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Gemeindebau#

Gemeindebau
Karl-Marx-Hof

60 % der Bevölkerung Wiens lebt im sozialen Wohnbau. Die Unternehmung Stadt Wien - Wiener Wohnen ist die größte kommunale Hausverwaltung Europas. Sie verwaltet, saniert und bewirtschaftet 220.000 Gemeindewohnungen, 5.100 Lokale und über 47.000 Garagen- und Abstellplätze in 2.000 Bauten. Zum Vergleich: von den 700.000 Hauptmietwohnungen (2017) waren 200.000 geförderte und 280.000 private Mietwohnungen.

Das kommunale Wohnbauprogramm begann nach dem Ersten Weltkrieg auf der Grundlage der 1922 eingeführten Wohnbausteuer. Mit subventionierten städtischen Wohnhäusern sollte die damals herrschende Wohnungsnot bekämpft und der ärmeren Bevölkerung ein Mindeststandard an Größe und Ausstattung geboten werden. Da bedürftige und kinderreiche Familien bei der Vergabe bevorzugt waren, ergab sich eine Konzentration auf bestimmte Sozialschichten. Die bis 1927 errichteten Kleinstwohnungen bestanden aus Vorraum, WC, Küche, Zimmer und evtl. Balkon. 75 % waren 38 m² groß, der Rest 45 - 48 m². Die Ausstattung umfasste Gasherd und Ofenheizung, es war kein Badezimmer vorgesehen. Die Gemeindebauten waren fünf bis acht Stockwerke hoch. Von außen wirken sie festungsartig und abweisend. Monumentale, oft mit Eisengittern gestaltete Tore, schließen sie ab. Kernstück ist der Hof mit sozialem Grün, der die einzelnen "Stiegen" erschließt. Im Sinn des Roten Wien legte man Wert auf "Kunst am Bau", die sich u.a. in Brunnen, Figurenschmuck oder expressionistischen Details zeigt. Charakteristisch waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Wäschereien, Badeanlagen, Kindergärten, Hobbyräume, Bibliotheken, Zahnklinik, Mutterberatungsstelle, Parteilokale etc. Bis 1934 waren 63.000 Gemeindewohnungen fertig.

In der 2. Republik wurde die Bautätigkeit wieder aufgenommen. Das Matzleinsdorfer Hochhaus (Wien 5, Matzleinsdorfer Platz) war das erste Gemeindehochhaus Wiens. 1956 wurde die 50.000. Wohnung nach Kriegsende übergeben. Ab den 1960er- Jahren kamen Fertigteil- und Montagebauten zur Anwendung. Vorwiegend entstanden Großanlagen am Stadtrand. wie „Am Schöpfwerk“ in Meidling. Die jährliche Bauleistung lag bei 9.000 Wohnungen. 1977 gelang den Austropoppern Wolfgang Ambros und Joesi Prokopetz mit "Du bist die Blume aus dem Gemeindebau" ein Hit - und zugleich eine ironische Beschreibung der Subkultur der "grünen Witwen" in Stadtrandsiedlungen wie in Stadlau (Wien 22). Auch das 1983-1986 errichtete Hundertwasserhaus im Bezirk Landstraße ist eine kommunale Wohnanlage. Der letzte „alte“ Gemeindebau entstand 2004 in Wien-Liesing (Rösslergasse)

Nachdem die Stadt Wien auf den Bau von neuen Gemeindewohnungen verzichtet hatte – der Fokus lag im geförderten Bereich auf Genossenschaftswohnungen –, kündigte der Bürgermeister im Wahljahr 2015 mehrere Bauprojekte an: Handelskai (316 Wohnungen), Engerthstraße (110 Wohnungen), Wildgarten (123 Wohnungen), Wolfganggasse (105 Wohnungen), Seestadt Aspern (75 Wohnungen) und Berresgasse (229 Wohnungen). Weitere Bauten sollten im Gaswerk Leopoldau, am Eisring-Süd, in der Brockhausengasse, am Montecuccoliplatz und in der Ödenburger Straße Ecke Ottilie-Bondy-Promenade entstehen. Dieser soll 2021 bis 2023 mit sieben Geschossen und 74 Wohnungen errichtet werden. Als langfristige Projekte wurden präsentiert: Neues Landgut (ab 2022, 166 Wohnungen), Eurogate II (2026, 130 Wohnungen), Wiesen Ost, Liesing (2024, 270 Wohnungen), Handelskai (2022, 90 Wohnungen), Engerthstraße (2022, 114 Wohnungen),Donaustadtstraße (2022, 220 Wohnungen).

Der erste "neue" Gemeindebau wurde 2019 eröffnet. Der Barbara-Prammer Hof anstelle der AUA-Zentrale in der Fontanastraße 3 umfasst drei Baukörper und verfügt über 120 Wohnungen zwischen 40 und 100 Quadratmetern sowie Spielplätze und Gemeinschaftsräume. Die Stadt beteiligte sich mit 6,7 Millionen Euro an den Baukosten von rund 14 Millionen Euro. Die neuen Gemeindewohnungen befinden sich zu 100 Prozent im Besitz der WIGEBA, der Wiener Gemeindewohnungs-Baugesellschaft. An dieser sind zu 51 Prozent die zur Wien Holding gehörende Gesiba und zu 49 Prozent die Gemeindebauverwaltung Wiener Wohnen beteiligt. Letztere ist auch für die Vergabe der Wohnungen zuständig.


Quellen:
Wiener wohnen
"Mein Wien", Jänner 2019, S. 11
2019, publiziert 5.11.2019
2020, publiziert 17.5.2020
Mai 2020

Bilder: Eines ihrer ersten "Volkswohnhäuser" erbaute die Gemeinde Wien 1923 in Währing, Lacknergasse 96/Staudgasse 80a. Bezirksmuseum Währing
Karl-Marx-Hof, Wien 19, Foto: Doris Wolf, 2013