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Werk: Der Göpel#

(Ein Muskel-Maschinen-Hybrid)#

von Martin Krusche

Die Überlieferung sagt von Archimedes, er habe nach einem geeigneten Punkt verlangt, dazu nach einem ausreichend langen Hebel, um so die Erde bewegen zu können. Sie ahnen schon, es ging ihm darum, das Hebelgesetz anschaulich zu machen. Das Übertragen von Kräften kommt auch in den einfachsten Maschinen zur Anwendung. Kraftumwandlung mit verschiedenen Vorrichtungen ist eine der Strategien, mit welcher Menschen seit Jahrtausenden Arbeiten bewältigen, für die sie bloß mit ihren Körpern nicht hinreichend gerüstet wären.

Das Kronrad als frühe Form des Zahnrades ist eine phänomenale Erfindung, um Drehbewegungen und Kraftausbeute zu steuern. Links davon ein Spindelrad auf einer Welle. - (Foto: Martin Krusche)
Das Kronrad als frühe Form des Zahnrades ist eine phänomenale Erfindung, um Drehbewegungen und Kraftausbeute zu steuern. Links davon ein Spindelrad auf einer Welle. - (Foto: Martin Krusche)

Wer aus Wellen, Rollen und Zahnrädern komplexe Maschinen baut, zeigt uns solche Systeme auf einem beeindruckenden technischen Niveau, das man leicht unterschätzt, wenn man vom Erleben unserer maschinisierten Alltagswelt der Gegenwart ausgeht.

Wer keine Wasserkraft nutzen konnte, mochte für allerlei Arbeiten Menschkraft ballen, um einer Maschine den nötigen Antrieb zu verschaffen. Die massivste Kraft, mit der man in unserer Gegend eine Apparatur antreiben konnte, bevor Dampfmaschinen verfügbar waren, sind gezähmte Stiere, also Ochsen gewesen.

Die Komponenten des Göpels zeigen uns ein einfaches Getriebe.. - (Foto: Archiv Krusche)
Die Komponenten des Göpels zeigen uns ein einfaches Getriebe.. - (Foto: Archiv Krusche)

Dazu bauten findige Handwerker einen Göpel, den man auch Geppel ausgesprochen hört. Das ist quasi der Motor, mit dem vielfältige Apparate angetrieben werden. In passende Vorrichtungen konnten auch Pferde oder Esel, sogar Hunde eingespannt werden. In der Steiermark dürfte die Version mit Ochsenantrieb dominiert haben.

Wenn man etwa von Gleisdorf Richtung Bad Gleichenberg aufbricht, um nach Bad Radkersburg zu kommen, liegt der Flecken Trautmannsdorf auf dem Weg. Der Name klingt keineswegs zufällig nach der Familie Trauttmannsdorff, in deren Grazer Stadtpalais einst die Kulturabteilung des Landes untergebracht war.

Im Ort Trautmannsdorf hat Johann Praßl in privater Initiative ein exquisites, kleines Freilichtmuseum aufgebaut, in dessen Gebäuden verschiedene Sammlungen gut überschaubar präsentiert und gründlich dokumentiert sind. Dort befinden sich diese Komponenten eines Göpels, der aus Eichfeld bei Mureck stammt, zum Dreschen und Futterschneiden verwendet wurde.