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Botswana, die Wiege des Menschen#

Abwanderungen damals und heute: Die Ursache dafür liegt in klimatischen Veränderungen - auch vor 200.000 Jahren.#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Wiener Zeitung, 30. Oktober 2019


Flug über Okavango (Juli 2012)
Flug über Okavango (Juli 2012). Nicht alle Seen sind erhalten geblieben. Klimaänderungen haben sie zu Wüsten werden lassen.
© Gerhard Huber

Die Wiege des modernen Menschen liegt in Afrika. Das ist schon lange erwiesen. Doch wo genau der Homo sapiens sapiens einst entstanden ist, war bisher ein Rätsel. Dieses scheinen nun Wissenschafter von der Universität Sydney gelöst zu haben. Sie haben einer neuen Studie zufolge erstmals die genaue Geburtsstätte des modernen Menschen ausfindig gemacht. Er habe vor etwa 200.000 Jahren im Norden des heutigen Botswana gelebt, bevor er in andere Regionen abgewandert sei, schreiben sie im Fachmagazin "Nature".

"Wir wissen seit langem, dass der moderne Mensch um diese Zeit in Afrika auftauchte. Aber bis heute wussten wir nicht, wo genau seine Heimat war", erklärt Studienautorin Vanessa Hayes. Ihrem Team aus internationalen Wissenschaftern ist es gelungen, mit Hilfe von DNA-Analysen, linguistischen und geografischen Daten sowie Klimamodellen die Geburtsstätte zu identifizieren.

In dem Makgadikgadi-Okavango genannten Gebiet südlich des Flusses Sambesi befand sich früher ein riesiger See. Er hatte etwa die doppelte Größe des heutigen Viktoriasees. "Vor der Entstehung des modernen Menschen begann dieser See aufgrund von Verschiebungen der darunter liegenden tektonischen Platten zu versickern. Dadurch entstand ein riesiges Feuchtgebiet mit üppigen Lebensbedingungen", so Mitautor Andy Moore von der Rhodes University. Heute umfasst das Gebiet hingegen weitgehend Wüste. Unsere Vorfahren lebten der Studie zufolge etwa 70.000 Jahre lang in der Region, bevor sie durch klimatische Veränderungen gezwungen waren, abzuwandern.

Die Forscher untersuchten genetisches Material von heutigen Menschen in Afrika einschließlich von Jägern und Sammlern im Süden des Kontinents. Genauer gesagt die Mitochondrien - die Zellkraftwerke. Sie entstehen, im Gegensatz zur DNA, nicht durch eine genetische Durchmischung im Zuge der Zeugung, sondern werden aus dem Plasma der mütterlichen Eizelle an das Kind weitergegeben und so weitervererbt. Dadurch ließ sich die Abstammung der mütterlichen Linien zurückverfolgen. "Mitochondriales Erbgut ist wie eine Zeitkapsel und akkumuliert Veränderungen über Generationen hinweg. Der Vergleich anhand verschiedener Individuen kann dadurch Informationen über Populationsentwicklungen geben", erklärt Hayes.

Küstenhochwasser droht#

Abwanderungen aufgrund klimatischer Veränderungen sind keine Eigenheit des modernen Menschen vor 200.000 Jahren. Sie sind aktueller denn je. In den kommenden Jahrzehnten sind einer Studie zufolge hunderte Millionen Menschen mehr als angenommen von regelmäßigem Hochwasser bedroht. Ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen seien bis 2050 Küstengebiete, in denen heute 300 Millionen Menschen leben, mindestens einmal jährlich von Überschwemmungen betroffen, legte die US-NGO Climate Central am Dienstag auf Grundlage eines neu entwickelten Rechenmodells dar.

Der Großteil der Betroffenen lebt in den sechs asiatischen Ländern China, Bangladesch, Indien, Vietnam, Indonesien und Thailand. Mit 237 Millionen Menschen ist die Zahl der dortigen Betroffenen laut den Berechnungen mehr als vier Mal so hoch wie in bisherigen wissenschaftlichen Prognosen. Bis zum Jahr 2100 könnten laut Berechnung allein in den sechs asiatischen Ländern Gebiete dauerhaft unter Waser stehen, die derzeit von 250 Millionen Menschen bewohnt werden.

Wiener Zeitung, 30. Oktober 2019