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Sex, Klimawandel – und worüber Greta Thunberg nicht so gern redet #


Von

Christian Ortner

(Der Artikel ist in der Presse, Freitag, 16. August 2019, DEBATTE. Seite 23, erschienen)


Wie man mit politisch korrekter Politik einen Beitrag zur Produktion von klimaschädlichen Substanzen leisten kann. Dabei wäre es höchste Zeit, Tacheles zu reden. Bekanntlich braucht der ein schnelles Pferde, der die Wahrheit sagt. Das musste jüngst auch der deutsche Fleischindustrielle Claus Tönnies erfahren, Besitzer eines der größten Schlachtbetriebe der Welt mit 15.000 Mitarbeitern und sechs Milliarden Euro Jahresumsatz, noch dazu Präsident des legendären Fußballklubs Schalke 04. Zum Verhängnis wurde Tönnies eine Ansprache, in der er die Entwicklungsprobleme Afrikas eher bildhaft darstellte.

Man solle, polterte er da, lieber 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, statt in Deutschland höhere Steuern auf CO2 einzuführen. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn es dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Er stand damit zwar irgendwie in der Tradition seiner Landsmännin Gloria von Thurn und Taxis, die schon vor 20 Jahren für Empörung sorgte, indem sie im Fernsehen erklärte, „der Schwarze schnackselt gern“ – aber weil die politische Korrektheit seither doch stark weiterentwickelt worden ist, wurde der Fleischindustrielle ob seiner ja wirklich mäßig geschmackvollen Formulierung sofort zu einem lupenreinen Rassisten erklärt, also quasi zu einem Nazi.

Davor, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden, bewahrte ihn wohl nur eine öffentliche Entschuldigung und die Erkenntnis, dass das traditionelle Verbrennen von Ketzern doch zu viel CO2 erzeugt. Dabei hat Tönnies mit seiner verunglückten Anmerkung an sich ja zu Recht angesprochen, was in der mehr religiös als rational geführten Klima-Debatte stets sorgsam ausgespart wird: Der Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsexplosion in Afrika und dem von Menschen verursachten CO2-Ausstoß.

Die wesentlichen Fakten: Tagtäglich nimmt die Bevölkerung Afrikas um ungefähr 200.000 Menschen zu – jede Woche also so viele, wie München Einwohner hat. Jährlich bedeutet das 73 Millionen Menschen mehr in Afrika, fast so viele wie in Deutschland leben. Das führt natürlich zu einer entsprechenden Zunahme an Verkehr, an Energieproduktion, an der Errichtung von Häusern und Fabriken und jeder anderen menschlichen Aktivität, die zur Emission von CO2 führt.

Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass mangels Entwicklung der Pro-Kopf- Ausstoß in Afrika signifikant unter jenem etwa in Europa liegt, geht es dabei um erhebliche Mengen. Was noch dadurch verschärft wird, dass Afrika ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent pro Jahr bräuchte, um auch nur seine wachsende Bevölkerung mit Jobs versorgen zu können. Grundsätzlich wäre das ja auch gut und wünschenswert – aus der Sicht der Klima-Apokalyptiker freilich eine wirkliche Katastrophe. Diesen Widerspruch hat die „Friday-for-Future“-Sekte bisher übrigens links liegen gelassen. In marxistischer Analyse ist das aber wohl ein Nebenwiderspruch, der offenbleiben kann, bis der Hauptwiderspruch erledigt ist.

Wir sehen: Wer meint, dass die CO2-Emissionen dieses Planeten drastisch reduziert werden müssen, der wird nicht darum herumkommen, eine ebenso drastische Reduktion des Bevölkerungswachstums in Afrika einzufordern.

Wenn Afrikas Bevölkerung weiter im bisherigen Tempo wächst, werden die Einstellung von ein paar Flügen zwischen Wien und Salzburg, ein Minderkonsum von Kalbsschnitzeln oder andere derartige Symbol- Aktivitäten wohl auch nicht imstande sein, den Planeten zu retten. Wer freilich einmahnt, die Afrikaner müssten damit beginnen, ihre Fertilität nachhaltig zu reduzieren und sich künftig mit zwei Kindern pro Familie begnügen, der gerät schnell in vermintes Gelände.

Derartiges zu fordern, gar die Hingabe von Entwicklungshilfe an messbare Erfolge an dieser Front zu knüpfen, gilt als rassistisch, koloniale Geste und Missachtung lokaler Kulturen. Deshalb vermeidet es ja auch die Afrika-Politik der europäischen Staaten, Tacheles zu reden und entsprechend zu handeln. Offenbar kann man auch mit politischer Korrektheit den Klimawandel befeuern.