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Notiz #3: Die Praxis des Kontrastes#

von Martin Krusche

Das Projekt „Mensch und Maschine“ kommt in seiner nun zweiten Phase von der Diskursebene in die konkreten Lebensräume real handelnder Personen. Wir befinden uns augenblicklich in einer Projektvorbereitungsphase. Die dient der Reflexion und ersten konsolidierenden Schritten, um herauszuarbeiten, wie eine solide Entwicklung auf mehrere Jahre angelegt sein muß, um sich in der Praxis einzulösen.

Wissenschafter Hermann Maurer (links) und Künstler Martin Krusche. (Foto: Ursula Glaeser)
Wissenschafter Hermann Maurer (links) und Künstler Martin Krusche. (Foto: Ursula Glaeser)

Das verlangt von uns, ein Netzwerk zu bilden und zu begleiten, das in seinem Modus zwei alte Grundbedürfnisse der Menschheit ausdrückt: Zugehörigkeit und Autonomie.

Das klingt auf Anhieb widersprüchlich, erweist sich aber bei näherem Hinsehen als wirkmächtiger Zusammenhang. Daraus ergibt sich für uns nun folgendes Setting:

  • Zwei sehr unterschiedliche Charaktere mit grundverschiedenen Lebensläufen: Wissenschafter Hermann Maurer und Künstler Martin Krusche.
  • Zwei Raumkonzepte, die vor Jahrzehnten miteinander verzahnt wurden: der virtuelle Raum (Telepräsenz) und der aktuelle Raum (reale soziale Begegnung).
  • Zwei Horizonte, die in der Steiermark korrespondieren: Weltgeschichte berührt Regionalgeschichte.
  • Das vorrangige Zeitfenster: Wir leben seit rund 200 Jahren in einer permanenten technischen Revolution.
  • Diese Entwicklung wird allerdings besser begreiflich, wenn wir auch in die Antike blicken:
    • Was erzählen die Mythen?
    • Was tat sich technisch konkret seit das Norische Eisen berühmt wurde?

Daraus mag schon ersichtlich werden, wir bemühen uns um eine Praxis des Kontrastes. Selbstverständlich geht es hier nicht bloß um Technik, sondern gesamt um unsere Kultur. Aber es gibt gute Gründe, die Betrachtung der technischen Entwicklungen zu beachten, als wären sie wie ein Ariadne-Faden, an dem wir uns entlangtasten. Das bedeutet auch, wir untersuchen, wie (aus dem vorigen Jahrhundert heraus) Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst so manche Verbindung eingegangen sind.

Im ersten Quartal 2020 sind zur inhaltlichen Basisarbeit etliche Verständigungsschritte gemacht worden, um den Themenbogen abzustecken und sachkundige Personen anzusprechen, die bereit und in der Lage wären, einzelne Bereiche abzudecken.

Zugleich läßt sich erfahrungsgemäß ein Kreis interessierter Personen am besten gewinnen, wenn schon etwas greifbar wird, wie das im konkreten Tun aussehen soll. Ist dieser Ansatz geschafft, bedarf es eine vertiefenden Konzeptarbeit.

Wir stehen nun an der Schwelle zu diesem Abschnitt, in dem auch deutlich werden soll, wie sehr die Steiermark (historisch und gegenwärtig) dank inspirierter Menschen das in hohem Maß abbildet, was sich etwa technisch weltweit tut.

Es ist naheliegend, diesen Weg konzeptionell auf eine Art zu entwickeln, die Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft in ein fruchtbares Wechselspiel bringt. Das bedeutet auch ausdrücklich: Kooperation geht vor Konkurrenz. Die Kooperation meint übrigens ein Zusammenwirken der drei Sektoren Staat, Markt und Zivilgesellschaft.

Noch einmal in aller Deutlichkeit, wir nutzen die technische Entwicklung als Ariadnefaden durch das Geschehen. So können wir von jener Markierung ausgehen, die Erzherzog Johann von Österreich in den Jahren 1815/1816 mit seinen Englandreisen gesetzt hat.

Rund hundert Jahre danach, zwischen 1910 und 1914, kam die Zweite Industriell Revolution kraftvoll in Gang. Sie war 1920, also heute vor hundert Jahren, voll ausgebildet, leistungsstark, hat die Welt verändert, unsere Kultur, unsere Gesellschaften.

Nun erleben wir die Vierte Industrielle Revolution und sollten zu einer tauglichen Standortbestimmung in der Lage sein.