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Notre-Dame#


Von

Dr. Ferdinand Steiner

Aus: Gedanken zu Glaube und Zeit Nr. 296a/2019


Eine wirklich begeisternde Arbeit, die Willibert Kurth hier spürbar spontan erstellt hat![1] Die Werte, die er damit darstellt, die Geschichte des Gotteshauses, die Leistung der Erbauer und die kulturelle Ausstrahlung auf ganz Europa habe ich so in dieser Umfänglichkeit noch nicht gehört oder gelesen. Wenn es einen Weg gibt, positiv zu denken, hier wird er vorexerziert.

Ja, die stolzen Türme stehen noch! Die ganze Welt hat offenbar mit diesem christlichen Symbol schlechthin mitgefiebert, doch die Türme stehen noch! Der größte Schatz der christlichen Welt ist nicht verloren, der Ausgangspunkt der abendländischen Entwicklung. Wie sehr uns das alle im tiefsten Herzen trifft, zeigt die Welle der Hilfsbereitschaft, die Frankreich in die Lage versetzen wird, dieses Kleinod des christlichen Glaubens in nur fünf bis sieben Jahren im alten Glanz wieder auferstehen zu lassen. Eine Milliarde Euro gab es an Spendenzusagen in kürzester Zeit. So etwas ist wirklich beglückend, wenn man an die Großherzigkeit dieser Spender denkt.

Ich kann leider nichts dazu beitragen. Mein Geldbeutel erlaubt es nicht. Ich war auch nie in der Lage, solche Reichtümer zu sammeln, weil mein Vater nur ein kleiner Holzknecht war, der eine

achtköpfige Familie durchzubringen hatte. Daher blieb mir die große Finanzwelt, in der man mit ein paar Mouseclicks Millionen verdienen kann, auch immer fremd. Nur mit ganz unsauberen Geschäften hatte ich so viel Geld verdienen können, um jetzt als großer Spender auftreten zu können. Und gerade höre ich in den Nachrichten, die Gelbwesten demonstrieren wieder. Sie wollen nicht verstehen, dass man für diese Kirche so viel Geld bereitstellen kann, für 140.000 Bedürftige in Frankreich aber habe man nichts!

Irgendwie fühle ich mich an das Gleichnis vom verlorenen Sohn erinnert, das wir erst kürzlich im Sonntagsevangelium hatten. Nur dreimal von der bedingungslosen Liebe des Vaters zu reden, ist nicht genug. Jesus war kein Idiot! Das Gleichnis ist nicht vollständig ohne den Neid des Bruders, ohne den anderen Teil der Polarität in uns Menschen. Es ist zusätzlich eine Warnung vor einseitiger Darstellung, denn Jesus kennt die Menschen und die Gesetze dieser Welt. Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein, sagte er an anderer Stelle.

Dürfen wir verstehen, dass wir Europäer nicht nur christlich sind sondern auch sehr materialistisch? Dann sind der Brand von Notre Dame und seine Folgen ein Stich mitten ins Herz unserer falschen Wertvorstellungen: Der Hungertod eines Kindes in Ostnigeria kümmert uns wenig, aber dass die steinernen Türme der ältesten gotischen Kirche nicht eingestürzt sind, entlockt uns Begeisterung! Besteht unser Schatz aus Steinen, oder ist unser Herz bei den Menschen? Kann man eigentlich christlich und materialistisch zugleich sein? © by Dr. Ferd. Steiner

Dr. Ferdinand Steiner, Institut für energetische Raumklimaforschung, ist Medizinproduktberater in Graz




Helmut Schriffl

Mehr als Notre Dame#

Mehr als Notre Dame wiegen
für mich die Tränen jenes kleinen
mexikanischen Kindes auf dem Pressefoto
des Jahres 2018, das an der Grenze
zu den USA, auf Befehl von Donald Trump
von seinen Eltern getrennt wurde. Das Bild
druckten Zeitungen wenige Tage vor dem
Brand von Notre Dame ab.

Es gab keine Reaktionen in den Medien,
keine entsetzten Aufschreie über diesen
barbarischen Akt, wie jetzt nach dem Brand
eines Gebäudes.

Dem Dalai Lama wird folgender Ausspruch
zugeschrieben: „Menschen wurden erschaffen,
um geliebt zu werden. Dinge wurden geschaffen,

um benutzt zu werden. Der Grund, warum
sich die Welt im Chaos befindet, ist, weil Dinge
geliebt und Menschen benutzt werden.“

Notre Dame wird wieder hergestellt werden.
Unter anderem mit Millionenspenden
von Firmenbossen! Woher haben die das
viele Geld? Haben sie es ihren Arbeitern
vorenthalten? Dann bezahlen die kleinen
Leute und nicht die großen Bosse den
Wiederaufbau von Notre Dame!

Wer aber kann die verletzte Seele des
kleinen mexikanischen Kindes
wieder ins Lot bringen, sofern das
überhaupt möglich ist?

Helmut Schriffl ist Diakon und Verfasser moderner Psalmen.