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Anmerkungen zur Geschichte und Bedeutung der Peter Rosegger-Landesgedenkstätten Krieglach /Alpl#

Von

Harald W. Vetter


Wenn wir etwas im Gedächtnis behalten wollen, dann ist das für uns immer etwas besonders Wichtiges, Prägendes. Darum stehen die beiden Museen, das Geburtshaus am Alpl und der spätere Landwohnsitz des Dichters in Krieglach, die Peter Roseggers Leben und Wirken dokumentieren, auch unter dem Begriffspaar „Gedenken und Gedächtnis“. Die Steiermark hat viele bedeutende Persönlichkeiten hervor gebracht: Dichter, Künstler, Politiker und Erfinder. Nur zwei davon sind gleichsam als Landesväter im allgemeinen Gedächtnis geblieben. Erzherzog Johann und der 1843 geborene Peter Rosegger scheinen nach wie vor die Identitätsstifter unseres Landes zu sein. Beide waren Reformer höchsten Ranges. Dem Dichter Peter Rosegger allerdings waren keinerlei Privilegien in die Wiege gelegt, weder adelige noch finanzielle. Aber auch er wurde schließlich zum steirischen „Landespatron“, obwohl aus recht bescheidenen, bergbäuerlichen Verhältnissen stammte. Er, gleichsam ein Selfmademan, ein für damalige Zeiten typisches Wunderkind – freilich nicht ohne Hilfe von Mäzenaten – schrieb sich ziemlich rasch fast an die Spitze der Literaturwelt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Aus heutiger Sicht sind seine dichterischen Werke für die Gegenwartsliteratur leitmotivisch nicht mehr so bedeutsam wie seinerzeit und literarisch einem wohl öfters idealisierenden Naturalismus zuzuordnen. „Ich habe die hellsten Lichtpunkte dorthin fallen lassen, wo ich glaube, dass das Schöne und Gute steht, damit entschwindende Güter wieder ins Auge und Herzen der der Menschen dringen möchten.“ Seine dezidiert lebensreformerischen Ideen indessen hat er in der 1876 von ihm selbst gegründeten Zeitschrift „Heimgarten“ äußerst beeindruckend nieder gelegt, was am Ende des 19. Jahrhunderts durchaus auch als belehrendes Kalendarium gedacht war. Hier sprach sich der Schriftsteller mutig und wirkungsmächtig in einer damals noch sehr geschlossenen Gesellschaft der k. u. k. Monarchie über Gesellschaft, Gesundheitsreform, Sozialpolitik, Umweltfragen, Bauerntum und interreligiöse Themen aus. Vieles davon ist höchst aktuell, ja geradezu visionär geblieben. Darum wird Rosegger stets ein Zeitgenosse bleiben, obwohl er bereits kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 in Krieglach gestorben ist. Roseggers innerstes Besterben war es, zwischen seiner bäuerlichen Herkunft und der nachmaligen bürgerlichen Existenz soziale Brücken zu schlagen, um eine Harmonie zwischen Geist und Herz zu finden. „Arm ist nicht, wer wenig hat, sondern wer viel braucht.“ Ein großer Philosoph hat es später einmal so formuliert: „ Wege, nicht Werke.“ Eben gerade das trifft auch im besonderen Maße auf den Schriftsteller und Denker Peter Rosegger zu!

Im Wissen um die Bedeutung dieses großen Autors und Visionärs hat das Land Steiermark bereits relativ früh sowohl das Geburtshaus als auch das Landhaus angekauft und als Museen umgestaltet. Manches musste inzwischen rekonstruiert werden, vieles blieb zum Glück erhalten und kann heute museal bestmöglich präsentiert werden. Museen sind das Gedächtnis einer Region, eines Landes, regen zur Besinnung auf kulturelle Werte an und sollten daher nicht ausschließlich nur unter touristischen Aspekten mit allen ihren uneingestandenen Verkürzungen und Klischees („unser Peterl in der Waldheimat“) betrachtet werden. Darum vor allem ging und geht es schließlich den Museumsverantwortlichen.

Im Jahre 1927 erwarb das Land Steiermark das leider schon halb verfallene Anwesen „Kluppeneggerhof“ samt Wald und Flur von der Großgrundbesitzerfamilie Ramsauer. Dazu wurde übrigens schon 1920 im Steiermärkischen Landtag ein entsprechender Antrag eingebracht. Seit 1937 gab es am Alpl dann einen ständigen Verwalter und man kann daher davon ausgehen, dass ab diesem Zeitpunkt ein quasi musealer Betrieb aufrecht erhalten blieb. Viel an Anregung und Initiative hat nicht nur diese Gedenkstätte übrigens auch dem regen Interesse des „Roseggerbundes Waldheimat“ zu verdanken. 1993 war die Landesausstellung diesem großen Sohn der Steiermark gewidmet und es kam daher zu umfangreichen Ergänzungen der Hofanlagen. Zwischen 2010 und 2012 wurden umfangreiche Restaurierungs– und Attraktivierungsmaßnahmen bei den gesamten Hausobjekten und dem Areal selbst vorgenommen, um damit wieder zeitgemäße musealen Standards zu erreichen.

Roseggers 1877 erbautes Krieglacher Landhaus mit dem knapp 20 Jahre später errichteten „Studierhäusl“ wurde im Kriegsjahr 1943 samt Park durch das Land Steiermark von den Nachkommen Roseggers erworben. Bereits im Jahre 1948 wurde dann diese Gedenkstätte als Museum eingerichtet und geführt. 1950 hat das Land schließlich das Grab des Dichters zur bleibenden Betreuung übernommen. Zwischen den Jahren 2004 und 2005 wurden Villa und Museum von Grund auf renoviert, konzeptiv neu aufgebaut und modernisiert, ohne jedoch die im Original erhaltenen Wohnräumlichkeiten des Dichters und seiner Familie irgendwie nur zu verändern. Besonders erwähnenswert ist noch die 1902 durch Initiative und Spendensammlung des Dichters gestiftete „Waldschule“ am Alpl, welche sich heute unter der Obhut der Markgemeinde Krieglach befindet, um dort kulturgeschichtlich sehr bemerkenswerte Schauräume der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können.

Wirklich spannende, zukunftsträchtige Museen, die eben heute von der Bevölkerung angenommen und vor allem von der jungen Generation besucht werden wollen, sollten sich vielleicht weniger als rein belehrende Bildungsstätten verstehen, sondern vielmehr als lebendige Orte der Besinnung, Selbstreflektion und kulturellen Standortbestimmung. Auch hier hat uns Peter Rosegger den Weg gewiesen: „Erziehung ist keine Lehre, sondern ein Beispiel!“ Und nicht zuletzt: „Ich habe nichts gegen das Wissen, aber Weisheit ist mir lieber!“ Ganz in diesem Sinne sollen Idee, Erhaltung und Gestaltung unserer Steirischen Landesgedenkstätten Krieglach und Alpl auch in Zukunft verstanden werden, nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Der Autor Dr. Harald W. Vetter war zwischen 2003 und 2013 Leiter dieser beiden Landesgedenkstätten – Museen.