem als Herbstfasching der Advent als Fastenzeit folgte) beschließen sie die nächsten Aktivitäten. Gründungs- und Generalversammlungen werden abgehalten, Prinzen gekrönt und der Elferrat neu besetzt. Dieses Comitée - einst als Persiflage auf die Tribunale der französischen Revolution verstanden - organisiert die Veranstaltungen. Dazu zählen der Straßenfasching mit Umzügen und dem Erstürmen von Rathäusern, Büttenreden (kabarettistische Rügegerichte) und Faschingssitzungen. Als Herrscherfiguren werden Prinz Karneval oder ein Prinzenpaar gewählt, denen die Garde und der Elferrat als Regierungskabinett zur Seite stehen. Ihre Kleidung sollte eine Parodie auf die Uniformen der französischen Besatzungstruppen im Rheinland darstellen. Die Kopfbedeckung ist von den mittelalterlichen Narrenkappen mit Schellen und Eselsohren inspiriert. Die klassische rheinische Mütze hat die Form eines Schiffchens, das wiederum im Kontrast zu der als Schiff interpretierten christlichen Gemeinschaft steht. Jede Gilde pflegt ihren eigenen Gruß, z.B. "Lei-lei", "Mö-mö" oder "Dö-dö, bling-bling".


Quellen:
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 32
BÖF
Prater 2018

Bilder:
Fasching 2013: Währinger Faschingszug, Döblinger Faschingsgilde, Schlüsselübergabe. Fotos: Doris Wolf