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Schnecke#

Schnecke

Schnecken (Gastropoda) bilden die artenreichste Tierklasse der Mollusken. Ihre Größe variiert von unter 1 mm bis zu 50 Zentimeter. Die Schnecke besitzt häufig eine spiralförmig gewundene Schale (Schneckenhaus), in die sie sich bei Gefahr zurückzieht. Schneckenhäuser wurden seit der Antike als Amulette verwendet. Den Weichtieren wurden medizinische und magische Wirkung zugesprochen. Schwarze Schnecken sah man als heilkräftig und verwendete Salben aus roten als Haarfärbemittel  

In Bräuchen spielten Schnecken eine Rolle, indem man sie regional am Aschermittwoch aß. Im Schneckensammelgebiet von Pottendorf (Niederösterreich) zogen am fünften Fastensonntag die Ortsburschen in weißer Fleischhauerkleidung eine große Schneckenfigur durch den Ort, hängten sie an einen Baum und zerschlugen sie mit einem Fleischerbeil. Dabei wurden die Zuschauer mit "Blut" bespritzt. Klappernde Schneckenschalen schmückten das Kostüm des "wilden Mannes". Aus dem Verhalten der Schnecken schloss man auf den Winter. 

In Redensarten erscheinen sie als Sinnbild der Langsamkeit: Schneckenpost, Schneckengang. Jemand moralisch vernichten nannte man "Zur Schnecke machen". "Sich ins Schneckenhaus zurückziehen" wurde schon von Goethe verwendet.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 713
Arthur Haberlandt: Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs. Wien 1953. Bd. 2/S. 99
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1936/1987. Bd. 7/Sp. 1114 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 3/S. 1381 f.

Bild: Schneckenhausförmige Treppe, Stift Melk (Niederösterreich). Foto: Alfred Wolf, 2000