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Den Absprung geschafft #

Von Gewalt in der Partnerschaft sind viele Frauen betroffen. Karin Pfolz hat das zehn Jahre lang erlebt. Sie sei eine Überlebende, sagt sie. Heute spricht sie sehr offen über diese Zeit.#


Von der Wiener Zeitung (5. Juni 2021) freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Von

Lea Bacher


Die Nacht vor der Hochzeit. Karin Pfolz wählt die Nummer ihrer Mutter. Sie vertraut ihr an, nach jahrelanger Beziehung das erste Mal von ihrem Verlobten geschlagen worden zu sein. "Ich kann den nicht heiraten, ich tue das nicht." Das Bauchgefühl sagt ihr, dass mehr dahintersteckt. Doch es ist ihre Mutter, die sie beruhigt und ihr versichert, dass es sich bestimmt nur um einen Ausrutscher handle. Es war das erste und wird auch für viele weitere Jahre das letzte Mal sein, dass Karin Pfolz mit jemandem über die psychische und physische Gewalt in ihrer Beziehung spricht. Heute weiß sie, dass der erste Schlag nur der Anfang einer Gewaltspirale war und die psychische Unterdrückung schon viel früher begonnen hatte.

Pfolz ist heute eine Frau, deren Lachen ansteckt. In ihrer Stimme schwingen Lebensfreude und Stärke mit. Die langen schwarzen Haare hat sie mit einer Spange aufgesteckt, der helle Lidschatten glitzert in der Sonne, die durch die geöffnete Terrassentür auf ihr Gesicht scheint. Neben der dunkelgrauen Eckcouch döst Retriever-Rüde Merlin in einem Korb. An den Wänden hängen Fotos und selbstgemalte Ölbilder. Der Duft frisch gekochten Kaffees liegt in der Luft. Karin Pfolz sitzt am Esstisch und schließt für einen Moment die Augen. Dann trinkt sie einen Schluck und beginnt zu erzählen.

Sie sagt von sich selbst, "nie ein Vaserl", sondern immer eine selbstbewusste Frau gewesen zu sein. Trotzdem passierte ihr das, was im Durchschnitt jeder fünften Frau in Österreich widerfährt: Sie wurde Opfer von Gewalt. Im Fall von Pfolz war die Gewalt fast an der Tagesordnung. Sie gehört aber zu den wenigen Frauen, die auch Anzeige erstattet haben. Und ihr Ex-Mann gehört zu den wenigen, die schlussendlich auch verurteilt werden.

Es sind selten Fremde, die Frauen schlagen, vergewaltigen oder sogar töten. Meistens liegt ein Nahverhältnis vor. Österreich liegt bezüglich Gewalt und Frauenmorde im EU-Durchschnitt. Doch im Gegensatz zur allgemein rückläufigen Tendenz der Gewaltkriminalität, schlägt sich das nicht in der Statistik bei Morden an Frauen nieder. Während 2014 in Österreich 19 Frauen ermordet wurden, waren es vier Jahre später 41 Frauen, die meist von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet wurden - mehr als doppelt so viele. Im Vorjahr gab es 31 Morde an Frauen.

Karin Pfolz sagt, sie sei kein Opfer, sondern eine Überlebende
Karin Pfolz sagt, sie sei kein Opfer, sondern eine Überlebende.
Foto: © Pfolz

Durch die Corona-Pandemie sank die Zahl der Frauen, die in Frauenhäusern aufgenommen wurden um 10 Prozent. Aufgrund der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen gestaltete sich die Flucht aus einer gewaltvollen Beziehung deutlich schwieriger. In den Monaten März, April und Juni 2020 registrierte die "Frauenhelpline gegen Gewalt" eine Zunahme der Anrufe um 71 Prozent.

Zehn Jahre bis zum Absprung aus der Ehe#

Bis Anfang Juni 2021 zählt die Statistik der AÖF bereits 14 Morde an Frauen. Obwohl Gewalt gegen Frauen ein strukturelles, gesamtgesellschaftliches Problem ist, das nicht nur Österreich betrifft, scheinen vergleichbare Länder teils fortschrittlicher und aufgeklärter zu sein.

Doch Statistiken von anderen Ländern zu vergleichen, ist mit Vorsicht zu genießen. Davon ist Aga Trnka-Kwiecinski, Kommunikationswissenschafterin am Publizistik-Institut der Uni Wien, überzeugt. Die Daten werden in jedem Land anders erhoben, häufig mangle es an Bewusstsein. Die Publizistin ist sich aber sicher, dass es in Österreich mehr Feminismus braucht: "Ich spreche nicht von radikalem Feminismus. Ich rede davon, Frauen zu stärken und Frauen nicht wahrzunehmen als Objekte, über die man verfügen kann."

Unvorstellbar ist es, was sich vor über zwanzig Jahren hier in diesem kleinen, unscheinbaren Holzhäuschen von Pfolz abgespielt hat. Es ist eine idyllische Kleingartensiedlung, in der die Nachbarn einander winken, auf der Terrasse frühstücken und in der auf niedrigen Gartenzäunen selbst bemalte Keramikschilder mit den Familiennamen hängen. Niemand ahnte, dass in der jungen Familie Unterdrückung und Gewalt an der Tagesordnung standen.

Zehn Jahre dauerte es, bis Karin Pfolz den Absprung schaffte. "Man fällt und fällt, und irgendwann kann man sich irgendwo an der anderen Seite anhalten und muss dann ganz klein anfangen, wieder hinaufzukrabbeln", erzählt sie. Viele Traumata habe sie schon aufgearbeitet, doch nie wieder werde sie unter Wasser tauchen können. Ihr Ex-Mann hatte sie einmal im Urlaub so lange unter Wasser getaucht, dass sie beinahe ertrunken wäre. Wenn sie auf der Treppe ein Stückchen ausrutscht, zischt ihr nach wie vor der Schrecken durch die Glieder. Zu oft war sie die Stiege hinuntergestoßen worden.

Am Anfang denkt Pfolz, den perfekten Mann gefunden zu haben. Er ist liebevoll, charmant und zuvorkommend. Doch es beginnt schleichend. Die Freunde findet er komisch, lieber will er Zeit zu zweit verbringen. Das ausgeliehene Geld zahlt er ihr zu Beginn immer zurück. Nach der Hochzeit besteht er auf ein gemeinsames Konto. Bald ist er arbeitslos und Karin Pfolz für alles allein verantwortlich. Auch ihr Haushaltsbudget wird penibel kontrolliert. Der jungen Mutter wird es unmöglich gemacht, eigenes Geld zu sparen.

Kontinuierlich schlittert die Frau in eine Abhängigkeit, die ihr den Atem raubt und ihr fast das Leben kostet. Es folgen Jahre mit grün-blau verfärbter Haut, die sie gekonnt abzudecken weiß, Krankenhausaufenthalten, in denen sie weder besucht, noch abgeholt wird und letztendlich sogar einer Fehlgeburt.

Behörden fehlt es oft am grundsätzlichen Verständnis#

Mit den Jahren wird es zur fast tagtäglichen Tortur, bis zur Bewusstlosigkeit gefoltert, misshandelt, vergewaltigt, die Treppe hinuntergestoßen, beinahe ertränkt und auf grausame Weise erniedrigt und gedemütigt. Die psychische Gewalt, so erzählt Pfolz heute, brennt sich in einem ein. "Dieses ständige ‚selber schuld‘ und die Basis der Seele nehmen, das ist das Allerschlimmste."

Dass die Einschüchterungen und Drohungen oft viel schlimmer als ein Schlag sind, hört auch Bettina Zehetner von anderen Betroffenen. Sie ist Mitarbeiterin von "Frauen beraten Frauen", der ältesten Beratungsstelle Wiens und leitet Workshops zum Thema Gewalt. Auch sie kritisiert die Behörden im Umgang mit stark traumatisierten Frauen. Obwohl in Österreich eine gute Gesetzeslage vorherrscht, wenden Polizei und Gerichte das Gewaltschutzkonzept nicht so an, wie es vorgesehen wäre. Viel mehr Morde könnten verhindert werden. Denn häufig sind die Täter, die ihre (Ex-)Partnerinnen ermordet haben, schon lange wegen gefährlicher Drohung, Körperverletzung oder Nötigung amtsbekannt.

"Es wird zu wenig nachgefragt, um einschätzen zu können, wie gefährlich die Person wirklich ist und wie man potenziell gefährdete Frauen und Kinder schützen könnte", erzählt Zehetner aus beruflicher Erfahrung. Bei Behörden scheitere es schon an einem grundsätzlichen Verständnis, wie Gewalt entsteht und sich äußern kann. Schulungen und Bewusstseinsarbeit für Gerichte, Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden sind dringend notwendig.

Im Gewaltschutzgipfel Anfang Mai haben sich die zuständigen Ministerinnen und Minister mit den Sicherheitsexperten beraten. Bei der Polizei wird künftig mehr Personal für Gewaltprävention sowie ein besserer Datenaustausch zwischen Behörden und Schutzeinrichtungen geplant.

Frauenhäuser fordern 3.000 Stellen mehr#

Maria Rösslhumer, Leiterin der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser, kritisiert die seichten Maßnahmen, vor allem die geplante Motiv- und Herkunftsforschung. Schließlich wisse man, dass patriarchales Denken nicht "importiert" werde, sondern in allen Kulturen und Gesellschaftsschichten präsent ist. Die Opferschutzeinrichtungen wünschen sich eine Aufstockung des Frauenbudgets, das im Jahr 2021 nur bei 14,5 Millionen Euro liegt. Doch Berechnungen zufolge seien jährlich 228 Millionen Euro und insgesamt zusätzliche 3.000 Arbeitsstellen, vor allem in Frauenhäusern und Beratungsstellen, notwendig, um betroffene Frauen nachhaltig betreuen zu können. Eine einzige Betreuerin der Interventionsstelle gegen Gewalt sei derzeit für 310 Frauen zuständig. "Wenn man es ernst nimmt und man auch die Maßnahmen der Istanbul-Konvention umsetzt, braucht es das Geld. Sonst wird sich nie etwas ändern", ist sich Rösslhumer sicher.

Auch die Betreuung von Kindern nach traumatischen Erlebnissen, Täterarbeit und verstärkter Personenschutz nach einer Trennung sind dringend notwendig. Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) sagte im Mai im ORF-Radio, dass alle Frauen wissen sollten, dass sie bei Opferschutzeinrichtungen niemals weggeschickt würden.

Dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht, erfährt Pfolz am eigenen Leib. In den zehn Jahren ihrer Ehe habe sie dreimal versucht, in ein Frauenhaus zu flüchten. Nie war ein Platz frei. "Da steht man da, mit einem Kleinkind, die Wohnung geht auf den Mann, der einen dauerbeobachtet, auf das Geld hat man keinen Zugriff. Man hat einfach nichts." Auch als ihre Mutter schwer an Krebs erkrankt, verbietet ihr Mann jeglichen Kontakt zu ihr. Heimlich nutzt sie ihre Mittagspausen, um die Hände ihrer Mutter am Sterbebett zu halten oder sich um deren Haus zu kümmern. Sie versucht, den Kummer, so gut es geht, vor ihrem Sohn zu verstecken und die Flucht genau zu planen.

Als der Druck immer höher wird, weiß Pfolz, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Sie hat zehn Kilo abgenommen, ihre körperlichen Beschwerden werden immer spürbarer, manchmal bleibt sie aus Angst vor einem Wutanfall ihres Mannes minutenlang vor der geschlossenen Haustür stehen. Sie erstattet Anzeige und reicht die Scheidung ein. Doch was vorerst wie das Ende scheint, ist erst der Anfang eines jahrelangen Rechtsstreits, bei dem sie sich hoch verschuldet.

Es dauert lange, bis ihr Mann das Haus verlässt. Er findet ein juristisches Schlupfloch, das damals noch bestand, und meldet seinen Wohnsitz ab, um einer Wegweisung zu entkommen. Noch monatelang leben sie gezwungenermaßen unter einem Dach. Auch die körperlichen Bestrafungen werden immer härter und Karin Pfolz weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt.

Wenn gewalttätige Männer von einer Trennung erfahren, befinden sich die Partnerinnen in der gefährlichsten Phase. Es ist der Zeitpunkt, an dem die meisten Morde passieren. Aus Angst sperrt sich Pfolz nachts mit ihrem Sohn im Kinderzimmer ein und übernachtet auf dem Teppich. Den Schreibtisch schiebt sie vor die Tür. Dass Geschichten wie jene von Pfolz trotz einer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft keine Einzelfälle sind, hat vielschichtige Ursprünge, angefangen bei fragwürdigen Rollenbildern in der Erziehung, der Politik und dem Bild, das Medien transportieren, erklärt Kommunikationsforscherin Trnka-Kwiecinski.

"Wenn Medien von ,Beziehungstaten‘ berichten, ist das eine Verharmlosung, die fürchterlich ist", findet die Kommunikationswissenschafterin. Doch Medien können genauso auch einen "emanzipatorischen Effekt" haben, zum Beispiel, wenn es um den weiblichen Körper und Aufklärung geht. Gefährlich würde es nur dann, wenn in Computerspielen oder Filmen Gewalt gegen Frauen dazugehört und somit legitimiert wird. "Jemanden zu schlagen, ist etwas, was inakzeptabel sein sollte. Aber im Computerspiel darf man die Frau vergewaltigen, im romantischen Liebesfilm darf man sie zu einem Kuss zwingen. Umgekehrt kriegt der Mann aber von der Frau auch immer eine Watsche. Und das wird nicht hinterfragt", kritisiert Trnka-Kwiecinski.

Menschen, die mit körperlicher und psychischer Gewalt reagieren, haben nicht gelernt, anders mit ihren Aggressionen umzugehen. "Alle, die Rat suchen, sitzen da und zeigen Hilflosigkeit. Sie haben das Muster erlernt, erkennen, dass das falsch ist, sind aber nicht in der Lage, da auszusteigen", erklärt Trnka-Kwiecinski. Dass der Täter auch Opfer von sich selbst ist und genau deshalb Täterarbeit so wichtig ist, sieht auch Zehetner so.

Mückstein will Männerberatungen fördern#

Das Rollenbild, das viele Männer von sich selbst haben, hilft dabei nicht. Bei einer Trennung müssen Männer genauso lernen, Trauer zuzulassen und sich im Gespräch Hilfe zu suchen. Viele Männer sehen ihre Partnerin als Besitz, erklärt Zehetner. Sie wollen sich gegen den Trennungswunsch der Frau verteidigen. In der Gewaltsituation haben sie ihre Gefühle oft nicht unter Kontrolle und verspüren danach sogar Mitleid oder können sich gar nicht mehr an das Ausmaß ihrer Taten erinnern.

Genau deshalb möchte sich Gesundheits- und Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) für die Sichtbarkeit von Männerberatungsstellen einsetzen. Auch er kritisiert die Verharmlosung der Situation, häufig auch in Medien: "Mord ist Mord. Es gibt hier keine Grauzone. Es gibt hier keinen Interpretationsspielraum", sagt er in einer Pressekonferenz Anfang Mai.

Gesamtgesellschaftlich müsse das Thema Gewalt in der Beziehung enttabuisiert werden. Schließlich gebe es auch gewalttätige Frauen. "Geh’ mal als Mann auf eine Polizeistation und sag: ‚Meine Frau hat mich geschlagen.‘ Das ist ein nächstes großes Thema, das ich nicht kleinreden will", so Trnka-Kwiecinski.

Morddrohungen auch noch Jahre nach der Scheidung#

Hilfe anzunehmen sei wichtig, sagt Karin Pfolz. Sie nimmt ein Glas Wasser, trinkt einen Schluck und setzt sich dann wieder an den Esstisch. Doch sich "in Selbstmitleid zu suhlen und zu raunzen" sei nicht der richtige Weg. Sie betont immer wieder, sich nicht als Opfer sehen zu wollen, viel eher als Überlebende. Noch Jahre nach der Scheidung erhält sie Morddrohungen von Wertkartenhandys. Sie habe "ein paar Jahre Pech gehabt", sagt Pfolz, während sie die Terrassentür schließt. Dafür werde es in Zukunft umso besser. Der Gedanke "Jetzt erst recht!" gibt ihr Mut.

Ihre Worte setzt sie auch in die Tat um. Nach der Scheidung macht sie das, was ihr jahrelang untersagt wurde: Sie malt in einem Jahr 76 Ölbilder und schaut dabei Filme, eine Art Selbsttherapie.

Danach beginnt sie eine juristische Ausbildung, arbeitet jahrelang als Rechtsanwaltskanzleileiterin und hilft Frauen, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist. Nach einem besonders tragischen Fall schlittert sie in ein Burnout und orientiert sich deshalb beruflich neu. Im Jahr 2014 gründet sie den Karina Verlag und veröffentlicht ihre eigene Autobiografie "Manchmal erdrückt es mich, das Leben". Alle Einnahmen werden an die Autonomen Österreichischen Frauenhäuser gespendet. Pfolz schreibt heute Kinderbücher, spricht in der Öffentlichkeit über ihre Vergangenheit und leitet gemeinsam mit Maria Rösslhumer, einer Pathologin und einer Beraterin vom Weißen Ring, Workshops gegen Gewalt für Firmenangestellte. Sie arbeitet auch mit Kindern und Jugendlichen in Schulen zusammen.

Ein wichtiger Punkt, der ihrer Meinung nach zu selten genannt wird, ist die Zivilcourage. Immer wieder denkt sie mit Dankbarkeit an die Bekannte zurück, die ihr und ihrem Sohn ihre leere Wohnung zur Verfügung stellte, in der sie nach der Scheidung mehrere Monate verbrachte. Bemerkt man, dass jemand in Gefahr ist, kann eine kleine Hilfeleistung schon Leben retten, sagt Pfolz.

Heute kann sie wieder lachen, ohne stechende Schmerzen im Unterleib von Verletzungen, die ihr Mann in der Nacht zuvor verursacht hat. Heute muss sie keine Angst mehr vor einem plötzlichen Wutausbruch haben. Drohungen erhält sie auch nicht mehr. Denn ihr Ex-Mann ist mittlerweile gestorben. Trotz allem wird Pfolz manchmal noch immer schweißgebadet wach und die Erinnerungen werden sie ein Leben lang begleiten. Vor zwei Jahren lag sie mit fünf Bandscheibenvorfällen monatelang im Krankenhaus. "Die Wirbelsäule ist nach so vielen Stiegenfällen einfach hin", erzählt sie.

Ans Aufgeben hatte sie trotzdem nie gedacht. Heute weiß sie, dass sie nur durch ihre Vergangenheit jetzt anderen helfen kann. Heute ist Pfolz glücklich. Sie lebt wieder in ihrem "zurückeroberten Haus", wie sie es schmunzelnd nennt, und ist Mutter von mittlerweile drei Kindern.

Wiener Zeitung, 5. Juni 2021