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Giacomo Puccini#

Von

Dr. Georg Halper


Giacomo Puccini entstammt einer alten lucchesischen Kirchenmusikerfamilie; er war ein begeisterter Jäger, Lebemann, starker Raucher, Autonarr und vor allem begnadeter Opernkomponist. Er war wohl einer der bedeutendsten italienischen Komponisten; nach ihm hat keiner mehr diesen Weltruhm erlangt. Er starb nur 65-jährig an einem Kehlkopfkrebs. Giacomo Puccini wurde am 22. Dezember 1858 in Lucca als 5. von 8 Kindern von Michele Puccini und dessen Frau Albina, geb. Magi, geboren. Getauft wurde er am 23. Dezember auf die Namen all seiner 4 Komponisten-Vorfahren, also Giacomo, Antonio, Domenico, Michele Secondo, und zusätzlich Maria.

Giacomo Puccini war der 5. Komponist mit dem klingenden Namen Puccini. Giacomo Puccini I., 1712 bis 1781, wurde in Celle, in den Bergen, nahe Lucca, geboren. Er übersiedelte nach Lucca und war dort als Stadtorganist, Leiter des Luccheser Stadtorchesters und Komponist tätig. Sein Nachfolger war sein Sohn Antonio Puccini, 1747 bis 1732. Dessen Nachfolger war Domenico Vincenzo Puccini, 1771 bis 1825. Danach folgte Giacomo Puccinis Vater Michele, 1813 bis 1865. Als Giacomos Vater starb, war der Kleine erst 6 Jahre alt. Onkel Magi sollte für den kleinen Giacomo so lange als Kirchenmusiker „supplieren", bis der Junge so weit war, um dieses Amt zu übernehmen.

Giacomo Puccini hatte 6 Schwestern und einen Bruder. Die Namen der Schwestern waren: Otilia, die den Arzt und späteren Bürgermeister von Lucca, De Carlo heiratete, Tomaide, die sich mit einem Französischlehrer namens Gherardi verehelichte, Nitteti, die die Frau eines Anwalts wurde, Iginia, die ins nahegelegene, nur 6 Kilometer von Lucca entfernte Augustinerinnekloster in Vicopelago eintrat und dort 47 Jahre lebte, zuletzt als Äbtissin, Rameide, die den Finanzamtsleiter Franceschini ehelichte, Macrina, die jung verstarb und manchmal gar nicht erwähnt wird, und Michele, der erst nach dem Tod des Vaters das Licht der Welt erblickte.

Die Trauerfeier für Michele Puccini gestaltete Giovanni Pacini, der spätere Namensgeber der Luccheser Musikschule, des „Istituto musicale Pacini". Als Michele Puccini starb, bezog dessen Witwe eine Pension in Höhe von 72 Lire (ein Handwerker erhielt zwischen 35 und 40 Lire Lohn im Monat), was rund 650 Euro entspricht. Unterstützt wurde sie von Verwandten, darunter Dr. Ceru, einem Onkel 2. Grades. Albina Puccini förderte ihren Sohn. Seine Lehrer in Lucca waren zuallererst sein Vater Michele , dann sein Onkel Fortunato Magi und darauf Carlo Angeloni. 1876 unternahm er mit Freunden einen rund 7-stündigen Fußmarsch nach Pisa (ca. 25 Kilometer) zu Verdis „Aida". Das war seine erste wirkliche Berührung mit der Oper.

1880, also erst mit 22 Jahren, gelangte er mit einem Stipendium des Königshauses (100 Lire) aufs Mailänder Konservatorium. Auch sein Onkel Dr. Ceru unterstützte ihn; allerdings verlangte er sein Geld zurück, als Puccini mit Elvira in „wilder Ehe" lebte. Puccini war ein eher fauler Schüler; er spielte schlecht Klavier, dirigierte nie, war aber sonst in der Komposition hervorragend. Sehr litt er unter den ärmlichen Verhältnissen, in denen er in Mailand leben musste. So konnte er sich nur einmal am Tag den Magen wirklich füllen. Einer seiner Zimmergefährten in Mailand war Pietro Mascagni, mit Ruggiero Leoncavallo war er bis zu beider „La Boheme" befreundet, mit Alfredo Catalani hatte er ein gutes Verhältnis, bis Ricordi diesen durch Puccini „ersetzte".

Seine Lehrer und Förderer hier in Mailand waren sein Lehrer Amilcare Ponchielli („La Gioconda" ist sein Meisterwerk), der Dirigent und Komponist Franco Faccio (er war der Uraufführungs-Dirigent von Aida und Otello), der Komponist Arrigo Boito, der Librettist des

späten Verdi (seine Oper „Mefistiofele" ist grandios), Luigi Mancinelli, Komponist, aber hauptsächlich Dirigent (sein „Paolo e Francesca" ist das einzige Insidern bekannte Werk), und Alfredo Catalani, ebenfalls Luccheser, der schon vor ihm bei Ricordi unter Vertrag gestanden war, und von dem eigentlich nur „La Wally" „überlebt" hat.

Es gab damals zwei große Opern-Verlagshäuser, nämlich Ricordi und Sonzogno. Und Puccini nahm 1883 am l. (von 4) Sonzogno-Wettbewerben, einem Opernbewerb für Einakter, teil. Er hatte relativ wenig Zeit für die Komposition, weil er erst spät auf diesen Bewerb aufmerksam gemacht worden war. Entweder war seine Notenschrift für die Juroren zu schwer zu lesen, oder aber, dies ist die 2. Variante, seine Teilnahme kam zu spät, Und so wurde er nicht einmal erwähnt. Beim Sonzogno Wettberwerb, der viermal durchgeführt worden war, siegte 1888 Pietro Mascagni mit seiner „Cavalleria rusticana". Von den anderen Siegern spricht heute niemand mehr: Luigi Manpelli, Gellio Benvenuto Coronaro und Gabriel Dupont (seine Versimo-Oper „La Cabrera" siegte 1902 beim internationalen Bewerb). Eigentlich haben nur zwei weitere Teilnehmer an diesem Bewerb „überlebt", Umberto Giordano (lobend erwähnt 1888 mit „Marina") und Ildebrando Pizzetti, dessen „Mord in der Kathedrale" unter Karajan in den Fünfzigerjahren an der Wiener Staatsoper gebracht wurde.

Die Casa Ricordi sah/hörte sich jedoch die Werke der Teilnehmer am Sonzogno-Wettbewerb genau an und „entdeckte" so Giacomo Puccini und nahm ihn unter Vertrag. Puccini blieb diesem Verlagshaus, mit Ausnahme seiner „Operette", „La rondine" (Die Schwalbe), treu. Mit Tito II. Ricordi, der damals das Sagen hatte, verstand sich Puccini nicht gut. Und gerade dieses Werk sollte ein Misserfolg werden. Puccini „verbrauchte" etliche Libretti-Autoren: Für seine beiden ersten Opern „Le Villi" und „Edgar" war Ferdinande Fontana sein Librettist. Für „Manon Lescaut" war ein ganzes Heer notwendig: Marco Praga, Domenico Oliva, Ruggero Leoncavallo, Luigi Illica, Giuseppe Giacosa, Giulio Ricordi und Giacomo Puccini selbst. Giuseppe Giacosa und Luigi Illica waren die Librettisten von „La Boheme", „Tosca" und „Madama Butterfly". Für „La fanciulla, del West" waren Guelfo Civinini und Carlo Zangarini die Librettisten, bei „La rondine" wirkten Giuseppe Adami, Alfred Maria Willner und Heinz Reichert mit; für „II tabarro" war wieder Giuseppe Adami federführend, während Giovacchino Forzano der Librettist von „Suor Angelica" und „Gianni Schicchi" war. Für sein letztes Werk, „Turandot" arbeiteten Giuseppe Adami und Renato Simoni. Ganz entscheidend wirkte vor allem Puccini bei allen Librettis mit; das führte sogar so weit, dass Giacosa/Illica ihre Arbeit niederlegen wollten und Ricordi große Mühe hatte, sie zum Weitermachen zu überreden/motivieren.

Die erste Oper, „Le Villi", eine Feenoper, spielt im 19. Jahrhundert im Schwarzwald; die Uraufführung fand im Jahre 1884 im Mailänder Teatro dal Verme statt. Luigi Mancinelli, der Dirigent des Teatro Comunale in Bologna, interessierte sich sehr für diese Oper. Die zweite, „Edgar", spielt im Flandern des Jahres 1302, wobei hier eine ähnliche Rollenverteilung wie bei Bizets Carmen zu finden ist. Die Uraufführung ging im Jahre 1889 an der Mailänder Scala über die Bühne. Beide Opern sind vom Textbuch her äußerst schwach und auch Puccini ist erst auf dem Weg zum Meister. Aber (Tito I. und Giulio) Ricordi hatten Vertrauen zu ihm und halfen ihm über die Klippen hinweg. Puccini lieh sich im Jahre 1900 seine Komposition des Edgar vom Ricordi-Verlag aus - und seither ist der 4. Edgar-Akt verschollen. Und dann fand Puccini erstmals einen Stoff, der ihn wirklich interessierte, von dem er überzeugt war, nämlich „Manon Lescaut". Aber Ricordi sprach sich gegen dieses Werk aus, da Jules Massenets „Manon" ein großer Erfolg war und er meinte, ein weiteres Werk mit diesem Stoff hätte keine Chance zu überleben. Gott sei Dank konnte sich Puccini letztendlich durchsetzen. Und seine „Manon Lescaut" konnte die Massnet'sehe übertrumpfen. Puccinis Manon spielt im Amiens, Paris, Le Havre und Louisiana/USA der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es war bei der Uraufführung am l. Februar 1893 im Teatro Regio in Turin sein

Durchbruch. Puccini sagte zu diesen beiden Manons: „Massenet hat „Puderquaste und Menuett" geschrieben, ich hingegen „Leidenschaft und Verzweiflung". Der Stoff hat auch andere Komponisten beschäftigt; so hat Auber auch eine „Manon Lescaut" (1856) und Halevy ein gleichnamiges Ballett (1830) komponiert - beide heute vergessen.

Puccini verwendete immer sehr viel Zeit auf die Suche nach ihm geeignet erscheinenden Opernstoffen. Und so vergingen immer Monate von der Fertigstellung einer Oper bis zum Beginn der Komposition der nächsten. Und manchmal hatte er schon einen Opernstoff, ein Libretto - und dann passte es ihm doch wieder nicht. Neben jenen Opern, die er tatsächlich komponiert hat, hat er sich u. a. mit folgenden Opernstoffen/Libretti auseinandergesetzt: Goldonis „La Locandiera", komponiert von Persico 1941, Rostands „"Cyrano de Bergerac", von Franco Alfano 1936, Victor Hugos „Notre Dame", von Franz Schmidt 1914, Oskar Wildes „Florentinisehe Tragödie", von Zemlinsky 1917, Maeterlincks „Pelleas et Melisande", von Debussy 1902, Soldanis „Margherita di Cortona, von Refice 1938, Shakespeares „König Lear", von Frazzi 1939, und seinen „Dauerbrenner" „Romeo und Julia", vorher und nachher vertont von Vaccaj 1825, Bellini 1830, Gounod 1867, Meachetti 1865/67 und Zandonai 1922; aber auch mit Dumas, Gorki-Erzählungen, einem Budda-Stoff, Dickens, Edgar Allen Poe, einem Marie-Antoinette-Stoff, Vergas „La Lupa" (statt dessen komponierte er dann „La Boheme"), und" I zoccoletti", aus denen dann 1917 Mascagnis „Lodoletta" wurde, hat er sich befasst.

Leoncavallo hatte ein Textbuch für „La Boheme" geschrieben - aber Puccini wollte es nicht. Da begann einfach Leoncavallo sein eigenes Libretto zu vertonen. Aber plötzlich interessierte sich Puccini auch für den Stoff und komponierte. Und plötzlich wurde es ein Wettlauf mit der Zeit - und die beiden ehemaligen Freunde wurden zu Konkurrenten. Leoncavallo gab dem Liebespaar die Stimmen Sopran und Bariton, Puccini agierte hier viel publikumswirksamer bzw. publikums"freundlicher" mit Sopran und Tenor. Am 1. Februar 1896 begann der Siegeszug wieder im Teatro Regio in Turin. Puccini soll in seiner Studentenzeit, um mit einer Tänzerin essen gehen zu können (andere Quellen behaupten, dass er eine Tänzerin einige Tage ausgehalten habe), seinen Mantel versetzt haben - die Mantelarie des Colline beruht auf diesem Erlebnis. Mimi setzt sich aus zwei Personen der Vorlage zusammen, einer Näherin und einer Grisette. „Man nennt mich nur Mimi" und „Wie eiskalt ist dies Händchen" - heute natürlich italienisch gesungen, sind allen bekannt. Puccinis Boheme findet sich heute auf allen Spielplänen der Welt, während jene von Leoncavallo nur Insidern bekannt ist. Dann folgte im Jahre 1900 im Teatro Costanzi „Tosca", jene großartige im Rom des Jahres 1800 spielende Oper mit historischem Hintergrund. Ursprünglich sollte Alberto Franchetti dieses Werk vertonen, aber dieser ließ es sich „abluchsen". Und wenn man Franchetti und Puccini kennt, und ihre Musik, muss man sagen, dass es gut war, dass Puccini dieses Libretto vertont hat. Maler, gefeierte Sängerin und ein Baron, der gleichzeitig der Polizeichef ist, sind die Hauptprotagonisten. Und Cavaradossis „Und es leuchten die Sterne " wurde ein Gassenhauer.

Seine nächste Komposition, „Madama Butterfly", in Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesiedelt, war bei der Erstvorstellung am 17. Februar 1904 ein totaler Misserfolg, vielleicht gesteuert, denn nur wenige Monate später, am 28. Mai desselben Jahres feierte sie, obwohl kaum Änderungen, somit eine Änderung von 2 auf 3 Akte, die Hinzufügung des „Leb wohl, mein Blütenreich", durchgeführt worden waren, in Brescia einen triumphalen Erfolg. Und eines der bekanntesten Stücke ist „Eines Tages sehn wir ...". Aber seit damals war Puccini verunsichert und er hatte Zeit seines Lebens immer Angst vor Uraufführungen, vor einem „Durchfall". Pietro Mascagni hatte als erster 1893 der fernöstlichen Oper die Wege geebnet und zwar mit „Iris", einem Werk, von dem man bestenfalls den „Sonnengesang" und das „Apri la tua finestra" des Osaka, sozusagen ein „Fensterin" auf japanisch/italienisch, kennt.

Mit seiner „Fanciulla del West" wagte er den Sprung nach Amerika; die Handlung spielt in den Vereinigten Staaten, und zwar in Kalifornien um 1845/50 und die Uraufführung fand am 10. Dezember 1910 an der MET in New York statt, an der er teilnahm - und gefeiert wurde. Eine raue Wirtin, Minnie, hat in dem Goldgräberlager als einzige wirklich die Hosen an, mehr als der Sheriff Rance; der einzige „Ohrwurm" ist Johnsons kurze Arie „Lasset sie glauben, dass ich in die Welt zog ....". Sonst ist viel Romantik und Stimmung in der Musik - aber das ist den meisten zu wenig, zu „fad", und deshalb scheint die Oper selten auf den Spielplänen auf. Sein nächstes Werk, „La rondine" war als Operette für das Carl-Theater in Wien geplant. Dann aber brach der 1. Weltkrieg aus - und es durfte in Wien keine Oper eines lebenden Komponisten aus einem Staat gebracht werden, der Gegner von Österreich war. Und so fand die Uraufführung am 27. März 1917 in Monte Carlo statt. Das Werk, vom Sujet her an Verdis „La Traviata" erinnernd, in Paris und Südfrankreich um 1917 spielend, konnte sich nie durchsetzen und wurde oft als schlechter Lehar bezeichnet - Puccini hatte es als Operette konzipiert, da er mit Lehar befreundet war, aber es wurde keine wirkliche Operette. Es ist eher Konversationsmusik ohne wirkliche Höhepunkte.

Das „Trittico", also jenes dreiteilige Werk, bestehend aus „II tabarro", „Suor Angelica" und „Gianni Schicchi", wurde am 14. Dezember 1918 an der MET uraufgeführt, in Abwesenheit des Komponisten. Für ihn war erst die wenige Tage später erfolgte Aufführung in Rom quasi die Uraufführung, an der er selbst teilnahm. „II tabarro" (Der Mantel), hier: der Schiffermantel, spielt ca. im Jahre 1918 auf einem Lastkahn auf der Seine in Paris, die „Suor Angelica" in einem Nonnenkloster (Dominikanerinnen) zu Ende des 17. Jahrhunderts, in das eine Adelige auf Grund der Geburt ihres unehelichen Kindes „verbannt" worden ist und die, nachdem sie so beiläufig durch die „Principessa" vom Tod ihres Kindes erfährt, Selbstmord begeht, und „Gianni Schicchi" ein schlitzoriger Testamentsfälscher, der seiner Tochter Lauretta und ihrem Bräutigam Rinuccio so hilft - dafür aber in Dantes „Inferno" kommen. wird. Puccini fand den „Stoff in Dantes „Divina Comedia" - und das spielt im Jahre 1299. Noch heute werden oft nicht alle drei Werke zusammen an einem Abend gespielt. Meist spielt man die attraktiveren „Mantel" und „Gianni Schicchi" mit den herrlichen Arien des Rinuccio und der Lauretta. Die „Suor Angelica", in der es nur Frauenstimmen gibt, wird oft vernachlässigt.

Seine letzte Oper, „Turandot", wieder fernöstlich, in sagenhafter Zeit, diesmal nicht Japan, sondern China spielend, konnte er nicht mehr vollenden. Die Uraufführung fand rund l ¥2 Jahre nach des Meisters Tod, am 25. April 1926 in der Mailänder Scala statt. Bei der Uraufführung brach Arturo Toscanini, der Dirigent, die Oper nach der Trauermusik nach Lius Tod ab - erst zwei Tage darauf wurde die gesamte, durch Franco Alfano vollendete Oper gegeben. Schon bald nach dem Beginn der Komposition spürte er, dass er das Werk nicht würde vollenden können.

Franco Alfano (1876 bis 1954) war auserwählt worden, die vorhandenen Skizzen für die Vollendung der Oper zu verwenden. Er hatte davor schon 1904 Tolstois „Risurezzione" vertont, und 1921 „La legenda di Sakuntala". 1936 komponierte er „Cyrano de Bergerac". Ein weiterer Komponist hat sich an der Vollendung der „Turandot" versucht, und zwar Luciano Berio (1925 bis 2003). Seine Version vertonte er 1989, die Uraufführung fand 2002 in Salzburg statt. In meinen Ohren hat Franco Alfano eher den Klang Puccinis getroffen. Puccini war nicht sehr reisefreudig. So war er nur zweimal in den USA, einmal in Südamerika, einmal in Ägypten, zweimal in Spanien, jedoch häufig in England, Frankreich, Ungarn, Österreich und Deutschland. Fremde Sprachen liebte er überhaupt nicht; so sprach er nur schlecht französisch und wenige Brocken deutsch und englisch. Puccini war zwar oft in die Vorbereitung einer Uraufführung oder Aufführung eingebunden, hat aber nie eine Oper dirigiert. Als einmal eine seiner Opern in die damalige Jetztzeit verlegt werden sollte, hat er sich entschieden dagegen ausgesprochen.

In seinen Clubs fühlte er sich sehr wohl und gut verstanden. So spielte er manchmal seinem Freundeskreis eine seiner Opern vor, wobei er alle Stimmen, vom Sopran bis zum Bass, selbst gesungen hat. Seine Sprechstimme war Bariton, seine Singstimme Tenor. Seine Oper „Suor Angelica" hat er im Kloster seiner Schwester Iginia am Klavier spielend, vorgesungen - die Nonnen waren zutiefst gerührt über diese Geschichte.

Häusern, Autos, Motorrädern und Motorbooten gehörte seine große Leidenschaft -und natürlich auch die Entenjagd, vornehmlich am Lago di Massaciuccoli.

1884 war er erstmals in Torre del Lago (heute Torre del Lago Puccini), einem Ort, der damals rund 120 Einwohner zählte. Heute leben hier etwa 11.000 Menschen- und Puccini hätte keine Freude daran. Viareggio zählt heute rund 65.000 Einwohner, und Torre gilt manchmal als Teil davon. Lucca, seine Geburtsstadt, hat heute rund 82.000 Einwohner.

Ab 1891 war er Untermieter bei einem gewissen Venanzio Barsuglia, Bauer und Jagdhüter. Zwei Zimmer reichten ihm damals, erst später konnte er das Objekt kaufen. Ab 1900 hatte er eine Villa in Torre del Lago - er war durch 30 Jahre in diesem Ort, bevor er nach Viareggio abwanderte, weil man ganz in der Nähe seines Hauses eine Fabrik gebaut hatte. Weitere Häuser besaß er in Chiatri, Abetone, Torre della Tagliata und Viareggio und eine Wohnung in Mailand. Alle seine Häuser sind nicht weit von Lucca entfernt.

In Torre del Lago war im Hause eines Flickschusters sein Club (La) Boheme, in Viareggio der Club Gianni Schicchi. In beiden Clubs fühlte er sich wohl mit seinen Kumpanen, bei derben und schlüpfrigen Witzen. Eine Besonderheit von ihm war, dass er fast immer einen Hut aufhatte. Und die Zigarette durfte auch nicht fehlen. So gibt es nahe seiner Villa in Torre del Lago einen Bronzestatue, die ihn darstellt, überlebensgroß und sehr gut getroffen, mit Hut am Kopf und Zigarette im Mund.

Es erwarb immer die neuesten und schnellsten Motorboote, er hatte „tolle" Autos, einen Dion. Bouton, einen Cutigiro, einen Lancia Und mit diesem Lancia verunglückte er am 25.726. Februar 1903. Am Steuer saß der Sohn des Venanzio Barsuglia, Guido. Puccini litt lange unter den Verletzungen - so wie er auch unter dem Älterwerden ständig schwer litt. Und bei der Behandlung der Unfallverletzungen stellte man eine Diabetes fest Guido Barsuglias Sohn Alfredo lebte bis zu seinem Tod 2006 in Graz.

Finanziell ging es Puccini ab „Manon Lescaut" sehr gut. So verdiente er im 1. Halbjahr des Jahres 1900 rund 27.000 Lire, was in etwa dem 80-fachen eines Durchschnittsverdienstes entsprach. Sein Verwalter verdiente 45 Lire im Monat - und weil der Februar weniger Tage als die anderen Monate hatte, wollte der sparsame Komponist ihm für diesen Monat nur 42 Lire bezahlen. Einmal gab er einem Akkordeonspieler 50 Lire Trinkgeld, ein Vermögen, entsprach es doch drei Tageslöhnen. Ein Angebot für die Komposition von Filmmusik, immerhin eine Million Lire, lehnte er rundweg ab. Und er konnte sich die Abschlagszahlung für seine Frau Elvira in der Causa Manfredi problemlos leisten. Auch war es ihm möglich, sich laufend neue Häuser zu kaufen oder bauen zu lassen; er konnte seinem Hobby, der Entenjagd nachgehen, Auto- und Motorbootsport betreiben und sich immer die neuesten auf dem Markt erschienen Modelle kaufen. Er war der bestbezahlte lebende Komponist seiner Zeit.

Und die Frauen haben in seinem Leben immer eine ganz bedeutende Rolle gespielt. Er war ja in einem Haushalt mit fast nur Frauen aufgewachsen. Den Vater hatte er mit sechs Jahren verloren, sein Bruder Michele kam erst nach dem Tod des Vaters auf die Welt, also als Puccini sechs Jahre alt war. Der Frauenhaushalt bestand aus seiner Mutter und seinen sechs Schwestern, vier davon älter als er. Dieser Bruder Michele wohnte später zeitweise bei Giacomo in Mailand, wanderte in weiterer Folge nach Südamerika aus, wo er im Landesinneren nur 27-jährig verstarb. Auch dieser war Musiker gewesen. Und auch Puccini wäre möglicherweise nach Südamerika ausgewandert, wäre ihm nicht mit „Manon Lescaut" der Durchbruch gelungen. Noch in Lucca lernte Puccini Elvira Gemignani, geborene Bonturi, kennen und lieben. Diese war damals mit seinem Schulkameraden Puccinis, Narcisio Gemignani verheiratet und hatte zwei Kinder, einen Sohn, der beim Vater blieb und die Tochter Fosca, die sie mitnahm. 1883 zogen Elvira und Giacomo gemeinsam nach Mailand - für die damalige Zeit ein riesiger Skandal - und lebten dort (unverheiratet) zusammen. Puccinis und Elviras gemeinsamer Sohn Antonio, Tonio genannt, wurde 1886 geboren.

1903 verstarb Elviras Ehemann und so konnten sie und Puccini 1904 heiraten. Der Komponist fühlte sich durch die Heirat eingeengt. Elvira hatte wenig Verständnis für das Komponieren und war stets sehr eifersüchtig, keinesfalls grundlos. Sie war sehr misstrauisch und hatte oft üble Laune, die sie nur allzu deutlich zeigte. Natürlich hatte Puccini Affären. Sybil Seligmann war wohl nur eine Muse, aber mit Josephine von Stengel hatte er ein Verhältnis - sie ist eine seiner berühmtesten Geliebten, eine Rolle, die auch viele Künstlerinnen hatten. Eine ganz heikle Geschichte war die Causa Doria Manfred!. Wahrscheinlich hatte Puccini aber mit ihr kein Verhältnis, obwohl sie ihn anhimmelte. Sie wurde von Elvira sehr schlecht behandelt und auf offener Straße geschlagen. Doria verübte am 28. Jänner 1909 Selbstmord. Die Obduktion wurde von einem Arzt, der der Trauzeuge der Puccinis gewesen war, durchgeführt. Angeblich war sie noch unberührt. Elvira wurde in einem nachfolgenden Prozess schuldig gesprochen und zu fünf Monaten Zuchthaus und einer Geldstrafe von 20.000 Lire verurteilt. Puccini konnte durch einen finanziellen Ausgleich mit der Familie Manfredi die Zuchthausstrafe von Elvira abwenden. Aber Elvira hatte die Cousine (manchmal auch als Schwester Dorias bezeichnet) von Doria, Giulia Manfredi, ins Haus genommen - und mit ihr soll Puccini tatsächlich ein Verhältnis gehabt haben, ohne dass seine Frau etwas davon, bemerkte.

Und dann gibt es noch die Causa Corinna. Es war dies die große Unbekannte; nach neueren Forschungen soll dies eine gewisse Maria Anna Lucia Coriasco aus Turin gewesen sein -lange eine Unbekannte. Sie soll Näherin gewesen sein; andere Quellen sehen sie als Jurastudentin bzw. in Lehrerausbildung. Sie hat sich ihre Liebe dann finanziell „abfertigen" lassen.

Puccini hatte Halsschmerzen und es wurde Kehlkopfkrebs diagnostiziert, Er reiste noch nach Brüssel zu einem Spezialisten, der auch noch verschiedenes unternahm, aber es war schon zu spät. Unter großen Schmerzen litt er auch darunter, dass er seine letzte Oper nicht mehr würde vollenden können. Auch das Sprechen fiel ihm sehr schwer und so finden sich Zettel, auf denen er „Luft" usw, geschrieben hat. Seine Frau Elvira, der man von seinem schlechten Zustand nichts gesagt hatte, war in der Heimat geblieben, Wohl aber war sein Sohn Tonio, als er starb, in Brüssel. Vorerst wurde er nach Mailand überfuhrt und in der Gruft Toscaninis bestattet, ehe er in seinem Haus in Torre del Lago seine letzte Ruhestätte fand. Puccinis einziger Sohn Antonio war mit Rita Dell'Anna, verheiratet. Als Tonio 1946 starb, ging das Erbe an dessen Witwe Rita über. 1974 wurde die Stiftung „Fondazione Puccini" ins Leben gerufen, der sie gewisse Rechte übertrug. Nach ihrem Tod 1979 erbte Ritas Bruder Livio, der 1986 ohne direkten Erben verstarb. Gleichzeitig wurde ein Verwalter des Vermögens der Stiftung bestellt, der die Ausübung des Amtes in weiterer Folge für beendet und die Stiftung zum Staatseigentum erklärt hat. In der Zwischenzeit ist eine uneheliche Tochter Antonio Puccinis aufgetaucht, Frau Dr. Simonetta Gurumello. Ab 1995 darf sie offiziell den Namen Puccini führen.