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Leitomischl/Litomyšl #

Bild 'Wappen_Leitomischl'
Das Städtchen Leitomischl (10.043 Ew.) an der Lautschna (Loučná) nennt ein prachtvolles, sgraffitogeschmücktes Schloss sein Eigen. Kein geringerer als der Komponist Bedřich Smetana erblickte in der ruhigen Kleinstadt am Nordhang der Böhmisch-Mährischen Höhe das Licht der Welt. Ihrem berühmten Bürger widmet die Stadt alljährliche einige Musikveranstaltungen, u.a. ein internationales Opernfestival.

Die ursprüngliche Siedlung unterhalb des Klosterberges wurde 1108 als „opidum Lutomisl“ erwähnt. König Ottokar II. Přemysl verlieh ihr 1259 das Marktrecht, eine eigene Gerichtsbarkeit und 1263 das Königgrätzer Stadtrecht. Zu dieser Zeit war sie sowohl von Tschechen als auch von Deutschen bewohnt.

1567 kam die Herrschaft Leitomischl durch Tausch gegen Chropyně an den böhmischen Oberstkanzler Vratislav von Pernstein, der in den nächsten Jahren das Renaissance-Schloss errichten ließ. Im Zuge der Gegenreformation mussten nach der Schlacht am Weißen Berg die Protestanten, die einen Glaubenswechsel ablehnten, die Stadt verlassen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielt die Adelsfamilie Trauttmansdorff die Herrschaft Leitomischl. Ihr folgten 1758 die Grafen Waldstein und 1855 die Fürsten Thurn und Taxis folgten, die Litomyšl im Wege der Versteigerung erwarben.

Im 19. Jahrhundert war Leitomischl ein bedeutendes Zentrum der tschechischen Nationalen Wiedergeburt. Die Österreicher kennen den Namen dieser Stadt meist nur aus dem vom unvergesslichen Heinz Conrads 1954 gesungenen Lied "Als Böhmen noch bei Öst'reich war

Schloss
Das Schloss

Sonnenuhr
Sonnenuhr
Eingangstor
Eingangstor
Fassade
Fassade

Renaisancehof
Renaissancehof

Speisesaal
Speisesaal
Interier
Interieur

'Pferdedzimmer
"Pferdezimmer"

Schlosstheater
Schlosstheater (1796/97)
Schlosstheater
Schlosstheater Galerie

Franz Stephan von Lothringen
Franz Stephan von Lothringen
Maria Theresia
Maria Theresia
Josef II.
Josef II.

Piaristenkirche
Piaristenkirche
Smetana
Denkmal F. Smetana
Alte Gasse
Alte Gasse

Stadtkirche
Stadtkirche
Langer Hauptplatz
Langer Marktplatz

Haus zu den Rittern
Haus zu den Rittern

Marktplatz#

Das denkmalgeschützte Zentrum gruppiert sich um den lang gestreckten, schmalen Marktplatz, der nach Smetana benannt wurde. Dort stehen das gotische Rathaus und eine Reihe schöner Renaissance- und Barockhäuser, z.B. das Haus „Zu den Rittern“ (Nr. 110) aus dem 16. Jahrhundert, eines der schönsten Beispiele der Renaissancearchitektur der Region. Das Smetana-Denkmal schuf Jan Stursa im Jahr 1924.

Schloss Leitomischl#

Das Schloss Leitomischl entstand vermutlich an der Stelle einer ehemaligen slawischen Burgstätte, die im 10. Jahrhundert erbaut worden sein soll.

Das Sgraffito an den Außenwänden schuf Šimon Vlach. Die Fassade wird von unterschiedlichen Renaissancegiebeln geschmückt und der Südflügel im dritten Geschoss von neun Arkadenbögen unterbrochen. Das Hauptportal ist mit dem pernsteinischen Wappen verziert, das einen Auerochsen mit Nasenring darstellt.

Die dem heiligen Michael geweihte Schlosskapelle mit den drei großen Fenstern an der Fassadensüdseite stammt aus der Erbauungszeit.

Der Schlosstheater im Erdgeschoss des Westflügels entstand 1796–1797 und wurde durch Dominik Dvořák malerisch ausgestaltet. Es zählt zu den ältesten noch erhaltenen Theatern Mitteleuropas und besitzt noch Original-Bühnenbilder und Dekorationen.

Pfarrkirche der Heiligen Kreuzerhöhung#

Die Pfarrkirche der Heiligen Kreuzerhöhung (Kostel povýšení sv. Kříže) wurde ab 1356 für die Augustiner gebaut und 1378 fertiggestellt. Unter Maria Manrique de Lara, Witwe von Vratislav von Pernstein, erfolgte 1601 ein Umbau. Das Gemälde der Heiligen Kreuzerhöhung schuf Ignaz Raab, die Bilder des Kreuzweges stammen von Josef Cereghetti. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche nach Plänen von Franz Schmoranz teilweise regotisiert. In den Jahren 1995–2000 fand eine umfangreiche Renovierung statt.

Piaristenkirche Auffindung des Heiligen Kreuzes#

Die Piaristenkirche Auffindung des Heiligen Kreuzes (Kostel nalezení sv. Kříže) wurde unter Graf Franz Wenzel von Trauttmansdorff ab 1714 errichtet. Matthias Bernhard Braun schuf die Statuen der Vier Evangelisten und an der Fassade die Skulpturen des Hl. Wenzel und des Hl. Prokop. Die Kirche diente auch als Grablege für die Ordensangehörigen und die Grafen Trauttmansdorff und Waldstein-Wartenberg.

--> Fotos: P. Diem, Textvorlage: O. und A. Schweizer