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Eva Marsal (Karlsruhe/Germany)#

„Philosophieren mit Kindern“ als “Enlightenment“-Methode der Kindheitsforschung #

Ich möchte in diesem Beitrag die Potenz des „Philosophieren mit Kindern“ als “Enlightenment“ Methode für die Kindheitsforschung skizzieren. Den Ausgangspunkt dafür bildet die symmetrische gemeinsame Forschungsarbeit in der community of inquiry, die als Exploration Phase dient. Neben der Steigerung seiner kritischen und kreativen Denkfähigkeiten sowie seiner sozialen, personalen und emotionalen Intelligenz klärt und erweitert das Kind hier im argumentativen reflexiven Diskurs auch seine Selbst – und Weltkonzepte sowie seine Subjektiven Handlungstheorien. Die Aufzeichnung dieses inter- und intrafundierten Forschungsprozesses ermöglicht Kindheitsforschern wie z. B. Entwicklungspsychologen die Gewinnung von Forschungsdaten zu den kindlichen Konzepten aus der verbalisierten und kritisch überprüften Ich-Perspektive des Kindes heraus. Damit ist dieser Forschungsprozess näher am Kind, als die in der Entwicklungspsychologie üblicherweise praktizierten Designs wie Beobachtung, Interview, Dilemmata, Experiment oder Computersimulation. Deshalb verspricht die Rekonstruktion der Methode „Philosophieren mit Kindern“ als Forschungsstrategie eine größere Alltagstauglichkeit der Forschungsdaten und verringert so den Graben zwischen Theorie und Praxis. Inhaltlich passt die Forschungsmethode „Philosophieren mit Kindern“ in die Forschungslandschaft „Subjektive Theorien“, die mit Dialog-Konsens-Methoden operiert und inzwischen in der Erwachsenen- und Jugendforschung etabliert ist.

Ich fokussiere meine Ausführungen auf den Beitrag, den das Paradigma „Philosophieren mit Kindern“ für die Selbst- und Weltkonstruktion sowie den Subjektiven Theorien zu antizipierten potentiellen Handlungen leistet, da ich davon ausgehe, dass wir gerade in dieser Domäne einen spezifischen Beitrag zur Kindheitsforschung leisten können und zwar vor allem durch den interkulturellen Vergleich der Kindheitskonzepte. Das Alleinstellungsmerkmal wäre hier die Prüfperspektive aus der internen Ich-Perspektive heraus, die nicht nur reaktiv auf die Fragen einer Forscherin oder eines Forschers erfolgt, sondern aktiv aufgrund der eigenen Fragelinien der Kinder. Diese folgen dem “Enlightenment“-prinzip: Sapere aude! – Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!.

Als elaboriertes Beispiel möchte ich aber die Pilotstudie zum Naturverständnis von deutschen und kanadischen Kindern herausgreifen: „Nature Gives and Nature Takes“. Hierbei wurden die transkribierten Kinderaussagen inhaltsanalytisch ausgewertet. Das deduktiv-induktiv gewonnene philosophische Kategoriensystem umfasst die 4 Kategorien „Definition, Gefühlsqualitäten, Werte / Stellenwert und Faszinosum. Als Anregung für die Extrahierung der Argumente skizziere ich die 1. Kategorie: Definition und zeige daran den interkulturellen Vergleich auf.