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Krampusperchten#

Siehe auch:
--> Krampus
--> Perchten

Die Mischung aus Krampus und Perchten fand Ende des 20. Jahrhunderts in Österreich weite Verbreitung. Medienberichten zufolge gibt es in Österreich an die 500 Krampusperchtengruppen. Allein in Salzburg ergab eine Fragebogenerhebung um die Jahrtausendwende 161 solcher Gruppen, Passen genannt, mehr als die Hälfte im Gasteiner Tal. Der von vier Gemeinden abwechselnd organisierte Pongauer Perchtenlauf ist zum Vorbild für ähnliche Veranstaltungen geworden. Die Selbsteinschätzung der Mitglieder reicht von Traditionspflege bis Eventkultur. Auf ihren Internetseiten verweisen die jugendlichen Akteure gerne auf "uraltes Brauchtum", Wintervertreiben, Fruchtbarkeitszauber und ähnliches, das in der wissenschaftlichen Ethnologie längst widerlegt ist. Oft handelt es sich bei den Mitwirkenden um Sportvereine. Viele inszenieren professionelle Feuershows, treten in Diskotheken oder mit Bühnenprogrammen auf. Bei Ausführenden wie Besuchern scheint der Grusel- und Spaßfaktor im Vordergrund zu stehen.

In kaum einem Fremdenverkehrsort fehlt der "Krampuslauf" oder "Perchtenlauf". Die männlichen Teilnehmer „tragen Kostüme aus Schaffellen und Ledergürtel mit einer großen Kuhglocke oder mehreren kleinen Schafglocken. Die großen, oft kostbaren Holzmasken zeigen teuflische oder animalische Züge. Heute gleichen sich die (Kautschuk-)Masken vielfach medialen Vorbildern aus der Szenerie der ‚Außerirdischen‘ oder ‚Aliens‘ an. Mit Ketten und Peitschen bewaffnet, rasseln die Perchten und schlagen wild um sich, sie sind eine grölende, drohende Masse, die plötzlich auftaucht, durch die Gassen rast und ebenso schnell wieder verschwindet.“ (Ulrike Kammerhofer-Aggermann).

Der Krampusumzug in Klagenfurt (Kärnten) ist der größte im Alpen-Adria-Raum. 2017 fand er zum 26. Mal - in Kooperation mit dem Kärntner Brauchtumsverband - statt. 1.000 Krampusperchten nahmen am 25. November daran teil. 40.000 bis 50.000 Zuschauer wurden auf der 1,5 km langen Strecke erwartet. Akteure und Schaulustige waren durch Absperrgitter getrennt. Während der offiziellen Veranstaltung von 19.00 Uhr bis 2.00 Uhr bestand auf der Strecke ein Feuerverbot. Die Ruten wurden kontrolliert, auf Alkohol sollte verzichtet werden. Trotzdem fanden die Veranstalter nur mit Mühe eine Versicherung. Am Vorabend marschierten zehn Krampusperchtengruppen durch die Innenstadt. Sie trugen Kostüme und schellten mit ihren Glocken, hatten aber die Masken in der Hand. Mit der Aktion wollten die 100 Teilnehmer gegen negative Berichterstattung protestieren.

Bei einem der ersten Umzüge der Saison 2018 in Rennweg (Kärnten) kam es zu mehreren Ausschreitungen mit Verletzten, Schlägereien und Sachbeschädigungen. 33 Gruppen mit fast 230 Perchten nahmen teil, statt er erwarteten 1000 Besucher waren es 2000. Der erste Zwischenfall ereignete sich in einem Lokal, das maskierte Mitglieder einer Krampusperchtengruppe besuchten. Sie schütteten Getränke auf den Boden und beschmierten die Sitzbänke mit Schuhcreme. Als ein 18-jähriger Mann eine Schlägerei zwischen mehreren Teilnehmern schlichten wollte, geriet er zwischen die Fronten und wurde durch einen Faustschlag am Kiefer verletzt. Im Festzelt kam es zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern verschiedener Krampusperchtengruppen, wobei ein Unbeteiligter verletzt in das Krankenhaus gebracht wurde. Ebenfalls in ein Spital mussten ein weiterer Mann, den jemand in das Gesicht geschlagen hatte, eine Frau und ein anderer Besucher. Von einem Einsatzfahrzeug der Polizei wurde eine Nummerntafel gestohlen. Strenge zeigten die Veranstalter 2018 beim Villacher Krampuslauf. Nur 40 von 150 Gruppen wurden ausgesucht, jede erhielt ein Alkoholtestgerät, die Vereinsobmänner waren für ihre Mitglieder verantwortlich. Es gab Absperrgitter und Feuerverbote. 15.000 Zuschauer wurden erwartet. Am Ende des Umzugs legten die Krampusse ihre Masken ab, um den Kindern im Publikum die Angst zu nehmen.

Auch in Wien waren in den vergangenen Jahren Krampusperchten in Einkausstraßen und -zentren zu Gast. Sie verhielten sich jedoch freundlich und posierten für Fotos mit Kindern. Am 29. November 2013 gastierte die Gruppe "Fatifer Custodis Pass Carinthia" im Campus AKH. Zu dem Dutzend Mitwirkenden gehören etliche junge Frauen, teils als Engel-Teufel-Mischung verkleidet (rote Kleider und Flügel), teils unter den furchterregenden Masken. In der Ankündigung hieß es: "So schaurig sie auch sind, das Erscheinen von Perchten soll die bösen Geister des Winters vertreiben und demnach viel Glück bringen."

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Am 6. Dezember 2013 gab es in Döbling zwei Perchtenshows. Nach dem Besuch des Nikolaus (der dann auch dabei war) kamen die Marchegger Perchten in das Einkaufszentrum Q19. Auch hier fehlte eine phantasievolle Ankündigung nicht: "Um 17 Uhr stellen sie den alten Brauch zur Schau, den Winter zu vertreiben und Fruchtbarkeit für das kommende Jahr zu bringen."

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Eine Stunde später erwartete in der Obkirchergasse "eine feurige Perchtenshow mit schaurigen Kostümen" die Zuschauer. Für den 11. Perchtenlauf in dieser Einkaufsstraße waren drei Gruppen engagiert. In den folgenden Jahren fand die Veranstaltung nicht mehr statt.

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Am 7. Dezember 2013 rasselten Perchten aus Fischamend durch den nächtlichen Türkenschanzpark.

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Am 8. Dezember 2016 lud die Kulturinitiative Währing die Brauchtumsgruppe St. Veit/Triesting ein, die - wie in den Vorjahren (und in den Folgejahren) - einen Perchtenlauf durch die Währinger Straße veranstaltete.

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Quellen:

CD-ROM "Im Winter und zur Weihnachtszeit". (Hg. Lucia Luidold, Ulrike Kammerhofer-Aggermann) Salzburger Beiträge zur Volkskunde 13. Salzburg 2002
Krampusumzug 2017, publiziert 23.11.2017
Krampusdemonstration, publiziert 25.11.2017
Villach, publiziert 27.11.2018
Rennweg, publiziert 13.11.2018

Fotos: Doris Wolf