Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast

Japanische Märtyrer mitten in Mexiko#

Cuernavacas exotischer Bilderzyklus um San Felipe de Jesus#


Von

Günther Jontes

Die Bilder wurden vom Autor 2002 an Ort und Stelle aufgenommen. Sie sind Teil des Archives Bilderflut Jontes und urheberrechtlich gedschützt.


Cuernavaca ist eine mittelgroße Stadt etwa 80 km westlich von der Hauptstadt Mexico DF und kann ihre Geschichte bis in die präkolumbische Zeit zurückführen. In der einheimischen Sprache Nahuatl heißt sie Cuauhnahuac. Sie steht aber auch in Zusammenhang mit dem Versuch der Christianisierung Japans, die vom hl. Franz Xaver begonnen worden war, dann schöne Erfolge gezeitigt hatte, schließlich aber in einer Katastrophe untergegangen war.

San Felipe de Jesus
San Felipe de Jesus

Was Mexiko in dieser Hinsicht mit dem japanischen Inselreich verbindet, ist die Tatsache, dass ein Missionar mexikanischen Geblüts als Märtyrer mit 25 Gefährten gestorben war und als erster Mexikaner von der katholischen Kirche zur Ehre der Altäre erhoben wurde.

Geboren 1572, war er als junger Mann dem Franziskanerorden beigetreten und hatte dort den Ordensnamen Felipe/Philipp de Jesus angenommen. An verschiedenen Missionsprojekten beteiligt, war er häufig in Südostasien unterwegs gewesen und 1596 eben auf einem Handelsschiff nach den Philippinen unterwegs. An Bord befanden sich 25 weitere Missionare, die unterschiedlichen Orden angehörten. Um gegen Piraten gefeit zu sein, hatte man außer den Handelswaren und Passagieren auch Kanonen und Waffen an Bord.

Bilderzyklus
Bilderzyklus

Durch einen Sturm von der Route abgekommen, wurde das Schiff an der Küste Japans angetrieben, wo nach der Niederschlagung des Shimabara-Aufstandes der christlichen Daimyos unter Toyotomi Hideyoshi als Shogun 1587 die ersten Christenverfolgungen begonnen hatten. Wegen der Waffenfunde wurden die an Bord festgenommenen Missionare als Vorboten einer militärischen Eroberung Japans durch die europäischen Mächte( jap. namban „südliche Barbaren“) betrachtet und nach qualvoller Gefangenschaft am 5. Februar alle miteinander in Nagasaki gekreuzigt und am Kreuz mit Speeren zu Tode gemartert. Unter den Toten befand sich auch der erste japanische Jesuit Paul Miki.

Bilderzyklus

Der Tod dieser Missionare wurde in Europa bald ruchbar. Literatur und besonders das Jesuitentheater nahmen sich des dramatischen Stoffes an und 1627 wurde die 25 „Martyres Japonenses“ selig und 1862 sichtlich im Zusammenhang mit der erzwungenen Öffnung Japans auch heiliggesprochen. Im Heiligenkalender steht als der Tag ihres Martyriums der 5. Februar, an welchem man ihrer gedenkt.

Es nimmt also nicht Wunder, dass der Tod dieser Missionare auch in Mexiko Aufsehen erregte und so kam es, dass in der Kathedralkirche de la Asunción von Cuernavaca die Geschichte dieses Martyriums in Wandmalereien eines anonymen Freskanten bildhaft in Szene gesetzt, dann vergessen, aber durch eine Restaurierung im 20. Jahrhundert wieder entdeckt und freigelegt wurde. Selten aber doch wurde das Ereignis auch in Europa künstlerisch umgesetzt, so etwa auf einem Seitenaltar der prachtvollen Jesuitenkirche von Leoben um 1670.

Als erster mexikanischer Heiliger ist San Felipe de Jesus heute auch der Patron der mexikanischen Hauptstadt Mexico D.F.

Bilderzyklus

Weiterführende Literatur#

  • Günther Jontes, „Japonenses Martyres“. Japanische Stoffe im Grazer Jesuitentheater. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 15(1984), S.27-52