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Krampus#

Siehe auch: --> Krampusperchten

Krampus
Krampusfiguren, Foto: H.M. Wld, 2019

Der Krampus ist eine pelzige Teufelsgestalt, die den Kindern mit Kette, Rute und Butte droht. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert traten Nikolound Krampus als ungleiches Paar beim Einkehrbrauch am Vorabend des Heiligenfestes am 6. Dezember auf. Der Gabenbringer Nikolaus entlieh als Bischof seine Kleidung dem kirchlichen Fundus. Der Krampus trug ein Kostüm aus Fell oder Stoff und eine Maske mit Hörnern. Als „gefallener Engel“ hatte er oft Flügel und jedenfalls eine Kette als abschreckendes Exempel der ewigen Verdammnis der in der Hölle angeketteten Unbußfertigen. Die Rute verweist auf den Schulbrauch, wo sie als Erziehungsmittel eine Rolle spielte. Seine Bezeichnung verdankt er den Krallen. Doch gibt es, regional unterschiedlich, viele Namen für die Gestalt, wie Knecht Ruprecht, Beelzebub, Hans Muff, Rumpelklas, Klaubauf, Bartl, Gangerl, Leutfresser ...

In der Barockzeit entwickelten sich - in der Nähe von Klöstern, die im Sinne der Gegenreformation geistliche Schauspiele initiierten - die Nikolospiele zu Umzugsspielen. Beim Mitterndorfer Nikolospiel war z.B. das Benediktinerkloster Admont (Steiermark) federführend. Eine Gruppe von Burschen zieht durch den Ort und führt in den Höfen bzw. Gastwirtschaften ihr Stubenspiel auf. Dieses ist eine revueartige Aneinanderreihung katechetischer Szenen, z.B. eine Art Jedermannspiel. Engel und Teufel streiten um die Seele eines Sterbenden. Das ungestüme Treiben der teuflischen Heerscharen erschreckte Kinder und junge Mägde. Vom 18. Jahrhundert an wurden solche Spiele von kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten verboten. Man hielt sie für unzeitgemäß und sah in ihnen Anlass für ungehörige Späße, Streitigkeiten und Unmoral. Die Schriftsteller der Aufklärung nannten sie „heidnisch und eines wahren Christenmenschen unwürdig“. Ein Jahrhundert später war für die nationalen Romantiker gerade das vermutet „Heidnische“ von Interesse. Sie (er-) fanden überall naturmythische, germanische Wurzeln und erblickten in den Maskengestalten des Mittwinters „Wotans Heer“ und die Wilde Jagd.

Als eines der letzten Volksschauspiele der Steiermark wird das Öblarner Krampusspiel alljährlich Anfang Dezember von Laien als Stubenspiel (mit 10 bis 12 Darstellern) und öffentlich auf dem Marktplatz (mit 50 Darstellern) von Laien aufgeführt. Das Spiel wurde mündlich überliefert und erst 1989 im Rahmen von Feldforschungen des Landschaftsmuseums Schloss Trautenfels aufgezeichnet. Voran gehen die „Schab“ – in Stroh gehüllte Figuren, die mit Peitschen einen 6er- oder 8er-Takt schnalzen –, danach Jäger, die in die Stuben treten, um die Spielerlaubnis einzuholen sowie der Oberteufel Luzifer mit seinen Gesellen, der Schmied, die Habergoas und der Tod. Die Lichtfigur des heiligen Nikolaus wendet das Spiel zum Guten und belohnt die Kinder. Innerhalb der DarstellerInnen und Spielfiguren besteht eine Hierarchie der Generationen‚ junge MitspielerInnen müssen sich ausgehend von Figuren wie dem „Luziferhalter“ im Laufe der Zeit hinaufarbeiten. Seit 2014 steht der Brauch auf der UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes.

Das 20. Jahrhundert brachte die Krampusperchten als neuen Brauch, der sich als "uralt" ausgibt. 2015 hat Hollywood den Krampus entdeckt. Regisseur Michael Dougherty inszenierte den gleichnamen Horrorfilm. Weil man in den USA den europäischen Nikolausbrauch nicht kennt, wird der Krampus zum "garstigen Hüter des Weihnachtsfestes", begleitet von schrillen Horrorfiguren. Die Handlung entspricht gängigen amerikanischen Weihnachtsfilmen. Die österreichische Schauspielerin Christa Stadler brilliert in der Rolle der Oma, die daheim noch den traditionellen Krampusbrauch gekannt hat. Krampusse und Salzburger Perchten stehen 2018 im Mittelpunkt des international preisgekrönten Films „Gruß vom Krampus“ der Salzburger Regisseurin Gabriele Neudecker. Sie meint: „Gerade die junge Generation belebt heute die wilden Geister rund um Krampus, Percht, Hex- und Habergoaß wieder. … Darin steckt sehr viel, was die Menschen motiviert und begeistert: Maskieren, Verkleiden, sich körperlich verausgaben. Man schlüpft in andere und stärkere Rollen, beschwört die Natur und eine metaphysische Das 20. Jahrhundert brachte die Ordnung der Dinge“.


Quellen:
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 48 f.
CD-ROM "Im Winter und zur Weihnachtszeit". (Hg. Lucia Luidold, Ulrike Kammerhofer-Aggermann) Salzburger Beiträge zur Volkskunde 13. Salzburg 2002
Bad Mitterndorfer Nikolospiel
"Gruß vom Krampus", publiziert 8.11.2018
UNESCO-Liste

Bild: Traditionelle Zwetschenkrampusfiguren. Foto: Alfred Wolf


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