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Als der kaiserliche Hofbibliothekar Graz besuchte#

Hugo Blotius, Hofbibliothekar Kaiser Maximilians II., besuchte 1571 Graz und zeichnete den Lastenseilzug auf den Schloßberg - den „Eselstrieb“.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Die Handskizze der Grazer Festung am Schloßberg von Hugo Blotius (1571) zeigt mit 5 parallelen Linien den alten Seilzug (KK)
Die Handskizze der Grazer Festung am Schloßberg von Hugo Blotius (1571) zeigt mit 5 parallelen Linien den alten Seilzug (KK)

In seinem soeben erschienenen Buch „Zu Gast in Graz“ (Strahalm Verlag, Euro 19,98) stellt der Grazer Autor Karlpeter Elis 47 Persönlichkeiten quer durch die Geschichte von Ulrich von Liechtenstein über Napoleon Bonaparte und den englischen Seehelden Horatio Nelson bis Josip Broz Tito vor, die Graz kurz oder lang besucht haben.

Darunter war auch der Hofbibliothekar von Kaiser Maximilian II., der holländische Jurist Hugo Blotius (eigentlich Hugo de Bloot), der bald nach der Hochzeitsfeier Erzherzog Karls II. mit Maria von Bayern im Oktober 1571 in die steirische Hauptstadt kam. Blotius war auf der Durchreise von Wien über Neustadt, das Mürztal und Bruck nach Graz, wo er Station machte, bevor er nach nach Venedig und Padua weiterreiste. In seinem lateinisch verfassten Reisetagebuch schrieb er: „Graez oder Graecium ist eine Stadt mittlerer Größe, sattsam befestigt und erzherzoglicher Sitz, welche Erzherzog Karl in dieser Zeit vorzüglich teils befestigte, teils auch widerstandsfähig gestaltete. Von Norden erhebt sich steil der Schloßberg von allen Seiten reich mit Bergen umgeben, besonders durch die Abhänge zur Festung bestimmt. … Das ganze Joch dieses Berges nimmt die Burg ein, von Natur und Menschenhand stark befestigt, sowohl prächtig als angenehm zu sehen. Eine Doppelmauer und große Befestigungswerke schützen den größten Teil derselben.

Auf dem Gipfel des Berges selbst ragt sehr hoch und herrlich eine Burg über die Mauern, die schön bemalt und ausgestattet sind, innen sind vier bis fünf Militärkasernen, deren einige, eben gelegen, zur Aufbewahrung von Kriegsvorräten und genügenden Verteidigung des Waffenplatzes dienen. Gegen die Nordseite des Schloßberges liegt ein mit Weinreben bepflanzter Garten, genug groß, um Hirschen und anderen Tieren, so auch Rindern zu dienen. Waldungen hat er keine außer einem Eichenhain, der mit einem Teil gegen den Fluß zu sich erstreckt. So sind gegen Sonnenaufgang Gärten, gegen Mittag die Stadt und gegen Sonnenuntergang der Murfluß gelegen, gegen Norden der Weingarten; an den Seiten des Schloßberges ragen Klippen und Felsen, die schon ehevor standen."

Der kaiserliche Hofbibliothekar Hugo Blotius (1533-1608) (KK)
Der kaiserliche Hofbibliothekar Hugo Blotius (1533-1608) (KK)

Den damals schon vorhandenen Lastenseilzug auf den Schloßberg erwähnte Blotius nicht nur, sondern verfertigte dazu auch die einzige erhaltene Zeichnung, die er mit "Hac subtrahuntur onera" beschrieb, was „Hier werden Lasten befördert“ bedeutet - siehe große Abbildung. Dieser frühe „Lift“ hatte in kleinen Wagen Steine und Ziegel für den Festungsumbau hinauf befördert und war durch einen Göpel (Kraftmaschine) angetrieben worden, der von Eseln oder Pferden im Kreis bewegt wurde. Daher auch seine Bezeichnung als „Eselstrieb“. Die „Talstation“ dieser frühen Seilbahn befand sich in der heute noch sichtbaren Baulücke zwischen den Häusern Kaiser-Franz-Josefs-Kai 50 und 52. Auf der Rohrfederzeichnung von Blotius sieht man übrigens den Palas bereits ohne Dach, sieben Jahre später wurde er gänzlich abgebrochen bzw. umgebaut. Blotius berichtet weiter: „Die Stadt selbst hat vier Thore und eine große Vorstadt (Suburbium) gegen Westen. An der nördlichen Mauer der Stadt steht der Palast des Herzogs mit einem großen Platze, zusammenhängenden Gärten, einer Reitschule usw. Palast und Stadt versuchte der Fürst befestigter und geschlossener zu erbauen. Gegen den Fluß zu aber sind die Mauerbefestigungen schwach. Die Stadt selbst besitzt Stärke und Befestigungswerke. Ihre Gestalt ist ähnlich der von Wien, mit eingestürzten und wieder ausgebesserten Mauern. Straßen aber hat sie wenige, aber dafür breite, ebenso einen geräumigen Marktplatz. Sie liegt in einer großen Ebene, aber in unfruchtbarer Laghe.“



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele