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Die Krippe in der Weihnachtszeit#

Private Weihnachtskrippe

Niemand weiß, wann Jesus geboren wurde, und doch ist sein Geburtstag der am meisten gefeierte. Die ersten Christen begingen außer Sonntag und Ostern keine Feste, schon gar keine Geburtstage, die sie als heidnisch ablehnten. Dies änderte sich nach der Anerkennung ihrer Religion im 4. Jahrhundert. (Toleranzedikt Kaiser Konstantins, 313, Christentum als Staatsreligion durch Kaiser Theodosius, 380) Die erste Nachricht von einer Feier in der römischen Stadtliturgie am 25. Dezember weist in das Jahr 336.

Einige Sätze in der Bibel …
Die Evangelien nach Matthäus und Lukas berichten von der Geburt Jesu. (Markus und Johannes beginnen mit der Taufe Jesu). Die Krippe wird nur kurz erwähnt. "Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe… " (Lk. 2,7), "Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt", (Lk 2,1-14) lässt der Evangelist Lukas den Engel des Herrn zu den Hirten sagen. Diese "… fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag." (Lk 2,16)

Populäre Lieder, Darstellungen und Bräuche sind "ergänzende Übermalungen" oder "anschauliche, theatralische Katechese" dieser Überlieferung. Im Mittelalter fanden liturgische Spiele in den Kirchen statt, die das Leben Jesu von seiner Geburt bis zu Tod und Auferstehung darstellten. Die Szenen der Weihnachtsgeschichte in lateinischer Sprache nach dem Modell des Osterspiels wird im 12. Jahrhundert in Rouen (Frankreich) fassbar: "Wen sucht ihr in der Krippe, ihr Hirten? Sprecht!" - "Den Heiland, Christus den Herrn, das in Windeln gewickelte Kind, wie es der Engel verkündet hat." - "Es ist hier, das kleine Kind mit Maria, seiner Mutter." Eines der ältesten Weihnachtsspiele ist das um 1225 in der Handschrift Carmina Burana überliefert. Ethnologen charakterisieren die Weihnachtskrippe als "gefrorenes" oder "erstarrtes" Theater.

… und ihre Interpretation
Darstellungen des Weihnachtsgeschehens finden sich in der frühchristlichen Sepulkralkultur der Katakomben. Dort sind auch bereits Ochs und Esel zu sehen. Diese beziehen sich auf einen Bibelvers beim Propheten Jesaja, der um 740 v. Chr. die Untreue des Volkes kritisierte: "Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn". (Jes 1,3) Der Kirchenvater Ambrosius (339-397) deutete den Ochsen als Sinnbild des jüdischen Volkes, das unter dem Joch des Gesetzes stehe und den Esel als Symbol der Heiden. Die christliche Kirche sollte für Juden und Heiden offen sein.

Als Erfinder der Weihnachtskrippe gilt Franz von Assisi. (1181-1226). Doch schon zwei Generationen vor ihm pflegte man das "Kindelwiegen" als ältesten liturgischen Weihnachtsbrauch. Das erste Zeugnis einer Kindelwiegenfeier findet sich 1162 in einer Schrift des Propstes des oberösterreichischen Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg. Nach der Schilderung des Gerhoh von Reichersberg war der Aufführungsort eine Klosterkirche, die Akteure Mönche oder Kleriker. Die Feier bestand in einer Reihe von Gesängen - aus dem Stundengebet und liturgisch nicht festgelegte Cantionen -, die durch einzelne Aktionen dramatisch angereichert wurden. Trotz der Kritiker, deren erster der selige Gerhoh war, überdauerte der Brauch viele Jahrhunderte. 2012, genau 850 Jahre nach der ersten Erwähnung, revitalisierte Eberhard Kummer - bekannt als Pionier des Drehleierspiels und der Interpretation mittelalterlicher Epen - den Kindelwiegenbrauch. Seither gibt es ihn alljährlich wieder in St. Gertrud in Klosterneuburg, einer kleinen, romanischen Kirche des Stiftes und einigen anderen Pfarren.

Die Krippe von Greccio
Der heilige Franziskus übertrug die üblichen liturgischen Spiele als Predigtkulisse in die Natur. 1223 inszenierte er ein Krippenspiel im Wald von Greccio (Italien). Dazu bestellte er bei einem Bauern eine mit Stroh gefüllte Futterkrippe, Ochs und Esel. Maria, Josef und das Jesuskind waren nicht dabei. Franziskus soll so mitreißend gepredigt haben, dass die Gläubigen in ihrer Vorstellung sahen, wie er das Kind aus der Krippe an sich nahm. Die Schilderung verfasste der Biograph Thomas von Celano (1190-1260), ein Zeitgenosse des Heiligen ("Vita prima", 1228). Die berühmten Giotto-Fresken in der Doppelbasilika San Francesco in Assisi sind einige Generationen jünger (um 1290). Der Künstler verlegte das "Krippenwunder" in die Kirche. Der Heilige kniet vor dem Kind, das er aus der Krippe hebt. Ochs und Esel liegen wie kleine Hunde daneben.

Katechese für alle Sinne
Der gesamteuropäische Siegeszug der Krippe begann Mitte des 16. Jahrhunderts. Vieles, das in das Kapitel "Volksfrömmigkeit" eingereiht wird, haben kirchliche Amtsträger erfunden. Besonders erfolgreich waren die Angehörigen des Jesuitenordens. Sie entwickelten nach der Reformation eine Katechese für alle Sinne und setzten Kirchenkrippen, Krippenspiele und -lieder erfolgreich als volksmissionarische Mittel ein. Die ersten Kirchenkrippen standen 1560 in Coimbra, (Portugal), 1562 in Prag und Mainz. Dort berichtete ein Pater: "… mit der Stätte selbst, dem Christuskind, der Heiligen Jungfrau, Engeln, Joseph und den Hirten. Etwas Derartiges … ist in dieser Stadt nicht bekannt gewesen. … füllt eine so große Menschenmenge vier Tage lang die ganze Kirche, dass man wahrlich sagen könnte, die ganze Stadt sei zusammen geströmt." 1568 folgten Köln, 1607 München und Tirol. Bald hatten führende Adelsfamilien ihre Privatkrippen, wie 1567 der Herzog von Amalfi mit 167 Figuren. In Neapel erfuhr die Krippenkunst Förderung durch den König, der 1750 eine Riesenkrippe besaß. Johann Wolfgang von Goethe zeigte sich 1787 von den neapolitanischen Krippen beeindruckt.

Thema mit Variationen
1622 kam übernahm das Jesuitenkolleg Passau das ehemalige Benediktinerinnenkloster in Traunkirchen (Oberösterreich) und brachte eine Weihnachtskrippe mit. Im Privaten entwickelte sich das Kripperlschauen im Salzkammergut. Dafür werden ganze Zimmer ausgeräumt, und mit Material aus der Natur eine Landschaft aufgebaut. "Mannderl" aus Lehm oder geschnitztem Holz bilden regionalspezifische Figurengruppen, wie Eltern mit Kindern ("Vater, lass mi a mitgehn", "Muatta, lass mi a mitgehn"), "Urberl mit der Leinwand", der Windeln für das Wickelkind bringt, oder "Huss Malaque", der Hirt mit seinem Hund, der die Schafe vor dem Wolf warnt.

Der Phantasie der Krippenkünstler waren keine Grenzen gesetzt. Die Figuren waren aus Holz geschnitzt, aus Wachs gefertigt und oft mit wertvollen Stoffen bekleidet. Die Kernszene wurde erweitert: Hirten mit Schafen und viele andere Personen, Landschaften, Wasserläufe und Gebäude kamen dazu, besonders prächtig wirkten die Heiligen Drei Könige mit ihrem Gefolge und exotischen Tieren. Wechselkrippen umfassten die Feste im Jahreskreis, bis hin zu Fastenkrippen. Die Szenerie gestaltete man meist orientalisch oder alpenländisch. Eine Sonderform waren Ende des 18. Jahrhunderts in Bayern und Westösterreich Bretterkrippen. Es handelt sich um große, auf Holztafeln gemalte Figuren und Figurengruppen mit ausgeschnittenen Konturen. Durch künstlerische Beherrschung der Perspektive erzielte die barocke Illusionskunst dreidimensionale Effekte. Etliche Bretterkrippen sind in Franziskanerklöstern in Tirol anzutreffen, wobei jene in Hall und Reutte (beide vom Kunstmaler Franz Hueber 1738 angefertigt) die ältesten sein dürften. Die einzige Weihnachts-Bretterkrippe Wiens befindet sich in der "Schubertkirche" Lichtental, Wien 9. 1745 angeschafft, besteht sie aus der "Anbetung der Hirten", "Beschneidung" und "Anbetung der Könige". Das Kunstwerk galt als verschollen und wurde anlässlich einer Ausstellung zum Schubertjahr 1978 von Museumsleiter Alfred Wolf entdeckt. Seither wird die, 2007 renovierte, Lichtentaler Bretterkrippe in der Weihnachtszeit wieder aufgestellt.

Die Krippe ließ sich nicht verbieten
Der Welle gegenreformatorischer Begeisterung folgte nach zwei Jahrhunderten die Ernüchterung. Bereits Maria Theresia begann 1752 mit "Reformen in Religionssachen". Ihr Mitregent und Nachfolger Joseph II. verbot 1777 Volksschauspiele wie Krippen- und Dreikönigsspiele. Der 5. Reform-Hirtenbrief des Salzburger Erzbischofs Hieronymus Graf Colloredo bildete 1782 einen Höhepunkt des aufgeklärten Absolutismus. Die Argumentation der unpopulären Maßnahmen war nicht einfach, weil adelige Konsistorialherren vieles nun Verpönte gestiftet hatten. "Sinnliche Darstellungen gewisser Religionsbegebenheiten waren nur in einem solchen Zeitraume nützlich oder gar nothwendig, in welchem ... das Volk noch auf einer so niedrigen Stufe der Cultur und der Aufklärung stand, daß man leichter durch Versinnlichung der Gegenstände als durch mündlichen Unterricht und Belehrung auf den Verstand wirken und dem Gedächtnisse nachhelfen konnte. Zu diesen sinnlichen Darstellungen gehören die sogenannten Krippen", formulierte die bayerische Regierung 1803. Nun aber sei die religiöse Aufklärung so weit fortgeschritten, dass es "solcher Vehikel" nicht mehr bedürfe, Beamte und Pfarrer sollten die Aufstellung nicht mehr gestatten.

Andererseits entstand eine neue, private Festkultur, zu der idyllische Krippen, Christbaum und das Christkind als Gabenbringer perfekt passten. Protestantische deutsche Bürgerfamilien, die zur Kongresszeit nach Wien kamen, und Adelige zählten zu den Innovatoren. Viel zitiert in diesem Zusammenhang ist die (evangelisch gebliebene) Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg (1797-1829), die Gattin des Habsburgers Erzherzog Karl (1771-1847), in dessen Stadtpalais 1816 einer der ersten Wiener Christbäume stand. Seinem Bruder, Erzherzog Johann, gefiel der neue Brauch nicht. 1823 schreb er in sein Tagebuch: "So verstimmte mich gleich die große Hitze durch die vielen Lichter. In früherer Zeit, als ich klein war, gab es ein Kripperl, welches beleuchtet war, dabei Zuckerwerk - sonst aber nichts. Nun ist kein Kripperl mehr! Wir sahen einen Graßbaum mit vielem Zuckerwerk und ein ganzes Zimmer voll Spielereien aller Art."

Krippenfiguren fand man am Wiener Christkindlmarkt. Darüber hieß es 1827: "Da schaut uns wieder das lächelnde Jesuskind mit seinen klugen, frommen Augen aus der Krippe an und streckt uns die kleinen Ärmchen entgegen. Joseph hält die Axt und Maria steht wachsam neben ihrem Liebling. Ochs und Esel beugen sich zu diesem hinab. Vorn ist ein stiller Weiher, auf dem die Schwäne hin und her ziehen. Im Hintergrund kommen die Hirten über die Berge, hell schwebt der Komet über dem Stalle und die hl. 3 Könige stehen draußen in prächtigen Gewändern und mit langen Bärten." Für die Kinder gab es Bilderbögen zum Ausschneiden und Anmalen. Auf Holzklötzchen oder Karton aufgeklebt, konnten die Figuren stehen und vor Kulissen angeordnet werden. Die Verleger populärer Druckgrafik boten reiche Auswahl. Matthäus Trentsensky brachte "Zur Geburt Christi" eine Papierkrippe mit 15 Bögen voll verschiedener Figuren heraus.

Heitere Krippenspiele
Die Marionettenbühnen der Barock- und Biedermeierzeit zeigten als "weihnachtlichen Ableger" Krippenspiele. 1802 staunte ein russischer Reisender: "Dieses Krippenspiel ist eine Art von geistlichem Marionettenspiel, wo man während der Adventszeit Szenen aus der biblischen Geschichte mit kleinen hölzernen Figuren darstellt. Ein Anschlagzettel, der uns in 29 Akten von der Erschaffung der Welt bis zu einer großen Schlittenfahrt das Wichtigste aus dem Alten und Neuen Testament, unter anderem auch eine neu verbesserte Sündflut versprach, wo es mit natürlichem Wasser regnen sollte, welches gewiß merkwürdig zu sehen wäre, lockte unsere Neugier. ... Jetzt rauschte es aber hinter der dünnen Wand; einzelne heulende Töne klangen hervor und nach langem Kampfe folgten endlich ein paar Takte von dem bekannten ,Ach du lieber Augustin'. …. Es ist nicht möglich, die Szenen so zu schildern, wie sie dargestellt wurden; allein ich kann dir versichern, dass wir durch die Maschinerien und die gut gearbeiteten Figuren, die fast immer anders gestikulierten, als sie sprachen … öfter zum Lachen gebracht wurden als vom Kasperle." Im selben Jahr reimte der als "Eipeldauer" bekannte Schriftsteller Joseph Richter: "… Man gibt dort Rendezvous im Stillen, denn wer geht um der Krippe willen ? Nur dort und da ein altes Weib sucht Andacht in dem Zeitvertreib…" In Wien bestanden Krippenspiele dieser Art bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Im 20. Jahrhundert wurden zwei Krippenspiele in pflegerischer Absicht reaktiviert und sind noch heute aktiv. Das Steyrer Kripperl im Innerberger Stadel in Steyr (Oberösterreich) und das Traismaurer Kripperl in Niederösterreich zählen zu den letzten Stabpuppentheatern im deutschsprachigen Raum. Das Krippenspiel im Traismaurer Museum betrieb ein Handschuhmacher vor zwei Jahrhunderten als Nebenerwerb. Auch andere Berufsgruppen verbesserten ihr Einkommen zur Weihnachtszeit. So sind von den Salzachschiffern in Oberndorf-Laufen, die im Winter ihrem Beruf nicht nachgehen konnten, Umzüge mit einer "Nähkastenkrippe" und Heischegänge mit einer Drehkrippe bekannt. Bergleute im Erzgebirge, im Osten Deutschlands, schnitzten Lichterpyramiden als Krippenvariation.

Neuere Entwicklungen
Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, zuerst in Tirol und Salzburg, Krippenbauvereine. 1950 konstituierte sich in Rom ein internationaler Verein der Krippenfreunde. In Wien findet seit 1959 die Krippenschau in der Krypta der Peterskirche statt. Der Dachverband der Krippenfreunde Österreichs hat mehr als 10.000 Mitglieder in ca.160 Orten.

In Deutschland gibt es Krippenwege (Köln 1996, Aachen 2000, Koblenz 2003), die dutzende Krippen an öffentlichen Plätzen, in Schaufenstern, Bahnhöfen usw. umfassen. Wiener Weihnachtsmärkte zeigen lebensgroße "Krippen für alle", manchmal handelt es sich um eine "lebende Krippe" mit Tieren. Im Grazer Landhaus baut man aus 20 Tonnen Wasser eine "Eiskrippe" auf. Daneben erfreuen sich in vielen Familien jene Krippen großer Beliebtheit, die man daheim Jahr für Jahr anders arrangiert und mit neuen Figuren ergänzt. Sie wecken Erinnerungen und bieten Besinnlichkeit im sonst oft hektischen Alltag.

Helga Maria Wolf