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Goldenes Weiz#

Steirische Stadt als Sieger aller Klassen.#


Mit freundlicher Genehmigung der Wiener Zeitung, 24. Jänner 2018

Von

Alexander Maurer


Weiz
Ein strahlendes Weiz sorgte bei der Siegerehrung für strahlende Gesichter bei seinen Gemeinde-Vertretern.
Foto: © Harald Eisenberger

Die Freude steht Erwin Eggenreich förmlich ins Gesicht geschrieben. Denn das steirische Weiz, dem er als Bürgermeister vorsteht, ist großer Sieger des Gemeindewettbewerbs und hat sich gegen 39 andere Orte durchgesetzt. Die Gemeinde räumte nicht nur Silber in der Kategorie Gebäudesicherheit sowie Gold bei der Versorgungssicherheit ab - sie nahm auch den Gesamtsieg mit nach Hause.

Aber was macht Weiz nun zur Vorbildgemeinde? "Ich weiß nicht, ob wir etwas besser machen als andere. Jedenfalls versuchen wir, uns weiterzuentwickeln, sei das nun bei Arbeit, Lebensqualität, Bildung oder Freizeit. Wir nehmen dafür auch sehr viel Zeit, Energie und natürlich auch Geld in die Hand, um vorwärts zu kommen", betont Eggenreich.

Nicht nur der Status als eine der österreichischen Gemeinden mit starker Finanztransparenz spricht für Weiz. Die Verwaltung wird intern auch sehr offen angelegt, sei es nun durch Kontrollsysteme oder die Selbständigkeit der einzelnen Abteilungen. Weiz kann laut Eggenreich auch noch in zwei weiteren Bereichen punkten. "Da wäre einerseits eine Vielzahl an Spielplätzen, die wir in den vergangenen zwei Jahren errichtet haben", meint er. Dabei war es der Stadt wichtig, den Kindern nicht nur einen Ort zum Spielen, sondern auch zum spielerischen Lernen zu bieten. Daher wurde der "funergy-Park" ins Leben gerufen, an dessen Gestaltung und Umsetzung sowohl das steirische Kindermuseum "Frida und Fred" sowie einige Lehrer beteiligt waren.

Physikalische Prozesse sind in den Spielgeräten anschaulich umgesetzt, seien es nun Geräte wie die Energiemaschine, der Adlerhorst oder die Boulderwand.

Konzernstandort#

Andererseits arbeitet die Stadt fieberhaft daran, ihre Verkehrsanbindung zu verbessern. Dafür wird aktuell eine 100 Millionen Euro teure Ortsdurchfahrt gebaut, von der die Stadt 20 Prozent der Kosten trägt. "Wir haben den ersten Teil vorfinanziert, damit unsere Betriebe Sicherheit haben, denn das betrifft mehr als 2500 Menschen", erläutert Eggenreich.

Die Ortsdurchfahrt soll den Transport der in der Stadt hergestellten Großprodukte gewährleisten. Dabei geht es einerseits um Transformatoren und Generatoren, die Siemens in seinem Werk in Weiz herstellt. Dabei handelt es sich um das weltweit größte Transformatorenwerk des Konzerns, welches seit 125 Jahren in Weiz besteht.

Aber auch Autohersteller Magna Steyr hat sich in der oststeirischen Gemeinde mit einer Tochterfirma niedergelassen, die auf die Herstellung von Tanks und Verschlüssen spezialisiert ist. Den Spitzenplatz in der Kategorie Versorgungssicherheit hat sich die Stadt wahrscheinlich vor allem durch Innovationen im Bereich der Wassersicherheit verdient, ist Erwin Eggenreich überzeugt.

"Wir versorgen 50.000 Menschen mit frischem Trinkwasser. Für Wiener Dimensionen ist das nicht viel, aber für uns ein wesentlicher Bereich", sagt der Bürgermeister. Denn die Oststeiermark werde von Jahr zu Jahr trockener. Als Grund dafür sieht Eggenreich auch das Sturmtief "Paula", das 2008 auch in dieser Region wütete und das Alpenland verwüstete. "Seitdem sickert das Regenwasser zu schnell ab", meint er.

Regenfälle seien überdies oft so stark, dass sich das Wasser eintrübt und keine Trinkwasserqualität mehr hat. "Früher haben wir die Leitung in diesen Fällen einfach weggeschaltet. Aber nun haben wir als erste Gemeinde in ganz Österreich ein Ultrafiltrationssystem eingebaut", erklärt er stolz. Dadurch könne das Regenwasser gesäubert und trinkbar gemacht werden.

Eine Zuzugsgemeinde#

"Eine der wesentlichen Aufgaben ist es, den Menschen Sicherheit zu geben, damit sie dort leben und alt werden können, wo sie möchten. Damit ihre Kinder gute Ausbildungsplätze haben und behütet groß werden können. Darum muss sich eine Gemeinde einfach kümmern", sagt Eggenreich. Weiz verfügt auch aktuell über gute Wirtschaftsdaten: Beispielsweise war die Arbeitslosenquote zuletzt auf 2,9 Prozent gesunken. "Ich denke, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass es uns gut geht. Wir müssen uns jetzt eher darum kümmern, wie wir mehr Menschen in die Gemeinde bekommen", so der Bürgermeister.

Gemeinsam mit den ansässigen Betrieben soll der künftige Fokus auf Forschung und Entwicklung sowie Aus- und Weiterbildung gelegt werden. Das alles soll die aktuell 11.500 Einwohner große Stadt für neue Bürger attraktiver machen. Eggenreich steht dazu, dass Weiz eine Zuzugsgemeinde ist. "Nicht in dem Maß, dass man es nicht mehr unter Kontrolle bekommt, aber das ist Tatsache", sagt er.

Wiener Zeitung, 24. Jänner 2018