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Colmar im Elsass und seine originellen Ladenschilder und Hauszeichen#


Von

Günther Jontes

Die Aufnahmen wurden vom Autor in den Jahren 1995 und 1996 gemacht. Sie sind Teil des Archivs „Bilderflut Jontes“


Colmar Colmar ist heute Teil der Republik Frankreich und Hauptstadt des Departements Haut-Rhin. Mit ihren 70.000 Einwohnern ist sie die drittgrößte Stadt des Elsass. Sie hat alle Phasen der bewegten Geschichte dieses einst dem Römisch-deutschen Reich zugehörigen Territoriums mitgemacht. Das Elsass wurde 1648 bis 1789 Stück für Stück vom König- und späteren Kaiserreich Frankreich annektiert und blieb nach dem Wiener Kongress 1815, als die Grenzen Frankreichs neu gezogen wurden, zum größten Teil bei diesem. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gelangte es gemeinsam mit Lothringen an das neue Deutsche Kaiserreich, ging aber 1918 nach dem Ersten Weltkrieg an den französischen Siegerstaat. Nach 1940 im Zweiten Weltkrieg war es dann wieder vorübergehend bis 1945 deutsch, ehe es am Ende des Krieges wieder und endgültig französisch wurde.

Während der französischen Oberherrschaft war das Elsass stets einer Unterdrückung der deutschen Kultur, selbst der Sprache ausgesetzt, die heute nur mehr von etwa 40 % der Bevölkerung gesprochen wird. Für Frankreich ist die deutsche Sprache oft nur ein ungeliebter alemannischer Dialekt. Unterrichts- und Öffentlichkeitssprache ist allein das Französische. Bezeichnenderweise stammt der politische Begriff Chauvinismus aus diesem Idiom, wo chauviner „aufwühlen“ bedeutet.

Einer der glühendsten Deutschenhasser war Jean-Jacques Waltz (1873-1951), ein Colmarer. Seine antideutsche Gesinnung, seine deutschfeindlichen Karikaturen sind legendär. Er wird auch im heutigen Frankreich noch von vielen verehrt. Seine Kritiker weisen auf seine „alle Maße sprengende Feindschaft gegenüber Deutschland“ hin. Sein Künstlername war Hansi, denn ein von ihm verfasstes und illustriertes Kinderbuch, in welchem er den Kleinen seine Sicht der elsässischen Geschichte erklärte hat als Autor "Hansi". Die Schrift heißt „L’Histoire d’ Alsace racontée aux petits enfants par l’oncle Hansi“ / Die Geschichte des Elsass den kleinen Kindern vom Onkel Hansi erzählt.

Seine Kunst jedoch steht in ihrem künstlerischen Genre unbestrittten da. Öffentlich sichtbar sind besonders in seiner Heimatstadt Colmar viele Ladenschilder für Gewerbebetriebe des Handwerks und der Gastlichkeit. In eine Rahmung aus kunstvoll geschmiedetem Eisen sind Blechtafeln eingefügt, die von beiden Seiten bemalt wurden.

Blechtafel in geschmiedetem Eisen

Ein älterer Ausleger mit dem Schwan wurde durch Hansi durch die Darstellung, die sich im Bereich von Apotheke und Drogerie bewegt. Rührkessel und Glasphiole daneben sprechen dafür, ebenso eine sich aus dem schmiedeisernen Rahmen ringelnde Schlange.

Blechtafel in geschmiedetem Eisen

Auf mehreren Schildern hat das Künstler sich selbst genannt, einmal sichtlich für ein Gasthaus geworben, das andermal den französischen Heros ins Bild gerückt: Napoleon.

Blechtafel in geschmiedetem Eisen
Blechtafel in geschmiedetem Eisen

Im gesamten deutschen Kulturraum ist die Brezel als Kürzel für die vor der Brust verschränkter Arme seit dem Mittelalter das schlüssige Symbol für den Bäcker.

Blechtafel in geschmiedetem Eisen

Die beiden Brüder Fincker sind die Betreiber einer Charcuterie, also eines Ladens für Fleisch und Wurstwaren. Schinken und Sauschädel kennzeichnen das Metier der beiden.

Blechtafel in geschmiedetem Eisen
Blechtafel in geschmiedetem Eisen
Blechtafel in geschmiedetem Eisen
Blechtafel in geschmiedetem Eisen

Selbst in den Marginalien geht es um Propaganda. Das Mädchen, welches das Schwein treibt, wird miteinbezogen. Sie trägt zwar die elsässische Nationaltracht. Auf der typischen Haube aber prangt die französische Kokarde mit der Tricolore.

Blechtafel in geschmiedetem Eisen
Blechtafel in geschmiedetem Eisen