Kremsier/Kroměříž #

Bild 'Wappen Kremsier'
Zweifellos gehört Kremsier (29.066 Ew.) zu den schönsten Städten Mährens und wird nicht ohne Grund als das „Athen Mährens“ bezeichnet. Es gibt eine Menge zu entdecken in diesem schönen Städtchen, das mit seinem malerischen historischen Zentrum, seinen Bürgerhäusern und Arkadengängen, dem prächtigen Erzbischöflichen Schloss, den großzügigen Parks und den erzbischöflichen Kellern mit vorzüglichem Wein zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.


Geschichte der Stadt#

Die Ursprünge der Siedlung reichen in die Zeit des Großmährischen Reiches zurück. Um 1266 wurde es auf Anregung des Bischofs Bruno von Schauenburg, der um diese Zeit eine Burg errichten ließ, durch König Přemysl Otakar II. zur Stadt erhoben und erhielt 1290 durch den Bischof Dietrich von Neuhaus das Brünner Stadtrecht.

Während der Hussitischen Kriege wurde Kremsier 1423 und 1432 erobert und galt als die radikalste hussitische Stadt in Mähren. 1465–1471 war Kremsier das Zentrum der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem böhmischen König Georg von Podiebrad und dem ungarischen König Matthias Corvinus, die erst 1479 im Frieden von Olmütz beigelegt werden konnten.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Kremsier völlig zerstört. Erst mit dem Regierungsantritt des Bischofs Karl II. von Liechtenstein-Kastelkorn erlebte die Stadt wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung. Er baute die Stadt wieder auf, ließ Straßen, Wasserleitung und Kanalisation anlegen, errichtete die Bischöfliche Residenz und gründete ein Piaristengymnasium. Im österreichischen Erbfolgekrieg wurde Kremsier 1742 von der preußischen Armee besetzt, 1752 wurde sie von einem Brand heimgesucht. Eine neuerliche Besetzung musste es 1805 während der Napoleonischen Kriege erdulden.

Nach der blutigen Niederschlagung des Wiener Oktoberaufstandes wurde der konstituierende Reichstag nach Kremsier verlegt und am 22. November im Sitzungssaal des Erzbischöflichen Schlosses eröffnet. Der Reichstag erstellte einen Verfassungsentwurf, der die Habsburgermonarchie in einen föderalistischen Staat umwandeln sollte. Kaiser Franz Joseph und sein Ministerpräsident Felix Fürst zu Schwarzenberg ignorierten jedoch den Kremsierer Entwurf, führten stattdessen die Oktroyierte Märzverfassung ein und lösten den Reichstag mit militärischer Hilfe am 7. März 1849 auf.

1885 trafen sich in Kremsier Kaiser Franz Joseph und Zar Alexander III. zu politischen Gesprächen. Im 20. Jahrhundert nahm die Einwohnerzahl durch Eingemeindung der umliegenden Dörfer stark zu.

Schloss
Schloss
Schlossplatz
Schlossplatz
Prunkraum
Prunkraum
'Vasallensaal'
Lehens- und Gerichtssaal
Reichstagssaal
"Reichstagssaal"
Reichsratssaal
"Reichsratssaal"

Sala Terrena
Sala Terrena
Sala Terrena
Sala Terrena

Der Schlosspark
Der Schlosspark

Johanneskirche
Johanneskirche
Johanneskirche
Johanneskirche
Johanneskirche
Johanneskirche
St.Mauritius-Propsteikirche
St.Mauritius-Propsteikirche
Justizlehranstalt
Justizlehranstalt
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Gasse in Kremsier
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Haptplatz
Blick zum Schloss
Rathaus
Rathaus

Arkaden am Hauptplatz
Arkaden am Hauptplatz

Schloss Kremsier #

Das Schloss entstand an der Stelle einer gotischen Burg, die Anfang des 16. Jahrhunderts unter Bischof Stanislaus Thurzo zu einem Renaissanceschloss umgebaut wurde. Anschließend diente das Schloss als Hauptresidenz der Olmützer Bischöfe. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss ab 1686 unter dem Erzbischof des Bistums Olmütz, Karl II. von Liechtenstein-Kastelkorn, im Stil des Spätbarock neu errichtet. Auch die Anlage des Schlossparks und des Blumengartens geht auf diese Zeit zurück.

Sehenswert sind die Repräsentations- und Wohnräume mit der wertvollen Inneneinrichtung, zu denen der Jagd-, der Rats- und der Thronsaal sowie der Rosen- und der Zarensalon gehören. Außerordentlich wertvoll ausgestattet sind der Vasallensaal mit Deckenfresken von Franz Anton Maulbertsch, die Schlossbibliothek, der Reichstagssaal und die Sala errena.

Bis zum Jahre 1949 befand sich das Schloss im Besitz der Erzbischöfe von Olmütz. Heute gehört es dem tschechischen Staat, die Gemäldegalerie und das Interieur sind jedoch im Besitz des Erzbistums Olmütz.

Kirche des Hl.Mauritius #

Die Kirche steht anstelle der ursprünglichen gotischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die in den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert zerstört wurde. Auch im Jahre 1836 brannte die Kirche aus. Die anschließende Reparatur führte A. Arche als puristische gotische Umgestaltung aus. Es wurden die Taufkapelle und der südliche Vorsaal angebaut. Bis 1848 erhielten auch beide Türme polygonale Aufbauten.

Kirche des Hl Johannes des Täufers#

Sie wurde in den Jahren 1737 - 1768 nach Entwürfen von Ignaz Josef Cyrani von Bolleshaus für den Piaristenorden erbaut und repräsentiert einen der Höhepunkte der barocken Baukunst in Mähren. Die mächtige Kuppel verleiht dem Barockbau ein majestätisches Ansehen. Die reiche Freskenverzierung von J.J. Edgens preist in Ikonen den Patron der Kirche, den Heiligen Johannes.

Kirche der Jungfrau Mariä Himmelfahrt#

Im 13. Jahrhundert ließ Bischof Bruno von Schauenburg die der Jungfrau Maria geweihte Pfarrkirche erbauen. Die heutige barocke Gestalt der Kirche aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bewahrte einen Teil des ursprünglichen Turms. Die Kirche wurde im Jahre 1736 fertiggestellt. Die Kirche hat wertvolle, überwiegend barocke Inneneinrichtung. Beachtenswert ist der Altar der Vierzehn Nothelfer, ein hochwertiges Schnitzwerk.

Rathaus#

Das ursprünglich eingeschossige Gebäude wurde mehrmals umgebaut, Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt es ein zweites Geschoss, einen Balkon und eine zweiarmige Treppe.

Mariensäule und Brunnen#

Dominante des Großen Platzes ist die barocke Mariensäule, die als Dank für das Ende der Pestepidemie im Jahre 1680 errichtet wurde. Sie ist mit den Plastiken der Heiligen Wenzel, Florian, Rochus und Mauritius verziert.

Mühlentor#

Das Mühlentor gehört zur Stadtbefestigung. An die frühbarocke Gestaltung erinnert ein Malereifragment am Turm, welches den Beitrag des Bischofs Karel II. von Liechtenstein an der Stadterneuerung dokumentiert. Das heutige Aussehen erhielt das letzte erhaltene Stadttor in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Blumengarten und Schlosspark#

Der Blumengarten stellt einen der Höhepunkte der europäischen Gartenkunst des 17. Jahrhunderts dar. Es handelt sich um eine Umbruchphase der Entwicklung zwischen italienischen Renaissancegärten und französischen Barockgärten. Die grünen Labyrinthwände, die 244 m lange Kolonnade, zwei historische Gewächshäuser, der zentrale Pavillon (Rotunde), die Blumen und Plastiken bieten auch heute viele vortreffliche Eindrücke. Der Schlosspark Kremsier ist der größere der beiden ehemals erzbischöflichen Gärten in Kremsier. Zusammen mit dem Schloss und dem kleineren Blumengarten gehört er seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

--> Fotos: P. Diem, Textvorlage: O. und A. Schweizer