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Theodor Herzl (1860-1904)#

Der Weg nach Zion#


Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus dem Buch: Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.


"Ich arbeite seit einiger Zeit an einem Werk, das von unendlicher Größe ist. Ich weiß heute nicht, ob ich es ausführen werde. Es sieht aus wie ein mächtiger Traum. Aber seit Tagen und Wochen füllt es mich aus bis in die Bewußtlosigkeit hinein, begleitet mich überall hin, schwebt über meinen gewöhnlichen Gesprächen, blickt mir über die Schulter in die komische kleine Journalistenarbeit, stört mich und berauscht mich." Diese Worte stehen am Anfang von Theodor Herzls Tagebüchern, die er 1895 beginnt und die der "Judensache", dem Kampf um einen Judenstaat, gewidmet sind.

1895 betrat er den Weg nach Zion und schritt unbeirrt auf ihm weiter bis zum Ende seines Lebens. Doch Herzl fand auch zahlreiche Gegner seiner Idee im Wien der Jahrhundertwende: Karl Kraus griff sie 1898 in der Broschüre „Eine Krone für Zion" an, und ein Jahr zuvor hatte Julius Bauer auf den Zionistengründer gedichtet:


„Von Sudermann hat er den
Bart,
die Ironie von Heine.
Doch sein Talent von starker
Art
gehört ihm ganz alleine.
Er sieht ein Ziel, ein Ziel so
weit,
im Träumen wie im Wachen:
Er denkt daran, in dieser Zeit
mit Juden Staat zu machen!"


Auch der Ehrenpräsident der Österreichisch-Israelitischen Union, Sigmund Mayer, urteilte 1917 in seinem Werk über die Wiener Juden: „Herzl, ein glänzender Feuilletonist, war ein Mann edelster und reinster Gesinnung, aber weder Staats- noch Wirtschaftspolitiker. So wurde er der Führer der Bewegung nach einem Ziele, für welches ihm das sachliche Urteil fehlte. . . Aber der unstreitig hoch idealen Gesinnung, welche den Judenstaat schaffen wollte, fehlt die Verknüpfung mit dem praktischen Sinn. Dem Judenstaat werden immer zwei Dinge fehlen: das brauchbare Land und die brauchbaren Juden!"

„Was Herzl getan hat", schrieb der Literaturhistoriker Harry Zohn 1986, „davon berichtet die Geschichte. Wie er es getan hat und welche Art von Mensch er war, das finden wir in seiner Broschüre ,Der Judenstaat', in seinem Selbstbildnis, den Tagebüchern, den zionistischen Aufsätzen und Reden, und in denjenigen seiner anderen Schriften, denen die Darstellung einer großen schöpferischen Idee, deren Krone der heutige Staat Israel ist, Unsterblichkeit verliehen hat. In diesen Werken ist auch heute noch das Schlagen eines großen Herzens zu spüren."