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Pecher#

Föhre. Foto: Alfred Wolf

Im südöstlichen Niederösterreich nutzten die Pecher (Pechhacker) das Harz der Schwarzföhren (Schwarzkiefer oder Schirmföhre, Pinus nigra subspezies nigra var. austriaca) entlang der Thermenlinie und im Wiener Becken. Der Bestand umfasst dort mehr als 30.000 ha und stammt größtenteils aus Aufforstungen. Im Steinfeld sind die im 18. Jahrhundert angelegten Föhrenwälder landschaftsprägend. Die Pecherei ist seit dem Mittelalter direkt oder indirekt belegt, beispielsweise über Flurnamen, und erfuhr ab dem 18. Jahrhundert eine spezielle Förderung. Der Handel mit Harzprodukten setzte im Sinn des Merkantilismus ein. Das Harz diente zur Herstellung von Terpentinöl oder Kolophonium. Zum Niedergang der Pecherei führten seit den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts - als noch 7.000 Familien von dem Beruf lebten - die Konkurrenz durch Billigimporte und kostengünstigere Produkte aus Mineralöl.

2011 gab es in Österreich acht Pecher. Damals wurde die Pecherei in die nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Im Antrag dazu heißt es: Das Pechergewerbe hat über Jahrhunderte die Landschaft, Wirtschaft und Kultur der Region des südöstlichen Niederösterreichs nachhaltig geprägt. Einst bildete es die Lebensgrundlage tausender dort ansässiger Familien. Seit ihrer Gründung nimmt auch die Arbeitsgemeinschaft Niederösterreichische Pechstraße, eine Interessensgemeinschaft aller an der Erhaltung der Pecherei interessierten Personen und Institutionen, eine wichtige Rolle für die Bewahrung des Elements ein. … Im Laufe der Zeit entstanden vielfältige mit der Pecherei in Zusammenhang stehende Traditionen wie zum Beispiel die Abhaltung von Dankmessen für den Patron der Pecher, den heiligen Vinzenz (22. Jänner), Lieder über die Pecherei oder Brauchtumsveranstaltungen wie Pecherfeste und Pecherkirtage. Teilweise werden diese Traditionen auch heute noch gepflegt. In letzter Zeit bemüht man sich verstärkt um eine Hebung der Wertschätzung und des Interesses der Bevölkerung für das jahrhundertealte Pechereigewerbe. … Heute gibt es nur noch acht Pecher in Österreich und einen einzigen verarbeitenden Betrieb. Dieser soll 2017 noch einmal durch den Sohn des aktuellen Besitzers übernommen werden.

Pechbauern bearbeiteten eigene Bäume, Pachtpecher gingen in fremden Wäldern dem Beruf nach. Die Saisonarbeit begann im April und dauerte bis September. Die Bäume wurden mit speziellen Hacken eingehauen. Aus der Wunde rann das Harz durch Leitspäne (Scharten) langsam in einen Becher (Grandl). Nach vier bis fünf Wochen war ein Kilo Harz geflossen. Bei der "Ernte" entleerte der Pecher die kleineren Gefäße in Butten und Fässer, die er in die Pechsiederei brachte. Um einigermaßen leben zu können, musste ein Pecher 2.500 bis 3.000 Bäume bearbeiten, manche brachten es auf 5.000. Der Pecher war mit einer Leiter unterwegs, um den Becher in immer größerer Höhe anzubringen. Schurz und Schulterschutz zählten zu seiner Arbeitskleidung. Leopold Schmidt berichtet noch im 20. Jahrhundert von traditionellen Pecher-Kirtagen, bei denen Berufslieder, vierzeilige Standeslieder, gesungen wurden. Ein Festmahl, der Pechhahn, krönte das Arbeitsjahr.


Quellen:
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1972. Bd. 1/257 f., Bd. 2/S. 501
Information Stadtmuseum Vöslau, 2008.
Föhre
UNESCO

Bild: Schwarzföhre. Foto: Alfred Wolf


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