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Martin Luther, der Unruhestifter #

Glaube und ein starker Wille – beides zeichnete den Reformator aus. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Dienstag, 31. Oktober 2017)

Von

Monika Schachner


Standbild Luthers in Eisleben
Das Standbild Luthers in Eisleben, seinem Geburts- und Sterbeort
Foto: AP

Hier stehe ich und kann nicht anders“ – es muss ein verdatterter Blick gewesen sein, den Kaiser Karl V. Martin Luther beim Reichstag von Worms zugeworfen hat. Hatte sich doch der Mönch mit seinem Beharren auf seinen 95 Thesen gegen das „Establishment“ gestellt. Wozu das führen kann, musste Jan Hus 100 Jahre zuvor qualvoll durchleben: Der tschechische Reformator war am Konzil von Konstanz verurteilt und als Ketzer verbrannt worden.

Wobei die weltlichen und geistlichen Herren des Wormser Reichstags den Kurfürsten von Sachsen – einen von sieben Kaisermachern – nicht auf ihrer Rechnung hatten. Denn Friedrich der Weise wird zu Luthers Schutzherr: etwa als er ihn 1521/22 auf der Wartburg versteckte. Luther übersetzte dort in kurzer Zeit das Neue Testament aus dem griechischen Original ins Deutsche – „Back to the roots“ sozusagen, „zurück zu den Wurzeln“. Seine Wortkreationen sind heute legendär und gebräuchlich: vom Wolf im Schafspelz bis zu den Perlen, die wir bis heute sprichwörtlich vor die Säue werfen. Kurfürst Friedrich half auch mit, Luthers Ideen zu „promoten“. Durch Wort (den knapp zuvor erfundenen Buchdruck) und Bild – Lucas Cranach war Friedrichs Hof- und Luthers Leibmaler.

Doch Luther hatte ebenso sanfte und verletzliche Seiten: Seine Heirat mit Katharina von Bora, einer geflohenen Nonne, erwies sich als Glücksfall. Und als seine Tochter Magdalena im Alter von nur 13 Jahren stirbt, bricht für ihn eine Welt zusammen. 500 Jahre Reformation – vieles von Luther, dem Unruhestifter, ist bekannt, ganz erfassen wird er sich jedoch wohl nie lassen.

Kleine Zeitung, Dienstag, 31. Oktober 2017