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Wie der Schloßberg verkauft wurde#

Napoleon ließ die Festung auf dem Schloßberg zerstören, dann kauften die Landstände die Ruinen samt Berg, teilten ihn in Parzellen und verkauften sie.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Starckehäuschen: Advokat Hödl ließ 1820 anstelle des zerstörten Pulverturms ein Winzerhäuschen im neugotischen Stil errichten KK
Starckehäuschen: Advokat Hödl ließ 1820 anstelle des zerstörten Pulverturms ein Winzerhäuschen im neugotischen Stil errichten, unter PD
Der Glockenturm 'Liesl' blieb den Grazern erhalten
Der Glockenturm "Liesl" blieb den Grazern erhalten
Foto: ENGELE
1809 beschießen Napoleons Truppen die Schloßbergfestung
1809 beschießen Napoleons Truppen die Schloßbergfestung, unter PD

Die Burg auf dem Grazer Schloßberg wurde Zug um Zug seit dem 12. Jahrhundert ausgebaut und war eine der mächtigsten Festungsanlagen im Habsburgerreich. Sie wurde nur einmal ernsthaft belagert - vom 13. bis zum 20. Juni 1809 von den französischen Truppen Napoleons. Eingenommen wurde sie nie, auch Napoleons Soldaten holten sich blutige Köpfe, da Major Hackher und seine 900 Mann Besatzung alle Angriffe abwehrten. Die Franzosen zogen bereits nach einer Woche aus Graz wieder ab, weil sich ein österreichisches Korps unter den Generälen Gyulai, Zach und Splény von Süden näherte und die Kämpfe nun in den Vororten der Landeshauptstadt weitergingen. Heftige Gefechte um Rosenberg und Ruckerlberg, den Graben und St. Leonhard entbrannten. Hier erinnert noch die Bezeichnung „Schanzelwirt“ an die Schanzen der Franzosen, von denen aus ihre Artillerie feuerte. Die österrreichischen Truppen zogen nach heftigen Kämpfen - sehr zur Enttäuschung der Bevölkerung - unter schweren Verlusten nach Gleisdorf, Fernitz und Gnas ab. Eine Verfolgung durch die Franzosen wurde nur verhindert, weil sie zur Verstärkung von Napoleons Hauptarmee dringend an die Donau beordert wurden. Am 5. und 6. Juli 1809 fand dort die Schlacht bei Wagram statt, die zahlenmäßig unterlegenen Österreicher unter Erzherzog Karl wurden geschlagen, ein Waffenstillstand wurde in Znaim geschlossen. In der Folge musste die Schloßbergfestung durch Major Hackher geräumt werden und es kam noch ärger. Im Frieden von Schönbrunn kam es im Oktober 1809 nicht nur zu großen Gebietsverlusten für, sondern auf den persönlichen Wunsch Napoleons sollte auch die unbezwungene Schloßbergfestung geschliffen werden. Mit der Minenlegung waren 300 Mann beschäftigt, berichten Werner Strahalm und Peter Laukhardt in ihrer Stadtgeschichte von Graz.

Am 11. November musste die Burg geräumt sein, am 16. begannen die Sprengungen, die bis Ende Dezember dauerten. Als der Uhrturm und der Glockenturm Liesl an der Reihe waren, gelang es einer Abordnung unter Bürgermeister Franz Wiesenauer und dem Vorstand des Grazer bürgerlichen Handelsstandes, Wilhelm Klein, vom französischen Stadtkommandanten Marschall Macdonald, Herzog von Tarent, gegen eine Zahlung von 2.978 Gulden und 41 Kreuzer, die zwei Wahrzeichen der Stadt zu retten. In der nachfolgenden Legendenbildung heißt es, dass nur durch die große Opferbereitschaft der Bürgerschaft diese riesige Summe aufgebracht werden konnte, in Wirklichkeit stellte sie aber nur den Gegenwert eines kleinen steirischen Bauernhofes dar, berichtet der Historiker Bernhard Reismann in „Schicksalstage der Steiermark“. Ohne Zahlung hingegen wurde die Thomaskapelle neben der „Liesl“ geschont, weil die Mineure sie für einen alten römischen Tempel hielten. Nur ihr Kupferdach und die Inneneinrichtung wurden demoliert. Aber ohne Dach war das Bauwerk dem Verfall preisgegeben und wurde bereits ein Jahr später von der Grazer Behörde abgetragen. Nach Ende ihrer Arbeit verließ die Sprengmannschaft den Berg und zog mit der französischen Besatzung am 4. Jänner 1810 aus Graz ab. Österreichische Soldaten räumten den von Trümmern übersäten Schloßberg notdürftig auf, das Baumaterial wurde gleich für den Neubau der Dominikanerkaserne verwendet. Am 10. Juli 1818 kauften die steirischen Landstände für 10.000 Gulden den gesamten Schloßberg, teilten ihn in kleinere Parzellen und verkauften diese 1820 weiter an „verdiente“ Private. Darunter der Rechtsanwalt Konstantin Bonaventura Hödl und seine Frau Karoline. Sie räumten den Bauschutt weg, legten unterhalb der Fernberger-Bastei Terrassen an, auf denen sie Tausende Weinstöcke anpflanzten. Auf den Resten des 1809 zerstörten Pulverturms ließ sich Hödl ein „Winzerhaus“ mit einem gotischen Krabbenturm bauen - das spätere „Starckehäuschen“, sogar zwei Milchkühe hielt sich der Rechtsanwalt auf der Stallbastei, überdies ließ er den Türkenbrunnen wieder instandsetzen. Er pflanzte auch Mais, Weizen und Erdäpfel an ebenso wie viele Sträucher und Bäume - der Anfang der Begrünung des Schloßberges war getan. Doch Hödl hatte sich bei den Ausgaben übernommen, musste 1825 Konkurs anmelden, sein Besitz ging an seine Frau über und wurde 1839 an die Landstände verkauft. Der Weg zur Umgestaltung des Berges in einen Landschaftspark war frei.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele