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Rosegger, Peter #

eigentlich Peter Roßegger
Pseudonyme: P. K. (= Petri Kettenfeier), Hans Malser u.a.


* 31. 7. 1843, Alpl (Krieglach, Steiermark)

† 26. 6. 1918, Krieglach


Erzähler, Lyriker, Publizist, Volksschriftsteller
Vater von Hans Ludwig Rosegger


Peter Rosegger
Peter Rosegger Foto
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Peter Rosegger wurde am 31. Juli 1843 als ältestes von sieben Kindern der Bauern Maria und Lorenz Roßegger im Kluppeneggerhof am Alpl geboren. (Die Schreibung seines Namens änderte er später in "Rosegger" um Verwechslungen zu verhindern.)

Schon früh musste der körperlich eher schwächliche Bub am elterlichen Bergbauernhof mitarbeiten und konnte die Volksschule deshalb nur unregelmäßig besuchen. Dennoch entwickelte er - gefördert von seiner Mutter und unterrichtet von einem pensionierten Schullehrer - eine Leidenschaft für alles Gedruckte. Mit 15 Jahren begann Peter Rosegger selbst zu schreiben.

Weil er körperlich zu schwach war, um Bauer zu werden und für ein Studium zu arm war, absolvierte Peter Rosegger von 1860 bis 1863 eine Lehre als Wanderschneider. Auf der Stör, als er mit seinem Meister von Hof zu Hof wanderte, lernte er Leute und Bräuche kennen.
In seiner Freizeit schrieb er Gedichte und Poesien, die er eines Tages an die Grazer "Tagespost" sandte. Der dortige Redakteur Dr. Adalbert Svoboda erkannte das Talent und veröffentlichte 1864 einen Aufruf zur Förderung des 'steirischen Volksdichters', auf den hin sich mehrere Wohltäter meldeten (u.a. der Großindustrielle Johann Peter Reininghaus, der dem Dichter einen Aufenthalt in Graz ermöglichte). Von 1865 bis 1869 erhielt er - als Gastschüler - kostenlos eine gute Allgemeinbildung an der Grazer Akademie für Handel und Industrie.

Zu dieser Zeit lernte er den Grazer Dichter Robert Hamerling kennen, der ihm 1870 bei seinen ersten Veröffentlichungen ("Tannenharz und Fichtennadeln" und "Zither und Hackbrett") behilflich war.

Ein vom steirischen Landesausschuss bewilligtes Stipendium für drei Jahre ermöglichte es Peter Rosegger, von 1870 bis 1872 zu reisen (nach Deutschland, in die Niederlande, die Schweiz und nach Italien) und die Schriftstellerei hauptberuflich auszuüben.

Zwischen 1871 und 1878 erschien jährlich mindestens ein Band mit Erzählungen, Dorfgeschichten und Reiseskizzen. Peter Rosegger erreichte bald große Popularität und kam durch seine Bekanntschaft mit Ludwig Anzengruber auch in den Kreis der Wiener Literatenszene. Seine zunehmende Schaffenskraft wurde 1872 durch einen Schicksalsschlag unterbrochen: Seine Mutter starb, und er zog sich in seine "Waldheimat" zurück, wo er mit den Skizzen zu "Schriften des Waldschulmeisters" begann.

1873 heiratete er Anna Pichler, die 1875 kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes verstarb. Peter Rosegger versuchte durch intensive Arbeit den Schicksalsschlag zu überwinden, übersiedelte nach Graz und gründete 1876 die Monatszeitschrift "Heimgarten", die zum Forum seiner literarischen und journalistischen Arbeit wurde.
(Hier bezog er selbst Stellung zu aktuellen Streitfragen wie Nationalitätenkampf, Antisemitismus, Bauernsterben und Kirchenpolitik und positionierte sich mit einem deutschnationalistischen Liberalismus. Zu den Autorinnen und Autoren, die Rosegger als Mitarbeiter/innen für den Heimgarten gewinnen konnte, zählten Marie von Ebner-Eschenbach, Ludwig Anzengruber, Wilhelm Busch, Robert Hamerling, Bertha von Suttner, Karl May, Viktor von Geramb, Carmen Sylva (= Königin Elisabeth von Rumänien) und viele mehr. 1910 übernahm sein Sohn Hans Ludwig die Redaktion; 1935 erschien die letzte Heimgarten-Ausgabe. )

1877 erschienen die zwei Bände der Jugenderinnerungen "Waldheimat", die ihm auch finanziellen Erfolg bescherten. Er ließ sich in Krieglach ein Haus nach eigenen Entwürfen bauen und zog dort mit seinen Kindern ein. 1879 heiratete Peter Rosegger ein zweites Mal, die 19jährige Anna Knaur, mit der er drei weitere Kinder hatte.

In den Jahren 1870 bis 1910 hielt Peter Rosegger mehr als 450 Lesungen in Graz, Wien, Prag, Dresden, Hamburg und anderen Städten. Eine Auswahl seiner Erzählungen für die Jugend wurde unter dem Titel "Als ich noch der Waldbauernbub war" (3 Bände, 1899-1902) zu einem der größten Bucherfolge der Zeit.

Gegen Ende des Jahrhunderts übernahm er für sein Schaffen zunehmend die Maximen der Heimatkunstbewegung ("Jakob der Letzte", 1889; "Erdsegen", 1900); in seinem weiteren Werk traten auch antimoderne, deutschnationale Züge hervor ("Mein Himmelreich", 1901).


Nach einer schweren Lungenentzündung 1892 und dem Tod seines Vaters 1893 standen soziale Projekte im Vordergrund, wofür er durch Spendenaufrufe im "Heimgarten" Geld sammelte. In dieser Zeit wurden der Bau der evangelischen Heilandskirche in Mürzzuschlag (1900), der Bau der Waldschule (1902) am Alpl, sowie die Spendensammelaktion zum Wiederaufbau der 1904 abgebrannten Kirche von St. Kathrein am Hauenstein.
(Sehr erfolgreich war 1909 sein Aufruf für den "Deutschen Schulverein Südmark" mit dem Ziel, in den gemischtsprachigen Gebieten der Monarchie deutschsprachige Schulen zu errichten, wodurch er sich aber in dem sich verschärfenden Nationalitätenkonflikt exponierte. Dieser Einsatz verhinderte wahrscheinlich 1913 die Verleihung des Literaturnobelpreises an ihn.)

Am 26. Juni 1918 starb Peter Rosegger in seinem Landhaus in Krieglach, wo sich auch seine Grabstätte befindet.


Peter Rosegger schuf bis zu seinem Tod ein umfangreiches literarisches Werk und wurde 1911, 1913 und 1918 für den Literatur-Nobelpreis nominiert.

Roseggers Werke thematisieren den Gegensatz der scheinbar intakten bäuerlichen Lebenswelt zu den Bedrohungen der Großstadt, wobei im Frühwerk volksaufklärerisch-liberale Züge dominieren. Ihren Reiz beziehen die Geschichten aus vielen humorvoll geschilderten Details des bäuerlichen Lebens. (Besonders populär bis in die Gegenwart sind seine Erinnerungen "Waldheimat", die später unter dem Titel "Als ich noch der Waldbauernbub war" erschienen.)

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges engagierte sich Peter Rosegger, der in den 1890er Jahren noch Bertha von Suttners "Verein der Friedensfreunde" angehört hatte, für die 'deutsch-österreichische Waffenbrüderschaft' - gemeinsam mit dem Priesterdichter Ottokar Kernstock verfasste er 1916 den "Steirischen Waffensegen". Laut Karl Kraus gehörte er durchaus zu den "Hervorragenden unter den 'Wortemachern des Krieges'".

Peter Rosegger setzte sich Zeit seines Lebens mit vielen gesellschaftspolitischen Themen, wie beispielsweise dem Umweltschutz, der Landflucht oder mit Bildungsfragen auseinander. Sein Spätwerk zeigt kulturpessimistische Züge; die Nähe zur "Heimatkunst"-Bewegung begünstigte die spätere Vereinnahmung Roseggers durch den Nationalsozialismus.

1900 - noch zu Lebzeiten des Dichters - wurde die Rosegger-Gesellschaft Mürzzuschlag (RGM) von einem Proponentenkomitee rund um den Mürzzuschlager Hotelier Toni Schruf gegründet. Die Schwerpunkte der Gesellschaft lagen in den ersten Jahren in sozialen und humanitären Aktivitäten und in der Propagierung der Ideen Roseggers und dessen reichen literarischen Schaffens.


Peter Rosegger, Sonderpostmarke 1968
Peter Rosegger, Sonderpostmarke 1968
© Österr. Post

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Ernennung zum Mitglied des österreichischen Herrenhauses auf Lebenszeit, 1876
  • Ehrendoktorate
    • Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg, 1903
    • Ehrendoktorwürde der Universität Wien, 1913
    • Ehrendoktorwürde der Universität Graz, 1917
  • Ehrenmitgliedschaften
    • Londoner "Royal Society of Literature", 1907
    • deutsche Schiller-Stiftung in Weimar
    • allgemeiner Deutscher Sprachverein
  • Ehrenbürger
    • der Stadt Graz
    • der Marktgemeinde Krieglach
    • der Gemeinde St. Kathrein am Hauenstein
  • Preußischer Kronenorden 2. Klasse, 1907
  • Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft, 1913
  • Großkreuz des Franz-Joseph-Ordens, 1918

Peter Rosegger, Sonderpostmarke 1993
Peter Rosegger, Sonderpostmarke 1993
© Österr. Post

  • Außerdem erinnern heute noch zahlreiche Denkmäler und Gedenkstätten an Peter Rosegger
    • Krieglach: Roseggers Landhaus/Sterbehaus, Gedenkstätte
    • Krieglach: Denkmal "Als ich noch der Waldbauernbub war..."
    • Krieglach: Grab Peter Roseggers
    • Alpl: Roseggers Geburtshaus, Kluppeneggerhof
    • Alpl: Waldschule
    • St. Kathrein am Hauenstein: Peter-Rosegger-Denkmal
    • Kapfenberg: Peter-Rosegger-Denkmal
    • Graz: Peter-Rosegger-Denkmal (Roseggergarten, Stadtpark)

  • der Peter-Rosegger-Literaturpreis des Landes Steiermark wird seit 1951 vom Land Steiermark im Gedenken an Peter Rosegger vergeben
  • anläßlich seines seines 50. Todestages und seines 150. Geburtstags erschienen 1968 und 1993 Sonderpostmarken
  • ein 1991 entdeckter Asteroid wurde nach Peter Rosegger benannt
  • zahlreiche Straßen in vielen Orten sind nach Peter Rosegger benannt
  • eine Schutzhütte in den Fischbacher Alpen trägt seinen Namen

Werke (Auswahl)#

Lyrik
  • Zither und Hackbrett, 1870
  • Stoansteirisch, 2 Bände, 1885/89
  • Mein Lied, 1911
  • Steirischer Waffensegen (mit Ottokar Kernstock), 1916

Romane

  • In der Einöde, 1872
    erweitert unter dem Titel Heidepeters Gabriel, 1882
  • Die Schriften des Waldschulmeisters, 1875
  • Der Gottsucher, 2 Bände, 1882
  • Jakob der Letzte, 1888
  • Peter Mayr, der Wirt an der Mahr, 1893
  • Erdsegen, 1900
  • Weltgift, 1903
  • I. N. R. I., 1905
  • Die Försterbuben, 1908
  • Die beiden Hänse, 1912

Erzählungen und Skizzen

  • Tannenharz und Fichtennadeln, 1870
  • Geschichten aus Steiermark, 1871
  • Sittenbilder aus dem steierischen Oberlande, 1870
  • Geschichten aus den Alpen, 2 Bände, 1873
  • Streit und Sieg, 1876
  • Allerhand Leute, 1888
  • Der Schelm aus den Alpen, 1890
  • Der Waldvogel, 1896
  • Das ewige Licht, 1897
  • Steirische Geschichten, 1903
  • Als ich noch der Waldbauernbub war, 1902
  • Wildlinge, 1906
  • Lasset uns von Liebe reden, 1909

Autobiografische Werke

  • Waldheimat, 1877
    später unter dem Titel "Als ich noch der Waldbauernbub war", 3 Bände, 1900/02
  • Jakob der Letzte, 1888
  • Mein Himmelreich. Bekenntnisse, Geständnisse und Erfahrungen aus dem religiösen Leben, 1901

Ausgaben

  • Gesammelte Werke, 40 Bände, 1913-16
  • Gesammelte Werke, herausgegeben von J. Perfahl, 4 Bände, 1989
  • Das Leben in seinen Briefen, herausgegeben von O. Janda, 1943

Literatur#

  • C. Anderle, Der andere Rosegger, 1983
  • K. Wagner, Die literarische Öffentlichkeit der Provinzliteratur. Der Volksschriftsteller P. Rosegger, 1991
  • E. Philippoff, P. Rosegger. Dichter der verlorenen Scholle, 1993
  • G. Schöpfer (Hg.), P. Rosegger 1843-1918, Ausstellungskatalog, Krieglach, Birkfeld, St. Kathrein 1993
  • W. Schmidt-Dengler (Hg.), P. Rosegger im Kontext, 1999

Weiterführendes#

Quellen#

Redaktion: I. Schinnerl