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Energiewende auf dem Holzweg?#

Obwohl am Ausbau erneuerbarer Energien kein Weg vorbei führt, droht heimischen Holzkraftwerken das Aus.#


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 7. November 2017) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Andrea Möchel


Holz
Strom aus Holz gibt es auch in kalten, windstillen Winternächten, wenn der Energiebedarf besonders hoch ist.
© fotolia/Glaser

Wien. Als der Nationalrat im Sommer die lang geforderte Novelle zum Ökostromgesetz beschloss, war das nicht für alle Betreiber von Ökostromanlagen ein Freudentag. Während die staatlichen Fördermittel für Solaranlagen, Windparks und Biogaskraftwerke aufgestockt wurden, lief es für die Betreiber von Biomassekraftwerken weniger erfreulich. Obwohl die Verträge für die meisten Holzkraftwerke, in denen der Bund die hohen Strom-Abnahmepreise garantiert, zwischen 2018 und 2020 auslaufen, herrscht über die Gestaltung der Nachfolgetarife auch nach der Ökostromnovelle Ungewissheit.

Sind die heimischen Biomasse-Kraftwerke die Stiefkinder unter den Erneuerbaren Energien? Oder haben Sonne- und Windkraft einfach das bessere Lobbying? "Sie haben nicht das bessere Lobbying, nur weniger Gegner", glaubt Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich. "Dabei gibt es Jahreszeiten und Witterungen, wo Wasser, Wind und Sonne gleichzeitig ausfallen. Genau dann, im Winter, ist der Energiebedarf aber am höchsten."

Teurer Strom#

Aktuell werden etwa fünf Prozent des heimischen Stroms aus Holz produziert. Kommt es nicht rechtzeitig zu einem neuen Ökostromgesetz, das die 130 Holzkraftwerke - in der Mehrzahl werden sie von Landwirten betrieben - absichert, seien 6400 Arbeitsplätze in Gefahr. "Derzeit ist der Fortbestand der bestehenden Anlagen durch fehlende Rahmenbedingungen nicht gesichert", bestätigt Josef Plank, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes der "Wiener Zeitung". "Prinzipiell wurde den bestehenden Anlagen eine Vergütung für 20 Jahre zugesichert, nun hapert es vor allem am politischen Konsens." Angesprochen ist damit die SPÖ, die Biomassekraftwerke als zu teuer erachtet und den Strom aus Biomasse nicht mehr subventionieren will. Tatsächlich ist Strom aus Holz teurer als der aus Wind, Sonne und Wasser gewonnene. Holzkraftwerke hätten aber auch Vorteile, entgegnet Plank: "Soll die Energiewende ernsthaft angegangen werden, sind Holzheizkraftwerke eine der wenigen Möglichkeiten, bedarfsgerecht Strom zu produzieren. Das macht sie trotz der relativ hohen Tarife sehr wertvoll und günstig, da die Energie nicht teuer gespeichert werden muss und auch im Winter bei niedriger Stromproduktion aus Wasserkraft und Photovoltaik zur Verfügung steht."

Der Österreichische Biomasseverband hat nun die Kampagne "Strom aus Biomasse" gestartet. Ziel ist es, so schnell wie möglich eine Verlängerung der Verträge für Strom aus Holz zu erreichen. "Egal ob Tarif, Marktprämie oder ein anderes System, wichtig ist, dass die bestehenden Anlagen am Markt die Stromgestehungskosten einspielen können und sich Neuanlagen schnell genug amortisieren können, um Investitionen auszulösen", gibt sich Josef Plank pragmatisch.

Effizient durch Abwärme#

Nicht nur die fehlenden langfristigen Tarifregelungen machen den Betreibern von Holzkraftwerken zu schaffen. Der Anstieg des Holzpreises inklusive des, von den Heizkraftwerken verfeuerten Schadholzes, tut ein Übriges. Und: Biomasse erzielt bei der Stromerzeugung einen vergleichsweise geringen Wirkungsgrad von rund 30 Prozent. Effizient sind die Anlagen deshalb erst, wenn auch die Abwärme genützt wird. So wird etwa im burgenländischen Oberpullendorf das Biomassekraftwerk seit 2009 als Dampfkraftwerk geführt. Mit der Abwärme wird unter anderem das Krankenhaus ganzjährig versorgt und während der Sommermonate mit der umgewandelten Wärme aus dem Kraftwerk auch gekühlt. "Die Nutzung der Abwärme ist das große energiepolitische Asset der Holzheizkraftwerke", steht auch für Josef Plank fest. "Derzeit befinden wir uns aber in der paradoxen Situation, dass viele Werke nicht in Effizienzsteigerungen investieren können, weil es keine Rahmenbedingungen dafür gibt. Dabei bleibt jeder investierte Euro in den Biomassesektor in der Region und schafft Arbeitsplätze."

Zudem seien Holzkraftwerke auch im Kampf gegen den Klimawandel unverzichtbar, betont Felix Montecuccoli. "Sie bremsen den Klimawandel, weil sie den Ausstoß fossilen Kohlenstoffs in die Atmosphäre reduzieren. Außerdem helfen sie bei der Waldhygiene. Gerade jetzt kämpfen die Forstbetriebe mit einem massiven Anfall von Kalamitätsholz, deshalb brauchen wir die Holzkraftwerke als Verwertungsschiene." Tatsächlich nehmen Waldpflegemaßnahmen dramatisch zu. Schuld daran sind extreme Trockenperioden die heimischen Wälder, zum Beispiel durch Sturmschäden oder die grassierende Borkenkäferplage, massiv schädigen. "Viele Waldpflegemaßnahmen werden aber erst durch die Deckungsbeiträge aus dem Energieholz möglich", gibt Josef Plank zu Bedenken. "Auch dabei sind die Holzkraftwerke eine große Entlastung."

Wiener Zeitung, Dienstag, 7. November 2017