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Die Mariensäule auf dem Prager Altstädter Ring#

Die Mariensäule auf dem Altstädter Ring wurde 1650 von Kaiser Ferdinand III. aus Dank für die Rettung Prags vor einem schwedischen Heer gestiftet und vom Bildhauer Johann Georg Bendl errichtet. Die Säule wurde 1918 zerstört, 2020 wurde sie wiedererrichtet.

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Entstehung#

Mariensäule Prag
Die neu errichtete Mariensäule auf dem Altstädter Riong
Zum Dank dafür, dass Prag nicht zur Gänze von der schwedischen Armee erobert wurde, verfügte der Kaiser per Dekret am 22. April 1650 die Errichtung einer Säule zu Ehren der Maria Immaculata. Sie sollte wie „…alhier zu Wien aufm Hof, auch allda zu Prag, auf dem Altstädter Platz …“ errichtet werden. Die Form des Denkmals und die Aufstellung auf dem Altstädter Ring wurde demnach vom Kaiser selbst festgelegt.

Der Schöpfer der Prager Mariensäule war Johann Georg Bendl, der als der führende Bildhauer der Gegenreformation und der jesuitischen Machtkunst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gilt. Die Mariensäule am Altstädter Ring ist sein Hauptwerk.

Die Mariensäule als Siegeszeichen der Gegenreformation, die Bendl im Auftrag des Kaisers ausgeführt hatte, bildete bis 1918 den städtebaulichen Schwerpunkt des Altstädter Rings. Das Vorbild waren die Münchner und die Wiener Mariensäule, nur dass Bendl die Allegorien nicht durch Heldenputti, sondern durch annähernd lebensgroße Engel personifizierte und die Figuren nicht in Bronze, sondern wie in Wien (jetzt Wernstein am Inn) in Stein ausführte. Als Bendl die Mariensäule schuf, war er erst etwa 20 Jahre alt.

Inschrift: „VIRGINI GENITRICI SINE ORIGINIS LABE CONCEPTAE, PROPUGNATAE AC LIBERATAE URBIS ERGO, CAESAR PIUS ET IUSTUS HANC STATUAM POSUIT“ (Der ohne Makel der Erbsünde empfangenen jungfräulichen Gottesmutter errichtete der Kaiser aus frommem und gerechtem Dank für die Verteidigung und Befreiung der Stadt dieses Standbild).

Die religiöse Bedeutung der Mariensäule#

Wie in Wien ließ Ferdinand III. auch in Prag regelmäßige Andachten und samstägliche Prozessionen zur Mariensäule einrichten. Nirgends in Europa – konstatierte der Jesuit Johannes Miller – sähe man bei einer Prozession so viel Glanz...

Noch vor der Grundsteinlegung wurde die öffentliche Gerichtsstätte vom Marktplatz wegverlegt, da sich die Ausübung der Jurisdiktion mit dem Charakter des Votivdenkmals schlecht vertrug. Die Andachten der Marianischen Bruderschaften an der Mariensäule führten immer wieder zu Beschwerden der Bürgerschaft, die sich in ihren Freiheiten eingeschränkt fühlten, vor allem der „Narrenfreiheit“ in den Fastnachtstagen.

Der Sturz der Säule#

Nach Loslösung der Tschechoslowakei aus dem Verband der österreichisch-ungarischen Monarchie im Jahr 1918 wurde die Mariensäule am Altstädter Ring von einer betrunkenen Anarchistenbande (unter Führung des Schriftstellers Franta Sauer) gestürzt und beschädigt. Die Anarchisten planten, auch die habsburgischen Symbole auf der Karlsbrücke zu zerstören, doch war die Gendarmerie rechtzeitig zur Stelle, um die Kunstwerke zu schützen.

Sie deuteten die Säule als Symbol für eine gewaltsame Rekatholisierung Böhmens und die Unterdrückung der tschechischen Nation durch die Habsburger. Die Marianische Bruderschaft konnte die stark beschädigten Reste bergen, welche bis heute erhalten sind. Sie befinden sich in den Beständen des Nationalmuseums.

Wiedererrichtung#

Am 3. November 1993, dem 75. Jahrestag des Sturzes der Mariensäule, ließ die Gesellschaft für die Wiedererrichtung der Mariensäule im Pflaster des Altstädter Rings eine Platte mit der Inschrift „Hier stand und wird wieder stehen die Mariensäule“ anbringen. Die Worte „und wird wieder stehen“ mussten auf Verlangen des Prager Magistrats getilgt werden. Währenddessen ging die Arbeit an den Kopien der nur als Torso erhalten gebliebenen Marienstatue Johann Georg Bendls und der übrigen bildhauerischen und architektonischen Teile der Mariensäule durch den tschechischen Bildhauer Petr Váňa weiter.

Ende Mai 2019 begann der Bildhauer mit der Wiedererrichtung. Die Aktion wurde zunächst von der Polizei unterbunden. Am 23. Januar 2020 sprach sich der Gemeinderat Prags jedoch mehrheitlich für die Errichtung der Nachbildung der Mariensäule an alter Stelle aus. Am 4. Juni 2020 wurde die Rekonstruktion der Mariensäule abgeschlossen.

--> Ein pikantes Detail im Zusammenhang mit der Wiedererrichtung der Säule:
Die kommunistische Stadtvertreterin Marta Semelova, eine harte Stalinistin, sprach sich im Prager Gemeinderat so affektiert und mit solchem Hass gegen die Katholiken gegen die Wiedererrichtung der Mariensäule aus, dass die unentschiedene Gruppe der Stadtvertreter, die normalerweise gegen die Säule gewesen wären, unter dem Eindruck dieser Brandrede für die Säule votierten...

--> Prager Wachmänner nahmen am 21.6.2020 einen Mann fest, der am Morgen an der Mariensäule auf dem Altstädter Ring ein Feuer legte. Die Ordnungshüter haben das Feuer gelöscht und den 57-jährigen Mann der Polizei übergeben. Sie hat gegen den Täter ein Ermittlungsverfahren wegen Ausschreitung und der Beschädigung fremden Eigentums eingeleitet.

Mariensäule Prag
Die neue Säule vor der Teynkirche
Mariensäule Prag
Maria im Sternenkranz

Mariensäule Prag
Auf dem Podest fehlen noch die Engel
Mariensäule Prag
Zeitungsbericht über die Zerstörung 1918
Altstädter Ring
Hus und Maria friedlich nebeneinander

Das Wiener Pendent#

Aufgrund des Gelöbnisses von Kaiser Ferdinand III. angesichts der drohenden Gefahr durch die heranrückenden Schweden, 1644, nach Entwurf von Johann Jakob Poch nach Vorbild der Münchner Mariensäule auf dem Marienplatz (1638) aus Marmor 1646 errichtet. 1667 auf Veranlassung Kaiser Leopolds I. und des Grafen Georg Ludwig von Sinzendorf nach Schloss Wernstein am Inn transferiert. Graf Georg Ludwig von Sinzendorf hatte sie sich vom Kaiser erbeten und ließ sie auf einem Schiff von Wien nach Wernstein bringen und gegenüber der Neuburg aufstellen. Nach zweijähriger Arbeitsdauer war die Aufstellung und Restaurierung im Jahre 1670 beendet. Nach der Auflösung der Grafschaft ging die Mariensäule 1841 in den Besitz der Gemeinde Wernstein über.

Heutige Statue:
1664-67 Bronzeguss nach dem Original durch den kaiserlichen Stückgießer Balthasar Herold. Steinsockel von Carlo Martina Cartone und Carlo Cancvate, Bronzestatue der Maria Immaculata auf einem Drachen über einer korinthisierenden Säule mit Postament; in von Cherubsköpfen gerahmten Kartuschen Inschrift Ferdinands III. mit Chronogramm 1644 (Widmung und Gelöbnis) und Leopolds I. 1667. Auf verkröpften Ecken des Steinsockels geharnischte Bronzeputten im Kampf gegen Ungeheuer (Pest, Krieg, Hunger, Ketzerei) mit sich auf Marias Triumph über den Satan beziehenden Inschrift auf den Schilden. Einfriedung durch Balustrade auf Steinsockel.

Quellen: Dehio Wien 1. Bezirk Horn, 2003
Wikipedia

Mariensäule Wien
Die bronzene Marienstatue am Hof in Wien
Mariensäule Wien
Maria im Sternenkranz
Mariensäule Wien
Das Original in Wernstein am Inn - Foto Wikipedia

Die bewaffneten Wiener Engel
Die bewaffneten Wiener Engel

--> Zum Thema politische Symbolik tschechischer Monumente vergleiche: Masaryks Obelisk im dritten Hof des Hradschin

Textvorlage: Wikipedia
Fotos: P. Diem