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Helga Maria Wolf:

Fastenzeit und Osterfest#

Foto: Doris Wolf

Im März schmilzt endlich die dicke Decke aus Schnee und Eis. Die Blumenzwiebeln beenden ihren Winterschlaf. Zartes Grün sprießt aus der Erde. Eigentlich sollte jetzt Neujahr sein, ein Start voller Energie. Bei den alten Römern war das so, ihr bäuerliches Jahr fing mit der Wachstumszeit im März an.

Zwei Rhythmen bestimmen seit altersher den Jahreslauf und seine Feste: Naturjahr und Kirchenjahr. Zeiten von Licht und Dunkelheit, Ruhe und Wachstum, Saat und Ernte wechseln in immer wiederkehrenden Zyklen. Rituale sollten die Übergänge erleichtern und in gefährlichen Phasen helfen. Freude und Dankbarkeit fanden Ausdruck in Festen - seit mehr als 1500 Jahren vom Christentum geprägt. Ostern ist das älteste christliche Jahresfest. Das Konzil von Nizäa (325) bestimmte den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond als Termin. Das bewegliche Fest fällt in die Zeit zwischen 22. März und 25. April. Die Dauer des Faschings, der Beginn der Fastenzeit und das Datum weiterer Feiertage hängen vom Ostertermin ab: Christi Himmelfahrt am 40. Tag, Pfingsten am 50. Tag und Fronleichnam elf Tage nach Pfingsten.

Die 40 Tage der Bußzeit - ab Aschermittwoch - dienen der Vorbereitung auf Ostern. Während früher die ganze Zeit strenge Fastengebote galten, erfindet man jetzt alternative Opfer, wie „Kilometerfasten“ oder den „Suppensonntag“: Man nimmt in der Pfarre einen gemeinsamen Imbiss und spendet das Ersparte. Der Volkskundler Leopold Schmidt schrieb über die traditionelle Fastenzeit: „Für Niederösterreich ist es bezeichnend, dass seine Bewohner im 15. und 16. Jahrhundert gerne als ‚Paschaller’ bezeichnet wurden. da sie angeblich stets Ostern feierten, aber niemals Fasten. Die Freude an den reichen österlichen Speisen und die Abneigung gegen die karge Fastenzeit kommt damit doch recht deutlich zum Ausdruck.“ Fastentücher verhüllen die Altäre. Das größte befindet sich im Dominikanerinnen-kloster von Kirchberg am Wechsel (Bezirk Neunkirchen). Sepp Jahn und Edith Hirsch haben das 100 m langes Tuch mit 40 biblischen Szenen im Jahr 2000 geschaffen.

Einen Lichtblick in der Fastenzeit bietet ihr 4. Sonntag. Man nennt ihn „Laetare“ - „Freue dich!“. Sichtbares Zeichen waren rosa statt violetter Messgewänder. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. „Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen und riefen: Hosanna!...“, beschreibt Johannes die Begrüßung Jesu durch die Volksmenge in Jerusalem (Joh. 12,13). Die Evangelisten schildern, wie Jesus auf einem Esel einzog und ihn die Massen begeistert begrüßten. Seit dem 8. Jahrhundert wurde dies in den Kirchen nachempfunden. Prozessionen mit dem Palmesel waren zugleich religiöse Zeremonie und Schaubrauch. Palmzweige galten in der Antike als Symbol für Leben, Hoffnung und Sieg. In nördlicheren Ländern ersetzte man die immergrünen Wedel durch blühende Zweige, Buchs oder Weidenkätzchen. Formen und Materialien der Palmbuschen sind landschaftlich verschieden und äußerst vielfältig. Sie können mehrere Meter hoch sein und Eier, Äpfel, Nüsse oder Säckchen mit Saatgut enthalten. In Wallsee-Sindelburg (Bezirk Amstetten) hat eine tschechische Pfarrhaushälterin vor Jahren eine besondere Form der Palmbuschen eingeführt: Ausgeblasene bunte Eier und Buchs zieren lange Stangen. Auch in Spitz in der Wachau gibt es diesen Brauch.

Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag markieren die traurigste Zeit im Kirchenjahr, die letztlich doch vom Osterjubel überstrahlt wird. Nun sind die Ratschen unüberhörbar. Man sagt, dass die Glocken nach Rom fliegen und erst zu Ostern wiederkehren. Kinder ziehen durch die Orte und erinnern mit Lärminstrumenten und Sprüchen an die alten Gebetszeiten. Wenn sie die Häuser zum letzten Mal abklappern, erhalten sie Ostereier, Süßigkeiten und Spenden.

In Stockerau (Bezirk Korneuburg) pflegen die Männer einen Antibrauch zum Osterputz der Frauen. Die heitere "Gründonnerstagpartie" geht durch die Au nach Tulln. Die erste Wanderung unternahm Karl Wasserburger 1884 mit dem Männergesangverein. Zu den Ritualen gehören u.a. die Begrüßung eines Rauchfangkehrers, die Initiation der Neulinge ("Jungfrauen"), einige Labestationen mit Schnaps und eine Begegnung mit den Ratscherbuben. Das Abzeichen der Teilnehmer ist ein Kipfel, das beim Start gekauft und - sichtbar getragen - unversehrt bleiben muss.

Ganz andere Kipferl erhielten niederösterreichische Kinder, wenn sie zu Ostern ihre Paten besuchten. Die "Godenkipfel", wie in Kirchberg am Wechsel (Bezirk Neunkirchen) oder in Ybbsitz (Bezirk Amstetten), waren besonders groß.

Ein klassisches Symbol ist das Osterfeuer. Als Segen bringend gelten Holzstücke („Prügel“), die Kinder in das Feuer halten. Es speist die Osterkerze, an dem die Gläubigen ihre Kerzen entzünden, die sie oft in Laternen nach Hause tragen. Ein anderes Zeichen, das für sich selbst spricht, sind die Ostereier. Landauf, landab verbreitet ist der moderne Brauch der Osterbäume: Sträucher im Garten oder blühende Zweige werden mit ausgeblasenen Eiern dekoriert. (Rote) Eier waren schon in den ersten Jahrhunderten ein Geschenk unter armenischen Christen. Dazu kam der spätere Rechtsbrauch, Eier als Naturalabgabe und -Lohn zu überreichen. Seit der Barockzeit und besonders seit dem 19. Jahrhundert ist es üblich, sie zu verstecken und von den Kindern suchen zu lassen.

Am Ostermontag veranstalten viele Pfarren einen "Emmausgang" in Erinnerung an die Jünger, die auf ihrem Weg den Auferstandenen trafen. Alberndorf im Pulkautal (Bezirk Hollabrunn) pflegt hingegen das "Greangehen": Einst baten die Weinbauern ihre Helfer nach dem Winter und zu Beginn der neuen Saison in die Kellergasse, wo sie ihnen roten Wein, weißes Brot und schwarzes Fleisch (Geselchtes) als Spezialitäten kredenzten. Daran knüpft sich der Spruch zum weltlichen Emmausgang: "Mancher geht eben aus und kommt schief heim."

Ein Beitrag der Serie BRAUCHbares in: Schaufenster Volkskultur