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Krampus#

Krampus

Der Krampus ist eine pelzige Teufelsgestalt, die den Kindern mit Kette, Rute und Butte droht. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert traten Nikolo und Krampus als ungleiches Paar beim Einkehrbrauch am Vorabend des Heiligenfestes am 6. Dezember auf. Der Gabenbringer Nikolaus entlieh als Bischof seine Kleidung dem kirchlichen Fundus. Der Krampus trug ein Kostüm aus Fell oder Stoff und eine Maske mit Hörnern. Als „gefallener Engel“ hatte er oft Flügel und jedenfalls eine Kette als abschreckendes Exempel der ewigen Verdammnis der in der Hölle angeketteten Unbußfertigen. Die Rute verweist auf den Schulbrauch, wo sie als Erziehungsmittel eine Rolle spielte. Seine Bezeichnung verdankt er den Krallen. Doch gibt es, regional unterschiedlich, viele Namen für die Gestalt, welche die „Schwarz-Weiß-Kontrastierung“ (Leopold Schmidt) von Gut und Böse verdeutlichte: Knecht Ruprecht, Beelzebub, Hans Muff, Rumpelklas, Klaubauf, Bartl, Gangerl, Leutfresser ... 

In der Barockzeit entwickelten sich - meist in der Nähe von Klöstern, die im Sinne der Gegenreformation geistliche Schauspiele initiierten - Nikolospiele zum Umzugsspiel. Eine Gruppe mit mehreren Figuren zieht durch den Ort und führt in den Höfen bzw. Gastwirtschaften ihr Stubenspiel auf. Dieses ist eine revueartige Aneinanderreihung katechetischer Szenen. Z.B. eine Art Jedermannszene: Engel und Teufel streiten um die Seele eines Sterbenden. Vom 17. Jahrhundert an wurden solche Spiele von kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten verboten. Man hielt sie für unzeitgemäß und sah in ihnen Anlass für ungehörige Späße, Streitigkeiten und Unmoral. Die Schriftsteller der Aufklärung nannten Bräuche wie die Umzugsspiele am Nikolausabend „heidnisch und eines wahren Christenmenschen unwürdig“. Ein Jahrhundert später war für die nationalen Romantiker gerade das vermutet „Heidnische“ von Interesse. Sie (er-) fanden überall naturmythische, germanische Wurzeln und erblickten in den Maskengestalten des Mittwinters „Wotans Heer“. Das wilde Treiben der Krampusse ließ sie übersehen, dass der Text der überlieferten Nikolausspiele, in dem die teuflischen Heerscharen auftreten, theologische Wurzeln hat. Beim berühmten Mitterndorfer Nikolausspiel war wohl das Benediktinerkloster Admont (Steiermark) federführend.  

Im 20. Jahrhundert brachte die Folklorewelle, die mit dem Tourismus einherging, neue Krampusbräuche. Krampusperchten entwickeln sich zu monströsen Gestalten. Allein in Salzburg bestehen an die 200 Gruppen, in ganz Österreich sollen es 500 sein. Ihre Selbsteinschätzung der "Perchten" reicht von Traditionspflege bis Eventkultur. Oft sind die Mitglieder identisch mit dem Sportverein, andere gehen mit Bühnenshows auf Tournee und treten in Diskotheken auf. In kaum einem Fremdenverkehrsort fehlt der "Krampuslauf" oder "Perchtenlauf". Die männlichen Teilnehmer „tragen Kostüme aus Schaffellen und Ledergürtel mit einer großen Kuhglocke oder mehreren kleinen Schafglocken. Die großen, oft kostbaren Holzmasken zeigen teuflische oder animalische Züge. Heute gleichen sich die (Kautschuk-)Masken vielfach medialen Vorbildern aus der Szenerie der ‚Außerirdischen‘ oder ‚Aliens‘ an. Mit Ketten und Peitschen bewaffnet, rasseln die Perchten und schlagen wild um sich, sie sind eine grölende, drohende Masse, die plötzlich auftaucht, durch die Gassen rast und ebenso schnell wieder verschwindet.“ (Ulrike Kammerhofer-Aggermann)

Indessen berichteten Tageszeitungen regelmäßig von Besuchen der Krampusperchten in Wien. Die Gruppen ziehen ihre Shows in Einkaufsstraßen und Shoppingcenters ab. Obwohl es sich großteils um Innovationen wie "Grasbergteufelin" oder Feuerschlucker handelt, fehlt selten der Hinweis, dies geschehe, um "böse Geister" und "Dämonen" auszutreiben.Jedes Jahr gibt es Verletzte bei Krampusumzügen. Großes Medienecho fand 2017 ein Umzug in Kärnten, nach dem zehn Personen mit Verletzungen in das Spital eingeliefert werden mussten.

2015 hat auch Hollywood den Krampus entdeckt. Regisseur Michael Dougherty inszenierte den gleichnamen Horrorfilm. Weil man in den USA den europäischen Nikolausbrauch nicht kennt, wird der Krampus zum "garstigen Hüter des Weihnachtsfestes", begleitet von schrillen Horrorfiguren. Die Handlung entspricht gängigen amerikanischen Weihnachtsfilmen. Die österreichische Schauspielerin Christa Stadler brilliert in der Rolle der Oma, die daheim noch den traditionellen Krampusbrauch gekannt hat.


Quellen:
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 48 f.
CD-ROM "Im Winter und zur Weihnachtszeit". (Hg. Lucia Luidold, Ulrike Kammerhofer-Aggermann) Salzburger Beiträge zur Volkskunde 13. Salzburg 2002

Bild: Traditionelle Zwetschenkrampusfiguren. Foto: Alfred Wolf