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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher162 rium, und dessen thüren wurden geöffnet, so daß ich ganz bequem hinein spazierte und darin überflüssig genug Platz fand; jedoch waren die vorder- sten reihen besetzt, die hintern stiegen auf stühle, so daß ich gar nichts sah, bis ich endlich ebenfalls einen Stuhl nahm; da sah ich dann die Tauf-Cere- monie ziemlich gut; es war ganz wie andere Taufen, nur etwas pompöser, ein Jude und 3 Jüdinnen, sämmtlich von ziemlich zweideutigem Aussehen, waren die dießjährige Ausbeute des Katholicismus; Taufpathen waren der Botschafter von Frankreich und seine Frau; das Ganze war eine Mummerey wie das meiste, was ich bisher hier gesehen habe, dauerte aber nicht sehr lange, worauf wieder en procession in die Kirche gegangen wurde; dort war abermals hochamt, Procession, wobey die convertiten promenirt wurden, Predigt, etc. mich ennuyirte all das Zeug, und ich ging statt dessen die kir- che ansehen, die eigentliche domkirche roms und hauptkirche der chri- stenheit; Mater et caput ecclesiarum nobis et orbis, so ist ihr Titel;1 sie ist beinahe so groß als die Peterskirche; die Capelle Corsini ist superbe, die Kir- che ist aus dem ehemaligen Pallast constantins gebaut und von diesem kai- ser gegründet, so wie auch der daran stoßende päpstliche, jedoch jetzt unbe- wohnte Pallast; von dem Platze vor ihrer façade, auf welchem Roms größter obelisk steht, hat man die herrlichste Aussicht auf die Aquäducte des clau- dius und des nero, das grab der cecilia metella, etc. Auf demselben Platz ist die scala santa, nähmlich die stiege im hause des Pilatus, welche unser Heiland hinaufstieg, ein Geschenk irgend eines Sultans an den Papste; sie ist mit holz bedeckt, und die gläubigen steigen sie kniend hinauf. ich wollte auch den kirchhof sehen, worin eine menge reliquien aus der Passions ge- schichte aufbewahrt werden, als der stein worauf um Jesu kleider gewürfelt wurde, der tisch des letzten Abendmahles, etc., es war aber verschlossen. Wir fuhren dann in die kirche san Pietro in vincoli, wo ganz im freyen, ober dem Gitter des Eingans, die Ketten des heiligen Petrus hängen; darin ist ein superbes grabmal Julius ii., der moses von michelangelo, endlich eine sehr schöne magdalena von guercino. dann fuhr ich allein in den vatican, welchem ich den heutigen tag wid- men und Alles nochmals genauer besehen wollte, weßhalb ich auch den Wa- gen um 2 Uhr wieder bestellte; als ich aber an den Eingang kam, hörte ich zu meinem großen verdrusse, es sey heute, und zwar bis dienstag, für Je- dermann ohne Ausnahme geschlossen; so muß ich denn von Rom weg und habe dessen Perle, den Vatican, nur höchst flüchtig gesehen; ce sera pour une autre fois; für jetzt ging ich in die Bibliothek des Vaticans, die ich noch nicht gesehen hatte; die immensen, magnifiquen Säle sind wirklich imposant 1 die inschrift über dem haupteingang lautet „sacrosancta lateranensis ecclesia omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput“.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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