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Leopold, hl.#

Gotisches Tafelbild des hl. Leopold, Stiftsmuseum Klosterneuburg. Foto: Doris Wolf, 2015

Leopold III. (um 1075 - 1136), der Sohn des Babenberger-Markgrafen Leopold II., regierte 1095-1136 als Markgraf und heiratete 1106, in zweiter Ehe Agnes (+ 1143), die Tochter Kaiser Heinrich IV. und Witwe des Herzogs Friedrich I. von Schwaben (+ 1105). Unter ihren zahlreichen Kindern waren Heinrich II. Jasomirgott (1107-1177, Markgraf, Herzog), Otto von Freising (um 1112 -1158, Bischof) Konrad II. (um 1115 -1168, Erzbischof von Salzburg). Leopold und Agnes gründeten 1114 in Klosterneuburg ein Säkular-Kanonikerstift, 1126 wurde ihr Sohn Otto Propst des Stiftes. 1133 zogen die regulierten Augustiner-Chorherren in Klosterneuburg ein. Leopold III. gilt als "der" Klostergründer. Wirklich auf ihn zurück geht aber nur Klosterneuburg. Das Zisterzienserstift Heiligenkreuz richtete er auf den Rat seines Sohnes Otto ein.

Die bekannteste Legende ist die (1371 aufgeschriebene) vom Schleier: Leopold findet auf der Jagd den vom Wind verwehten Schleier der Agnes in einem Holunderstrauch, über dem die Madonna erscheint. An dieser Stelle lässt er die Stiftskirche Klosterneuburg errichten.

Am Kult des hl. Leopold waren vor allem die Klosterneuburger Chorherren interessiert. Sie schrieben eine Generation nach seinem Tod eine Chronik und begannen mit der Ausspeisung armer Leute an seinem Todestag. 1323 gab es ein Verzeichnis mit Gebetserhörungen an seinem Grab, 1326 eine päpstliche Ablassurkunde, was auf häufige Wallfahrten schließen lässt. Schon Herzog Rudolf IV. („der Stifter“, + 1365) betrieb die Heiligsprechung, doch erst 1485 kam das mehrmals unterbrochene Verfahren in Rom zum Abschluss. Durch Förderung und Wallfahrten des Kaiserhauses erfuhr der Leopoldskult im 17. und 18. Jahrhundert großen Aufschwung. Seit 1663 ist Leopold III. Österreichischer Landespatron, sowie Patron der Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich und Wien. Das Heiligengedächtnis wird am 15. November (Todestag) begangen. „Leopold, Markgraf von Österreich“ ist ein nicht gebotener Gedenktag im Regionalkalender, in der Erzdiözese Wien ein Hochfest.

Darstellungen zeigen Leopold in fürstlicher Kleidung mit Markgrafenhut und Hermelinzier, als Stifter mit einem (oder zwei) Klostermodellen.

In Klosterneuburg begeht man „Leopoldi“ mit verschiedenen Bräuchen. Am Landesfeiertag gibt es kirchliche und weltliche Veranstaltungen, wie Wallfahrten und Kirtag. Der Leopolditag ist schulfrei, man hält einen Jahrmarkt mit vielen Attraktionen ab. Zu diesen zählt das Fasselrutschen: Man besteigt das 1704 erbaute, fast vier Meter hohe Tausendeimerfass des Stiftes über Holzstufen und verläßt es über eine Rutsche. Der Ursprung des Brauches liegt wohl darin, dass die Bauern ihre Abgabe an Wein in das Fass der geistlichen Grundherrschaft schütten mussten. Seit 1809 ist es leer und befindet sich seit 1834 im Binderstadel. Mit dem Fasselrutschen ist die Vorstellung verbunden, dass ein dabei gedachter Wunsch in Erfüllung geht.


Quellen:
Alle heiligen Zeiten. Lieder und Texte im Jahreskreis. Atzenbrugg 2010. S. 222f.
Aussstellungskatalog 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Lilienfeld 1976
Bautz: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Herzberg 1992. Bd. IV/Sp. 1507-1510 (ISBN 3-88309-038-7)
Karl Brunner: Leopold, der Heilige. Ein Portrait aus dem Frühling des Mittelalters. Wien, Köln, Weimar 2009
Hiltgart L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Stuttgart 1970. S. 333
Otto Wimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen (Bearb. Josef Gelmi). Innsbruck 1988. S. 516f.

Bild:
Gotisches Tafelbild des hl. Leopold, Stiftsmuseum Klosterneuburg. Foto: Doris Wolf, 2015


Siehe auch:

-->Leopold
-->Stift Klosterneuburg, Symbole