unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
15

Vernissage im Schloss Freiberg als Teil der "Kulturinitiative Fokus Freiberg"#

... organisiert vom Ewald Ulrich in den Räumen seiner Firma im Schloss.

Schloss Freiberg
Schloss Freiberg. Foto: H. Maurer, 2018

Am Samstag, 25. März 2017 fand die Vernissage "Mythologische Metamorphosen" mit Bildern von MR Dr. Robert Kristöfl im Schloss Freiberg bei Gleisdorf, in den Räumen der Firma ANA-U statt.

Organisiert und gesponsert wird die Ausstellung vom Chef der Firma Ewald Ulrich im Rahmen der "Kulturinitiative Fokus Freiberg" als Veranstalter,siehe die Webseite.

Die Bilder wurden einerseits als Originale ausgestellt, andererseits wurden sie in mehren Räumen gleichzeitig projiziert. Dazu lasen 9 verschiedene Personen dazugehörende Sagen aus der griechischen Mythologie um die Bildmotive leichter zu verstehen. Es gab einen musikalischen Auftakt mit Trompete von Professor DI Werner Krausler, und kurze passende Musikstücke vor der Vorstellung jedes Bildes.

Professor Maurer hatte die Ehre, eine Laudatio auf seinen Freund Robert halten zu dürfen und das erste Bild durch die entsprechende Geschichte über das Goldene Zeitalter zu ergänzen. Hermann Maurer und Martin Krusche werden neben der virtuellen Präsenz des Austria-Forums im WWW auch eine reale Komponente als Austria-Forum-live mit Veranstaltungen vor allem im Raum Gleisdorf ins Leben rufen. Sie freuen sich, dass Ewald Ulrich und Robert Kristöfl spontan Ihre Unterstützung für das Vorhaben zugesagt haben. Schloss Freiberg und das Organisationstalent Ewald Ulrich werden so wohl wahrscheinlich auch da und dort in die Veranstaltungsreihe einbezogen werden.

Wenn Austria-Forum-Life so erfolgreich verlaufen wird wie die Vernissage wird es bald genau so bekannt sein wie seine virtuelle Komponenten.

Es wird sich an der tollen Vernissage ein Vorbild nehmen: Über hundert Besucher und langer Applaus, für den Künstler, den Organisator, die Musik und die Vorleser!


Ewald Ulrich
Ewald Ulrich, Foto: ANA-U
Bürgermeister Peter Moser und Robert Kristöfl
Bürgermeister Peter Moser und Robert Kristöfl, Foto: Martin Krusche
Werner Krausler und Robert Kristöfl
Werner Krausler und Robert Kristöfl, Foto: Martin Krusche
Ewald Ulrich und Hermann Maurer
Ewald Ulrich und Hermann Maurer, Foto: Martin Krusche
Martin Krusche
Martin Krusche
Foto: Archiv Krusche


Mythologische Metamorphosen#

Prolog#

Das goldene Zeitalter der Titanen#

Kronos und Rhea thronen auf der schwimmenden Erde Gaia – umgeben von den Titanen
Kronos und Rhea thronen auf der schwimmenden Erde Gaia – umgeben von den Titanen
Bild: © Robert Kristöfl

Am Anfang herrschte das Chaos, ein Zustand der vollständigen Unordnung und einer unheimlichen Leere. Aus diesem Chaos gingen fünf Urgottheiten hervor:

  • Gaia, Göttin der Erde als kreisende schwimmende Scheibe im Meer
  • Nyx, Göttin der Nacht
  • Erebos, Gott der Finsternis
  • Tartaros Gott der Unterwelt
  • Eros, Gott der Liebe

Uranus, Gott des Himmelgewölbes war der Erstgeborene von Gaia. Seine Zeugung erfolgte durch den Schöpfer- und Liebesgott Eros über eine göttlich vollzogene Empfängnis.

Aus der Vereinigung von Gaia und Uranos entstanden die riesigen Zyklopen und Hundertarmigen sowie das Geschlecht der zwölf Titanen. Uranos hasste seine Kinder und stieß eines nach dem anderen in die Unterwelt. Gaia stiftete deshalb die Titanen an, Uranos zu entmachten. Der jüngste Sohn Kronos fasste sich Mut und entmannte seinen Vater mit einem Sichelhieb und übernahm seine Herrschaft. Aus dem Glied und Samen, die ins Meer fielen, erwuchs die schaumgeborene Liebesgöttin Aphrodite. Aus dem Blut, das auf die Erde tropfte, entstanden die Erinnyen, die unbarmherzigen Rachegöttinnen Kronos zeugte mit Rhea drei Söhne: Poseidon, Hades und Zeus sowie drei Töchter: Hera, Demeter und Hestia. Aus Angst selbst entmachtet zu werden, fraß Kronos alle seine Kinder auf bis auf seinen jüngsten Sohn Zeus. Dieser wurde bis er zum Jüngling heranwuchs vor Kronos in einer Höhle auf Kreta versteckt.

Obwohl Kronos zu seinen Kindern äußerst grausam war, verlief das damalige Leben für die Menschheit sorglos und friedfertig. Zwiespalt, Verbrechen und Kriege waren unbekannt, gesetzliche Regelungen waren überflüssig. Diese friedliche Urphase wurde als das goldene Zeitalter bezeichnet und kommt dem Paradies des alten Testamentes sehr nahe. So heißt es eben schon am Anfang der Metamorphosen bei Ovid:
Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
poena metusque aberant, nec verba minantia fixo
aere legebantur, nec supplex turba timebat
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.

...Zeilen die viele von uns aus dem Lateinunterrichtnoch noch immer auswendig kennen.

Es herrschte das ganze Jahr über Frühling, am 12. Tag des ersten Monats wurde das Fest zu Ehren des Kronos gefeiert. Ein Hauptmerkmal dieser Kronia war die vorübergehende Aufhebung der gesellschaftlichen Ordnung. Ausgelassenheit und reichlicher Weingenuss erleichterten die geschlechtlichen Zuneigungen und gegenseitigen Kontakte.

I) Chelones Weigerung und Bestrafung#

Die unschuldige Jungfrau Chelone wird von Hermes als Bestrafung in eine Schildkröte verwandelt
Die unschuldige Jungfrau Chelone wird von Hermes als Bestrafung in eine Schildkröte verwandelt
Bild: © Robert Kristöfl

Zeus konnte auf Kreta ungestört heranwachsen und entwickelte sich zum gewaltigsten unter allen Göttern. Er befreite seine Geschwister und entriss seinem Vater Kronos durch List und Gewalt die Herrschaft über die Welt. Mit dem Sturz der Titanen endete das goldene Zeitalter und das silberne Zeitalter begann.

In dieser Epoche trat ein zunehmender moralischer Verfall ein. Macht- und Besitzgier kamen auf und verstärkten sich. Die bisher angenehmen Lebensbedingungen verschlechterten sich drastisch. Diese Epoche glich der Vertreibung aus dem Paradies.

Zeus als Göttervater und mächtigster Gott herrschte fortan in der Oberwelt über Himmel und Erde, Poseidon bekam das Meer und Hades die Unterwelt. Zeus residierte mit seiner Schwester und Gemahlin Hera, sowie mit drei seiner Geschwister (Poseidon, Demeter und Hestia) und sieben seiner Kinder (Apollon, Artemis, Athene, Ares, Aphrodite, Hermes, Hephaistos) auf dem Götterberg Olymp. Diese 12 olympischen Götter stiegen als mächtigste Hauptgötter auf und etablierten sich als die neuen Herrscher.

Das neue Göttergeschlecht war allerdings nicht mehr allmächtig und unfehlbar. Die Götter glichen den Menschen sowohl im Aussehen als auch im Verhalten. Sie waren allgegenwärtig und mischten sich sowohl ins Alltagsleben als auch in Kriege direkt ein. Sie hatten ihre Fehler, waren zornig, hinterlistig sowie rachsüchtig und legten größten Wert auf die ihnen gebührende Verehrung. Es war ratsam, die Götter nicht zu hintergehen, da sie oft sehr heftig reagierten und zu manch großem Unglück führten.

Zeus war ein Meister der List und Verwandlungskünste und nützte diese ziemlich oft für seine zahlreichen Seitensprünge in Form verschiedener Tiergestalten sowie als goldener Regen oder Feuer aus. Er verwandelte aber auch andere aus Schutzoder Rachegründen. Die schöne Jungfrau Io wurde in eine Kuh verwandelt, kurz bevor ihn seine eifersüchtige Hera bei seinem Seitensprung überraschen konnte. Den hinterlistigen Arkardierkönig Lyakon verwandelte er beispielsweise in einen Wolf, nachdem er von ihm aus Bosheit Menschenfleisch zum Essen vorgesetzt bekam. Er selbst wurde auf Kreta von der Nymphe Almatheia aufgezogen, die von seiner Mutter aus Schutz vor seinem Vater in eine göttliche weiße Ziege verwandelt wurde.

Im Garten der Hesperiden verliebte sich Zeus Hals über Kopf in seine Schwester Hera. Als die Schutzgöttin und Verteidigerin der Ehe seine Annäherungen nicht erwiderte, griff er zu einer List, in dem er sich in einen Kuckuck verwandelte.

Während Hera das verschreckte Tier aufhob, nahm Zeus seine Gestalt wieder an und überwältigte seine überraschte Schwester. Aus Scham willigte sie letztendlich in eine Ehe mit ihm ein.

Zur pompösen Hochzeit wurden neben allen Gottheiten auch die schönsten Jungfrauen des Landes geladen. Da die Jungfrau Chelone die beabsichtigten Nachstellungen des Zeus durchschaute und die Strafe der eifersüchtigen Hera fürchtete, blieb sie dieser Hochzeit einfach fern. Der Göttervater zürnte wegen dieser Abweisung und seiner entgangenen Chance und befahl den Götterboten Hermes, Chelone zu bestrafen und in ein Tier seiner Wahl zu verwandeln. Der listige Hermes wählte dafür die Schildkröte, da er schon in seiner Kindheit Schildkrötenpanzer immer wieder als Resonanzkörper für seine von ihm erfundene Leier verwendete.

II) Demeters Burn-Out#

Demeter ist verbittert über den Raub ihrer Tochter und verbietet den Pflanzen zu wachsen – es entstehen Dürre und Hungersnot
Demeter ist verbittert über den Raub ihrer Tochter und verbietet den Pflanzen zu wachsen – es entstehen Dürre und Hungersnot
Bild: © Robert Kristöfl

Zeus zeugte mit seiner Schwester Demeter die Fruchtbarkeitsgöttin Persephone. Als junge Frau herangewachsen, verliebte sich ihr eigener Vater in sie. In der Gestalt einer Schlange kroch Zeus in die Fruchtbarkeitsgöttin und zeugte mit ihr Zagreus. Dieser Jüngling hatte von Geburt an einen Stierkopf und konnte sich zur Verteidigung in verschiedene Tiergestalten verwandeln.

Persephone wurde auch von Hades begehrt. Unter Duldung von Zeus konnte er sie in seine Unterwelt entführen. Demeter, ihre Mutter und Göttin für die Fruchtbarkeit der Erde, verbot nach dieser Entführung aus Gram allen Pflanzen weiter zu wachsen. Die Erde schlitterte in ein riesiges „Burn-Out“, es entstanden große Dürre und Hungersnot. Als sich keine Tiere mehr vermehrten und die Menschen anfingen zu sterben, musste Zeus einlenken und Hades zu einem Kompromiss überreden. Als Einigung durfte Persephone von nun an einen Teil des Jahres bei ihrer Mutter auf der Erde verbringen, die restliche Zeit musste sie als Königin in der Unterwelt verbleiben.

Damit entstanden neben dem bisherigen Dauerfrühling die zwei weiteren Jahreszeiten Sommer und Winter. Der heute übliche Herbst war damals noch unbekannt.

Während des Aufenthaltes von Persephone bei Demeter auf der Erde gab es den warmen und fruchtbaren Sommer. Mit dem Wechsel in die Unterwelt folgte der kalte, unfruchtbare und entbehrungsreiche Winter.

Für diese Neuordnung der Jahreszeiten kümmerten sich von nun an die Horen. Thallo galt als Göttin des Frühlings, der Knospen und Blüten, Auxo als Göttin des Wachstums und Carpo als Göttin der Früchte und Ernte.

III) Die Moiren - oberste Schicksalsinstanz#

Die drei Moiren Klotho, Lachesis und Atropos mit dem Neugeborenen am Schicksalsfaden und Gängelband
Die drei Moiren Klotho, Lachesis und Atropos mit dem Neugeborenen am Schicksalsfaden und Gängelband
Bild: © Robert Kristöfl

Die große Machtfülle und Willkür der Götter wurde durch eine übergeordnete Schicksalsmacht eingeschränkt und in Grenzen gehalten. Die Moiren, Töchter der Urgöttin Nyx, lenkten die Geschicke sowohl der Menschheit als auch die der Gottheiten Diesen drei Schicksalsgöttinnen Klotho, Lachesis und Atropos musste sich sogar der mächtige Zeus beugen. Ein einmal beschlossenes und vorherbestimmtes Schicksal war auch für ihn bindend und seiner Entscheidung entzogen.

Klotho war die jüngste der drei Schwestern und legte dem Neugeborenen die Bestimmung und das Los für das kommende Leben in die Wiege. Sie spann den Lebensfaden und ließ das Garn des Lebens entstehen. Sie bestimmte den Zeitpunkt der Geburt und wirkte als Geburtshelferin. Sie war die Göttin der Vergangenheit, da sie den künftigen Schöpfungsimpuls aus dem bereits vergangenen Umfeld und den vorliegenden Gegebenheiten ableitete. Lachesis teilte den Lebensfaden zu und bemaß dessen Länge. Sie formte das werdende Schicksal während des Lebens und symbolisierte damit die Gegenwart. Sie lebte im hauchdünnen Bereich zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und diese Zukunft begann mit dem nächsten Atemzug, der Atemzug davor war schon wieder Vergangenheit.

Die Greisin Atropos setzte die Zwänge des Schicksals unerbittlich um und schnitt schlussendlich den Lebensfaden ab. Als Schicksalsgöttin der Zukunft bestimmte sie den Zeitpunkt des bevorstehenden und unabwendbaren Todes. Sie galt damit als Göttin des Unglücks, des Vergehens und der Auflösung. Sie gab dem Gift der Tollkirsche ihren Namen – Atropin.

Für gewöhnlich wurde das jeweilige Schicksal von den Moiren vorherbestimmt. Manchmal war es aber nicht fixiert und unausweichlich. Oftmals schickten sie warnende Gedanken aus, die als innere Stimme oder Gewissen wahrgenommen wurden. Damit konnten Menschen immer wieder mit dem Segen der Moiren ihr Leben selbst beeinflussen und zum Guten wenden.

Handelte aber ein Mensch dem entgegen, so wurde das weitere Schicksal selbst verschuldet. Hier wirkten dann in Folge Nemesis, Göttin der Gerechtigkeit und Vergeltung, Aidos, Göttin des Gewissens und der Sittsamkeit sowie die Erinnyen, die gefürchteten Rachegöttinnen.

Schicksalsgöttinnen finden sich auch in vielen anderen Mythen wieder: als römische Parzen, nordische Nornen, keltische Bethen, slawische Zorya und als baltische Laima.

IV) Der Höllenhund Cerberos#

Der Höllenhund Cerberos stellt sich dem listigen und trickreichen Sisyphos beim Eingang zur Unterwelt entgegen
Der Höllenhund Cerberos stellt sich dem listigen und trickreichen Sisyphos beim Eingang zur Unterwelt entgegen
Bild: © Robert Kristöfl

Als dämonischer und grauenerregender Höllenhund bewachte Cerberos den Eingang zur Unterwelt, die von Hades und Persephone beherrscht wurde. Dieser schreckliche Wachhund hatte die Aufgabe, keinen Lebenden in das Totenreich hinein und keinen Toten daraus wieder zurückkehren zu lassen. Sein ganzer Körper bestand aus Schlangenhaaren und am Schwanz befanden sich gefräßige Schlangen. Diese verschlangen all diejenigen, die zu fliehen versuchten. Sein Atem war tödlich, sein Bellen metallisch. Aus seinem Speichel und Geifer entstand die todbringende giftige Pflanze Wolfswurz oder Eisenhut.

Die Grenze zwischen Leben und Tod sollte unüberwindlich sein und war nur in eine Richtung für den Übergang vom Leben in den Tod vorgesehen. Diese Überquerung von der Ober- in die Unterwelt erfolgte mit dem Boot des düsteren und greisen Fährmannes Charon. Als Obolus für diese Überfuhr über den Grenzfluss Styx musste unter die Zunge des Toten eine Münze beigelegt sein. Nicht bestatteten Toten, die das Grabesritual nicht erhalten konnten, wurde die Überfahrt verwehrt. Hundert Jahre mussten diese am Grenzfluss ausharren, bis ihnen letztendlich doch der Einlass gewährt wurde.

Beim Eintritt in die Unterwelt entschied das Totengericht über das weitere Schicksal der jeweiligen Seele. Die meisten Seelen kamen in das Elysion und existierten dort als scheue Schatten in ewiger Glückseligkeit. Diese Insel der Seligen wurde von Lethe umflossen, dem Fluss des Vergessens.

Diejenigen, die schwere Verfehlungen begangen hatten, kamen hingegen in den Tartaros, der tiefsten und unheimlichsten Region der Unterwelt. Diese Frevler mussten hier die größten Strafen und Qualen erleiden. Dieser Bereich wurde von einem Flammenfluss umgeben und diente Zeus als Verbannungsort für Missetäter, Verräter und Mörder.

Nur wenigen Helden gelang es, Cerberos zu überlisten, indem sie in die Unterwelt eindrangen und lebend wieder verlassen konnten:

  • Orpheus, der berühmte Sänger, konnte den Höllenhund mit seinem Lyraspiel und seinem Gesang ablenken, als er seine Gemahlin Eurydike vergeblich versuchte aus der Unterwelt zurückzuholen.
  • Herakles musste als letzte seiner 12 Aufgaben Cerberos mit List und Kraft überwältigen und ihn in die Oberwelt entführen.
  • Als Theseus seinen Freund unterstützen wollte, Persephone, die Gemahlin Hades zu rauben, wurden beide in der Unterwelt gefangen gehalten. Erst Herakles konnte Theseus aus dieser Gefangenschaft wieder befreien.
  • Dem gerissenen Sisyphos gelang es mehrfach den Tod Thanatos zu überlisten. Einmal konnte er ihn sogar fesseln, sodass eine ganze Weile niemand mehr sterben konnte. Nachdem er im Totenreich festgehalten wurde, gelang es ihm erneut, mit List ins Leben zurückzukehren. Als Strafe für seine vielen Freveltaten wurde ihm aber im Tartaros letztendlich die nicht enden wollende Sisyphosarbeit mit dem immer wieder zurückrollenden Stein aufgebürdet.

V) Tantalos’ Buckelqualen#

Tantalos im Tartaros mit den auferlegten Qualen. Obwohl er mitten im Wasser steht, senkt sich jedes Mal der Wasserspiegel, sobald er sich bückt um zu trinken. Über ihn drohen Felsblöcke herunterzustürzen und ihn zu zerschmettern.
Tantalos im Tartaros mit den auferlegten Qualen. Obwohl er mitten im Wasser steht, senkt sich jedes Mal der Wasserspiegel, sobald er sich bückt um zu trinken. Über ihn drohen Felsblöcke herunterzustürzen und ihn zu zerschmettern.
Bild: © Robert Kristöfl

Tantalos zählte zu den bekanntesten Frevlern, die im Tartaros zu ewigen Qualen verurteilt wurden. Er wurde als Sohn des Zeus und der Titanin Pluto geboren. Bei den Göttern erfreute er sich wegen seiner Klugheit großer Beliebtheit und durfte deshalb immer wieder bei den göttlichen Feiern teilnehmen. Sein Übermut führte ihn aber dazu, den Göttern Nektar und Ambrosia zu stehlen und damit Unsterblichkeit zu erlangen. Bei einer Gegeneinladung wollte er die Allwissenheit der Götter auf die Probe stellen. Er zerstückelte seinen eigenen Sohn Pelops und setzte ihnen diesen als Mahl vor. Zeus bemerkte sofort den Betrug und verstieß ihn daraufhin in den Tartaros. Dort wurde er für seine Vergehen zu drei ewigen Qualen verurteilt. Er musste bis zu den Hüften im Wasser stehen und wurde von Hunger und Durst geplagt. Die über ihn stehenden fruchtbeladenen Zweige schnellten hinweg, sobald er nach ihnen griff. Der Wasserspiegel senkte sich, sobald er sich bückte und zu trinken versuchte. Über ihn schwebten riesige Felsblöcke, die ihn zu zerschmettern drohten.

Auch seine Familie traf der Fluch der Götter. Dieser Tantalidenfluch führte noch nach Generationen zu einer unheilvollen Folge von Gewalt und Verbrechen. Zahlreiche Familienmitglieder wurden von eigenen Familienangehörigen aus Rache und Hass getötet. Agamemnon, der arrogante Oberbefehlshaber und Anführer der Griechen im trojanischen Krieg, traf es als letzten in dieser langen Kette an innerfamiliären Morden. Er wurde bei seiner Rückkehr aus dem langen Krieg von seiner Ehefrau und deren Geliebten hinterrücks ermordet. Diesen Meuchelmord rächte letztendlich sein Sohn Orest, indem er seine Mutter mit ihrem Geliebten tötete. Nach langer Verfolgung von den Rachegöttinnen konnte dieser Muttermord wieder gesühnt werden und beendete somit nach Ende des trojanischen Krieges den Tantalidenfluch.

VI) Medusas Freud#

Medusa war die Tochter des Meerungeheuers Keto und des greisen Meeresgottes Phorkys. Während ihre Schwestern alle bereits missgestaltet geboren wurden, war sie ursprünglich eine betörende Schönheit. Aber als sie von Pallas Athene, der olympischen Göttin der Weisheit und der Kunst in ihrem Tempel beim Liebesspiel mit Poseidon überrascht wurde, traf sie eine harte Strafe. Pallas Athene verwandelte sie gemeinsam mit ihren beiden Schwestern in schreckliche Ungeheuer mit Schlangenhaaren, glühenden Augen, heraushängenden Zungen und Schuppenpanzern. Die als Gorgonen bezeichneten Schreckgestalten hausten von nun an am Rande der damals bekannten Welt im Atlasgebirge in einer schwer zugänglichen Höhle.

Versteinerung des Helden durch den Medusenblick
Versteinerung des Helden durch den Medusenblick
Bild: © Robert Kristöfl

Die Graien, drei weitere Schwestern, waren bereits von Geburt an alt und grauhaarig. Sie teilten sich gemeinsam ein Auge und einen Zahn, die sie sich gegenseitig nach Bedarf überließen. Sie wohnten in einer Höhle am Fuße des Atlas und bewachten den Weg zu den Gorgonen.

Medusa war besonders gefürchtet, da sie jeden, der sie anblickte, augenblicklich zu Stein erstarren ließ. Zahlreiche Helden versuchten ihr Glück und verloren dabei auf grausame Weise ihr Leben. Sie versteinerten beim Versuch, Medusas Haupt abzuschlagen, nachdem sie von ihr mit Schlangengriff umschlungen wurden und sich ihres Blickes nicht mehr erwehren konnten.

Perseus gelang es letztendlich Medusa mit Unterstützung eines verspiegelten Schildes der Pallas Athene, der Tarnkappe des Hades und den Laufschuhen des Hermes zu enthaupten. Durch den indirekten Blick über das Spiegelbild seines Schildes entging er den tödlichen Medusenblick. Dem toten Rumpf der Medusa entsprang das geflügelte Pferd Pegasos.

Pallas Athene begehrte das abgeschlagene Medusenhaupt für ihr aus goldenem Ziegenfell gefertigten Schildes Aigis. Mit diesem wollte sie als Kriegsherrin unbezwingbar werden, indem die jeweiligen Gegner während des Kampfes erstarrten und versteinerten.

In der Psychoanalyse wurde die Enthauptung Medusas von Freud als Kastrationsangst gedeutet. Kopfabschneiden und Enthauptung der phallischen Schlangensymbole wurde dem Kastrieren gleichgesetzt. Der Medusenblick mit der darauffolgenden Versteinerung löste allerdings einen kurzen Moment genau das Gegenteil aus – die Erektion.

VII) Herakles’ Delirium#

Als sich die Menschen von den Göttern zunehmend abwandten und ihnen die gebührende Verehrung verweigert wurde, begaben sich Zeus und Hermes unerkannt auf Wanderschaft, um sich selbst von dieser scheinbar unaufhaltsamen Abkehr und Ignoranz zu überzeugen. Als ihnen unterwegs bis auf ein altes Ehepaar nirgends Gastfreundschaft und Bewirtung entgegengebracht wurde, beschloss Zeus dieses undankbare und verkommene Menschengeschlecht mit einer Sintflut auszulöschen. Das alte bescheidene Ehepaar Philemon und Baucis entgingen als einzige der Bestrafung und durften am Ende ihres Lebens als zwei ineinander verschlungene Bäume verwandelt für ewig vereint bleiben.

Herakles nach dem Wahnsinnsanfall verfolgt von Reue und Gewissensbissen
Herakles nach dem Wahnsinnsanfall verfolgt von Reue und Gewissensbissen
Bild: © Robert Kristöfl

Mit dieser Sintflut endete das silberne Zeitalter. Im darauffolgenden bronzenen Zeitalter sollte alles vollkommener und besser werden. Doch schon bald zeigte sich, dass das neue Menschengeschlecht dieser Zielsetzung wieder in keinster Weise entsprach. Es eskalierte immer mehr die rohe Gewalt, die in unzählige Auseinandersetzungen bis hin zu den grausamsten Kriegen mündete.

Zeus versuchte immer verzweifelter dem entgegen zu wirken und weiterhin die Oberhand zu behalten. Eine Konsequenz daraus war die Verlagerung seiner Seitensprünge von der Oberwelt auf die Erde. Er zeugte mit vielen Sterblichen eine große Schar an Halbgöttern und großen Heroen, denen er seine edlen Gene weitergeben konnte. Damit etablierte er eine erste adelige Herrschaftshierarchie und eine neue politische Gesellschaftsstruktur.

Ein für seine Stärke berühmter Heros aus Theben war Herakles, Sohn des Zeus und der Alkmene. Zeus näherte sich Alkmene in der Gestalt ihres eigenen Ehemannes Amphitrion. Obwohl betrogen, verzieh dieser seiner überrumpelten Frau den Seitensprung und zeugte mit ihr Herakles Zwillingbruder Iphikles. Der Erstgeborene sollte nach der Bestimmung des Götterrates Herr über Mykene werden. Hera, die eifersüchtige Gemahlin von Zeus, gönnte aber dem Sohne ihrer Nebenbuhlerin diese Ehre nicht. Sie vereitelte diese Bestimmung, indem sie die Wehen von Alkmene verzögerte und dadurch der Anverwandte Eurystheus vor Herakles zur Welt kam. Eurystheus wurde hiermit zum Thronerben, Herakles hatte das Nachsehen.

Alkmene fürchtete sich vor weiteren Racheverlangen Heras und setzte deshalb ihren Sohn Herakles in der Wildnis aus. Seine Halbschwester und Göttin Pallas Athene nahm sich seiner an und brachte ihn einmal ihrer nichtsahnenden Mutter Hera. Als Hera ihn aus Mitleid säugte, erhielt Herakles durch die göttliche Milch seine übernatürlichen Kräfte.

In seiner Jugend wurde er in die Künste des Ringens, Faustkampfes, Bogenschießens und Wagenlenkens eingeweiht. Mit den ersten kleineren Heldentaten gewann er rasch an Bekanntheit und erlangte immer mehr an Ruhm. Der inzwischen zum König ernannte Eurystheus befahl ihm aus Neid, als Untertan in seine Dienste zu treten. Herakles erschien dieser Frondienst aber zu unwürdig und verweigerte einfach diesen Befehl. Die rachsüchtige Hera nutzte diese Gelegenheit und versetzte ihn kurzerhand in einen Tobsuchtsanfall. Während dieser Wahrnehmungsstörung erschoss er mit Pfeil und Bogen seine Frau und seine drei Kinder im Glauben, feindliche Giganten vor sich zu haben.

Nachdem dieses kurze Delirium wieder vorbei war und er die Folgen seines Irrtums erkennen musste, fiel er in eine tiefe Depression voller Reue und Hilflosigkeit. In dieser aussichtslosen Situation wurde ihm geraten, das Orakel von Delphi aufzusuchen und zu befragen. Zur Sühne musste er zwölf Jahre in den Dienst des Eurystheus treten und zwölf übernatürliche Aufgaben verrichten. Mit jeder erledigten Heldentat wuchs sein Ruhm und seine Bekanntheit reichte bald weit über alle Grenzen.

Obwohl Hera die ganze Zeit versuchte, den Erfolg Herakles zu vereiteln, erlangte er schlussendlich doch die Unsterblichkeit und durfte ehrenvoll in den Olymp aufsteigen.

VIII) Lohengrin meets Dionysos#

Lohengrin versenkt den verzauberten Schwan vor der sterbenden Elsa, Dionysos wird zeitversetzt vom zweimal zum dreimal Geborenen
Lohengrin versenkt den verzauberten Schwan vor der sterbenden Elsa, Dionysos wird zeitversetzt vom zweimal zum dreimal Geborenen
Bild: © Robert Kristöfl

Zeus verwandelte sich für Semele als Sterblicher, um die Frau, die er begehrte, zu gewinnen. Er zeugte mit ihr seinen späteren Nachfolger Dionysos. Die eifersüchtige Hera stachelte Semele auf, Zeus zu bitten, sich zum Liebesbeweis in seiner wahren Gestalt zu zeigen.

Semele bezahlte diesen hinterlistigen Wunsch mit dem Leben, indem sie verbrannte nachdem sich Zeus als Blitz offenbarte. Da Semele bereits mit Dionysos schwanger war, entnahm ihr Zeus das ungeborene Kind und setzte es bis zur Geburt in seinem eigenen Schenkel ein. Dionysos wird daher als der „zweimal Geborene“ bezeichnet. Mit dieser Schenkelgeburt erlangte er trotz sterblicher Mutter als einziger Göttlichkeit und Unsterblichkeit.

Dionysos entwickelte sich zum Gott des Weines, der Freude, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinn und vor allem der Ekstase. Er trieb sich in späteren Jahren mit den lärmenden und dämonischen Satyrn herum. Diese Mischwesen hatten große Ohren, Bocksfüße und Pferdeschweife. Sie galten als Pendant zu den Nymphen und waren mit einem gesteigerten männlichen Geschlechtstrieb ausgestattet. Zu weiteren Begleiterinnen des Dionysos zählten die Mänaden. Diese Anhängerinnen hüllten sich in Reh- und Fuchsfelle und verfielen zu Ehren Dionysos in Ekstase und Raserei. Sie erlegten in der Nacht das Wild, das sie zerrissen und roh verspeisten. Richard Wagner übernahm in seiner Oper Lohengrin die griechische Liebesbeziehung von Zeus und Semele als Vorlage. Elsa, die Königstochter wurde des Brudermordes angeklagt und bezichtigt, den Thron zu begehren. Lohengrin der edle Ritter und Sohn des Parzival eilte ihr unerkannt zu Hilfe und verliebte sich in sie. Analog zur griechischen Semele verlangte auch Elsa von ihrem Liebhaber, sich erkennen zu geben. Nachdem Lohengrin sich wie vor langer Zeit auch Zeus offenbarte, musste auch Elsa sterben. Im Sterben erfuhr sie, dass Ihr Bruder nicht ermordet sondern als Schwan verzaubert wurde. Als dieser den Kahn für die Verabschiedung Lohengrins brachte, sollte er wieder als Königssohn zurückverwandelt werden. Dabei ereilte Lohengrin aber das Missgeschick, dass er statt auf den Kahn auf den Schwan stieg und ihn damit versenkte. Aus der Tiefe des Flusses kam nun nicht der entzauberte Prinz, sondern der aus dem Schwan zum dritten Mal geborene Dionysos, Sohn des Zeus’.

IX) Minotauros#

Spiralförmiger Bilderreigen, ausgehend von der Eselei des Minos, der hölzernen Kuh der Pasiphae, Baumeister Daedalos bis hin zum Ungeheuer Minotaurus
Spiralförmiger Bilderreigen, ausgehend von der Eselei des Minos, der hölzernen Kuh der Pasiphae, Baumeister Daedalos bis hin zum Ungeheuer Minotaurus
Bild: © Robert Kristöfl

Europa, eine phönizische Prinzessin wurde von Zeus in Gestalt eines Stieres nach Kreta entführt. Dieser Beziehung entstammte Minos, der erste kretische König. Nach Zeus sollte er zum großen Stammesvater des nach seiner Mutter Europa benannten Kontinentes werden. Minos verlangte hochmütig für seine Königswürde ein entsprechendes göttliches Zeichen. Als er von Poseidon, dem Gott des Meeres und Bruder von Zeus, einen herrlichen Stier für eine Opfergabe geschenkt bekam, nahm eine ungewöhnliche Katastrophe ihren Anfang.

Minos tauschte diesen herrlichen Stier für die vorgesehene Opferung heimlich gegen einen weniger wertvollen aus und verwendete diesen für die Veredelung seiner Herde. Als Poseidon diesen Frevel bemerkte, ließ er in Pasiphae, Minos Frau, die Liebe zu diesem göttlichen Stier entflammen. Daedalos, der Baumeister und Künstler am Hofe des Minos, musste ihr für den Liebesakt als Hilfe eine hohle hölzerne Kuh bauen. Als tragisches Ergebnis der folgenden Vereinigung wurde Minotauros geboren, ein menschenfressendes Ungeheuer mit einem Menschenkörper und einem Stierkopf.

Minos wollte dieses Ungeheuer sofort töten, aber auf Bitten seiner Tochter Ariadne ließ er davon ab. Daedalos bekam den Auftrag, für Minotauros ein Gefängnis in Form eines Labyrinths zu erbauen. Alle neun Jahre mussten 7 Jünglinge und 7 Jungfrauen aus Athen in das Labyrinth des Minotauros gebracht und geopfert werden. Erst Theseus, der Königssohn aus Athen, bezwang dieses menschenfressende Ungeheuer und fand mit Hilfe des Fadens der Königstochter Ariadne wieder aus dem Labyrinth heraus. Er flüchtete mit Ariadne nach Delos und traf dort auf Dionysos. Während Theseus nach Athen zurückkehrte, nahm Dionysos Ariadne zur Braut.

Zum Andenken des Minotauros wurde jedes Jahr der Kranichtanz Geranos aufgeführt. Dieser Reihentanz enthielt als Merkmale die vielen Wendungen und verschlungenen Pfade des Labyrinths. Den Höhepunkt bildete der Sprung über die symbolisch angedeutete Bestie. Dieser Tanz der jungen Frauen und Männer in ekstatischen Posen spiegelte die unendliche Spirale von Leben, Tod und Wiedergeburt wider.

X) Leda schwante ein Kuckucksei#

Leda inmitten erträumter Schwäne
Leda inmitten erträumter Schwäne
Bild: © Robert Kristöfl

Auf der Hochzeit der Eltern des berühmten und beinahe unverwundbaren Helden Achill waren alle Götter bis auf Eris, die Göttin der Zwietracht, geladen. Beleidigt von dieser Ausladung warf sie von der Tür aus einen goldenen Apfel unter die Hochzeitsgäste. Dieser Apfel war als Geschenk für die „Schönste“ unter den geladenen Gästen gedacht. Die drei Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite fühlten sich angesprochen und begehrten jede für sich diesen Apfel.

Daraus entstand ein riesiger Streit, der nicht mehr beigelegt werden konnte. Zeus versuchte zu schlichten, musste aber ergebnislos aufgeben. Er schlug vor, einen neutralen Sterblichen auszuwählen und diesem das Urteil zu überlassen, wer die eigentlich Schönste nun wirklich war. Die Wahl fiel auf den schönen trojanischen Königssohn Paris. Die drei Göttinnen kämpften um die Gunst des Jünglings und versuchten ihn mit attraktiven Geschenken zu beeinflussen. Hera bot ihm die Herrschaft über die Welt an, Athene versprach ihm Weisheit und Aphrodite lockte mit der Liebe der schönsten sterblichen Frau. Paris entschied sich für Aphrodites Angebot und zog sich samt seiner trojanischen Verwandtschaft den ewigen Zorn der beiden Verliererinnen Hera und Athene zu.

Zur damaligen Zeit zählte Helena zu den schönsten sterblichen Frauen. Da sie aber bereits mit dem mächtigen spartanischen König Menelaos verheiratet war, musste sie erst durch List aus dem Königspalast geraubt werden. Dieser Raub der Helena durch Paris wurde zum Auslöser des großen trojanischen Krieges. Den Keim für diesen unabwendbaren Lauf des Schicksals legte die Göttin der Zwietracht mit ihrem goldenen Apfel.

Zeus konnte diese sich anbahnende Katastrophe weder beeinflussen noch aufhalten. Er erkannte die von Hera und Athene fein gesponnene Intrige, in der er unwissend mehrere Jahre zuvor auch seinen Beitrag leistete. Als Mutter der schönen Helena wurde fälschlicherweise immer wieder die Königstochter Leda genannt. Tatsächlich näherte sich Zeus aber nicht Leda sondern der Rachegöttin Nemesis in Gestalt eines Schwanes. Die beiden dabei gezeugten Zwillingseier wurden Leda nur zum ausbrüten untergeschoben. Leda durfte dieses Geheimnis nie verraten und zelebrierte zeitlebens den Mythos mit dem Schwan.

Helena wähnte sich ihr Leben lang als Halbgöttin und wusste nicht, dass auch ihre Mutter eine Göttin war und ihr von Geburt an die Rache ins Blut gelegt wurde. Verzichteten Hera und Athene vielleicht mit Absicht auf den goldenen Apfel und planten schon von langer Hand den Untergang Trojas?

XI) Galateias Blut-Strähnen#

Der Nymphe Galateia rinnt das Blut des erschlagenen Acis durch ihre Haare und mündet als Wasserfall im Fluss – damit erfolgt nach seinem Tode eine Wiedervereinigung im Wasser
Der Nymphe Galateia rinnt das Blut des erschlagenen Acis durch ihre Haare und mündet als Wasserfall im Fluss – damit erfolgt nach seinem Tode eine Wiedervereinigung im Wasser
Bild: © Robert Kristöfl

Die Nymphe Galateia war eine der 50 Töchter des Meeresgottes Nereus. Der Zyklop Polyphem, ein Sohn Poseidons, warb ohne Erfolg um die reizende Nymphe, die ihn immer wieder abwies und verschmähte. Um seinen äußerlichen Makel und seine Hässlichkeit aufzubessern, kämmte er sein Haar mit einer Harke und schnitt seinen Bart mit einer Sichel.

Galateia hatte aber ihr Herz an den schönen Jüngling Acis verloren. Da die Gefühle von Polyphem unerwidert blieben, ließ er sich zunehmend in eine wilde und unbeherrschte Eifersucht treiben. Er wollte seinen Rivalen in Stücke zerreißen und seine Glieder über das Land und Meer zerstreuen. Als der liebeskranke Zyklop einmal das arglose Liebespaar erspähte, erschlug er Acis im Affekt mit einem Felsblock, Galateia gelang im letzten Moment die Flucht ins Meer. Das vom Felsblock rinnende Blut wurde von Galateia in Wasser verwandelt, das in einem Fluss mündete. Mit dieser Verwandlung des Blutes in das Flusswasser vollzieht sich die Wandlung Acis’ in einen Flussgott.

Nach dem Ende des trojanischen Krieges begibt sich Odysseus mit 12 Schiffen auf seine Heimreise. Während seiner 10-jährigen Irrfahrt über das Mittelmeer verschlägt es ihn auch auf die Insel Sizilien. Dort begegnet er den mürrischen Zyklopen Polyphem. Als dieser ihm und seinen Gefährten das Gastrecht verweigerte, blendete Odysseus den Zyklopen und rächte damit nachträglich die Erschlagung des Acis.

Zeitenwende und Epilog

XII) Aeneas’ Katharsis in der Unterwelt#

Zehn Jahre dauerte der aufreibende trojanische Krieg bis er durch Odysseus’ List mit dem Trojanischen Pferd endlich entschieden werden konnte. Nach dem Fall Trojas gab es aber keinen eigentlichen Sieger, da auf beiden Seiten alle großen Helden entweder ihr Leben auf dem Schlachtfeld verloren oder erst nach langen Irrfahrten in ihre Heimat zurückkehren konnten. Der große griechische Heerführer Agamemnon wurde bei seiner Rückkehr das Opfer eines Meuchelmordes durch seine eigene Frau und ihrem Liebhaber. Aeneas, Kriegsheld aus einer Nebenlinie der trojanischen Herrscherdynastie, floh mit seiner Familie und seinen letzten Weggefährten aus dem zerstörten Troja und segelte in den Westen in eine ungewisse Zukunft.

Aeneas begibt sich zur Seelenreinigung in die Unterwelt und wird dorthin von der Prophetin Sibylle begleitet – er befreit sich dort von seiner Vergangenheit und erfährt seine glorreiche Zukunft
Aeneas begibt sich zur Seelenreinigung in die Unterwelt und wird dorthin von der Prophetin Sibylle begleitet – er befreit sich dort von seiner Vergangenheit und erfährt seine glorreiche Zukunft
Bild: © Robert Kristöfl

Auch die Götter hatten sich den Ausgang dieses Heldenkrieges völlig anders vorgestellt. Da sie mit ihren Machtspielchen, ihren Intrigen und Einflussnahmen sowohl auf Seiten der Angreifer als auch bei den Verteidigern die Tragik letztendlich nur verschlimmerten, waren sie auch untereinander nur noch zerstritten. Sie erkannten, dass ihre Allmacht endgültig im Schwinden war und zogen sich daher enttäuscht zurück. Zeus übergab seinem Lieblingssohn Dionysos das Zepter der Macht und kehrte der Menschheit endgültig den Rücken. Dionysos verstand sich aber nicht aufs Herrschen und gab sich daher weiterhin mit seinen Weggefährten den Weingenüssen und der Ekstase hin.

Damit endete das bronzene Zeitalter der Griechen. In diesem gottlosen Zustand folgten noch zwei weitere aber unbedeutendere Zeitalter. Das Land verfiel immer mehr und die Menschheit verrohte zunehmend. Die einstigen Paläste und Prachtbauten verkamen zu Ruinen und Steinhaufen. Die zuvor durch großen Prunk und Herrlichkeit angehäuften Schulden waren allgegenwärtig und lasten noch heute auf den Schultern Griechenlands und ganz Europas.

Den großen Dichterfürsten Homer und Hesiod gingen dadurch die göttlichen Schlagzeilen aus. Sie ließen daher ihre Schreibfedern fallen und traten in den wohlverdienten Ruhestand. Es folgte ihnen Ovid, ein dynamischer Newcomer aus einer abgelegenen Landschaft am Ende des griechischen Imperiums. Niemand wusste damals, dass diese Gegend zum neuen Imperium des römischen Reiches aufsteigen wird.

Ovid kopierte die alte griechische Götterwelt in unverschämter Manier und verlagerte das Göttermekka vom griechischen Olymp zum römischen Pantheon. Alle Götter wurden neu besetzt und einfach umbenannt. Aus Zeus wurde Jupiter, aus Hera Juno, aus Hades Pluto, aus Aphrodite Venus usw.

Im hohen Norden bildete sich ein zweiter Schauplatz in Asgard. Die Zeusfigur nahm dort Odin ein, aus Ares wurde Thor. Da Schwerter und Lanzen aus der Mode kamen, verwendete Thor einen riesigen Hammer.

Ovid begann seine große mythologische Zeitreise mit dem aus Troja flüchtenden Aeneas. Er schuf damit die Überleitung von der griechischen in die römische Mythologie. Mit der Ansiedlung Aeneas in Alba Longa auf Italien endete die große Zeit der griechischen Antike und es begann andernorts eine neue Epoche.

Die Prophetin Sibylle begleitete Aeneas zu seiner Seelenreinigung und zur Vorbereitung auf seine großen Aufgaben in die Unterwelt. Unterwegs traf er dort viele seiner verlorenen Gefährten und auch ehemaligen Feinde Trojas. Nachdem er sich von seiner Vergangenheit befreien konnte, begegnete er seinem toten Vater, von dem er eine Belehrung und Prophezeiung auf die zukünftige römische Geschichte erhielt. Er erfuhr damit von den künftigen Heldentaten seiner Dynastie aber auch von deren Schicksalen. Durch das elfenbeinerne Tor der Träume verließen Aeneas und Sibylle wieder die Unterwelt.

Ein Ableger des griechischen Dinonysos und seiner Satyrn fand sich in Bacchus und seinen fidelen Begleitern. Zu einer geschätzten Weggefährtin dieser römischen Bacchanten zählte die irische Fruchtbarkeitsgöttin Ana aus der keltischen Mythologie, manchmal auch Anu genannt. Nach ihr ist das Hügelpaar „Paps of Anu“ in Irland benannt, das als „Brüste der Anu“ übersetzt werden kann. Anas Lieblingsbegleiter bei den zahlreichen römischen Gelagen war der Mundschenk Ulrich. Auch heute noch kann man bei seinem Nachfahren die Gastfreundschaft genießen, dessen Lieblingsstätte sich genau in diesem Raum befindet und das Wappenzeichen „ANA-U“ trägt.

Epilog#

Ein Ableger des griechischen Dinonysos und seiner Satyrn fand sich in Bacchus und seinen fidelen Begleitern. Zu einer geschätzten Weggefährtin dieser römischen Bacchanten zählte die keltische Göttin Annea aus Norditalien, sie galt als die Allumfassende und Muttergöttin der Kelten. Im Donauraum wurde sie Dana bzw. Danu bezeichnet, in Irland war sie die Fruchtbarkeitsgöttin Ana bzw. Anu.

In Irland sind die beiden Hügeln „Paps of Anu“ nach ihr benannt, die als „Brüste der Anu“ übersetzt werden. Anas Lieblingsbegleiter bei den zahlreichen römischen Gelagen war der Mundschenk Ulrich. Auch heute noch kann man bei seinem Nachfahren die Gastfreundschaft genießen, dessen Lieblingsstätte sich genau in diesem Raum befindet und das Wappenzeichen „ANA-U“ trägt.

Es endete wie es begann, mit der Eroberung des Paradieses!

Bilderbogen
Bilder: © Robert Kristöfl