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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 171 -
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17118. April 1841 und sprach an der table d’hôte mit meiner guten freundin du rieux, Prima donna von Mailand. Um 6 Uhr fuhren wir zu Orloff; außer uns beyden aßen noch dort ein russischer senator murawieff, vater deßjenigen der in der ver- schwörung vom Jahre 1825 verwickelt war und gehängt wurde,1 ein großer Politisirer und sehr gescheidter, ausgezeichneter Mann, und seine Tochter; das diner war recht amusant, und so auch nach tisch, bis murawieff weg- ging; wir gingen dann zu Orloff hinüber eine Pfeife rauchen, und nach und nach füllten sich die salons, jedoch vornehmlich mit alten frauen, was eben nicht sehr amusant war. unter andern war ein junger gallitzin da, welcher perdus ist und sich auf einer chaise mouvante mit merkwürdiger geschick- lichkeit bewegt; später wurde gesungen, und nach 11 Uhr gingen wir fort. [florenz] 18. April heute war ein magnifiquer tag, der erste sommertag in diesem Jahr nach dem bisherigen unfreundlichen Wetter. ich ging heute ziemlich spät aus, und zwar mit Tiesenhausen in die Galerie Corsini; sie ist superbe; am besten gefielen mir eine Bachantin von giorgione, die filosofia und die richezza von guido reni, der tod des Priamus, ein großes, modernes Bild mit sehr viel figuren von Benvenuti, eine Judith mit ihrer sklavin von correggio, die berühmte Judith mit dem holofernes-kopf in der hand von christ. Allori (en petit, im großen ist sie im palazzo Pitti), eine copie der madonna della seg- giola von raffael in dresden von giulio romano, die magnifique, berühmte poesia von carlo dolce, eine Wiederholung des violinspielers von raffael im Palazzo sciarra in rom, auch von raffael, sagt man, und endlich, oder viel- mehr allein, ausschließlich und überschwenglich, die superbe, einzige, un- vergeßliche, göttliche lucrezia von guido reni, das schönste Bild unter der sonne, welches einem ordentlich berauscht und verzaubert, und welches von florenz meine angenehmste erinnerung war und bleiben wird. hierauf gingen wir in die kirche santa maria novella, besahen uns diese, die capella degli spagnuoli und das frescobild der verschiedenen verdamm- ten in der Hölle nach Dante; leider aber war die parfumerie der Dominica- ner heute geschlossen; dann ärgerten wir uns über unseren spitzbübischen lohnbedienten, der uns einen elenden fiacker als lohnwagen um doppeltes geld aufschwätzen wollte, und gingen zu náko, welcher uns, was der eigent- liche Zweck unserer visite war, antrug, uns alle cascine zu führen, wo heute als Sontag [sic] die ganze schöne Welt versammelt war; wirklich war es auch superbe; es ist einer der schönsten Spaziergänge in der Welt und wimmelte 1 oberst sergei muraviev-Apostol wurde als einer der führer des dekabristen-Aufstands am 25.7.1826 in st. Petersburg hingerichtet, sein Bruder matvej zu 20 Jahren verbannung nach sibirien verurteilt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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